Startseite Allgemeines Staatsanleihen: Wenn selbst die Schulden plötzlich teuer werden
Allgemeines

Staatsanleihen: Wenn selbst die Schulden plötzlich teuer werden

Peggy_Marco (CC0), Pixabay
Teilen

Früher war alles einfacher.

Die USA machten Schulden.

Deutschland machte Schulden.

Österreich machte Schulden.

Und die Finanzmärkte sagten: „Kein Problem, hier habt ihr noch mehr Geld.“

Heute sagen dieselben Finanzmärkte:

„Moment mal, wie wollt ihr das eigentlich zurückzahlen?“

Und plötzlich herrscht Nervosität.

Die USA entdecken den Preis ihrer Kreditkarte

Besonders spannend wird die Lage in den Vereinigten Staaten.

Dort ist die Staatsverschuldung mittlerweile auf rund 39 Billionen US-Dollar angewachsen.

39 Billionen.

Das ist eine Zahl, die so groß ist, dass selbst Taschenrechner kurz überlegen, ob sie wirklich mitmachen wollen.

Die amerikanische Politik verhält sich dabei ein wenig wie jemand, der seit Jahren mit der Kreditkarte einkaufen geht und plötzlich den ersten Brief der Bank öffnet.

Die Überraschung ist groß:

Zinsen kosten Geld.

Der wahre Boss sitzt nicht im Weißen Haus

Donald Trump, die Republikaner, die Demokraten – sie alle streiten gerne darüber, wer die USA regieren soll.

Der Anleihemarkt betrachtet diese Diskussionen ungefähr so interessiert wie ein Finanzbeamter eine Ausrede.

Denn wie schon Bill Clintons Berater James Carville einst sagte:

„Wenn ich wiedergeboren werde, möchte ich als Anleihemarkt zurückkommen. Dann kann ich jeden einschüchtern.“

Ein Satz, der heute aktueller wirkt denn je.

Deutschland: Meister der Sondervermögen

Während die Amerikaner über ihre 39 Billionen Dollar Schulden diskutieren, hat Deutschland seine ganz eigene Spezialdisziplin entwickelt:

Schulden machen, ohne sie Schulden zu nennen.

Dafür gibt es in Berlin das magische Wort:

Sondervermögen.

Klingt nach Reichtum.

Ist aber meistens Geld, das erst noch geliehen werden muss.

Deutschland steht derzeit bei einer Staatsverschuldung von rund 2,8 bis 3 Billionen Euro.

Die Schuldenquote liegt mit etwa 63 bis 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwar deutlich unter jener der USA, Frankreichs oder Italiens.

Trotzdem wird auch hier das Geld teurer.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt mittlerweile wieder bei rund 2,5 bis 3 Prozent.

Für Politiker ist das ungefähr so erfreulich wie ein Strafzettel am Morgen.

Österreich: Das Land der 100-jährigen Schulden

Und dann ist da noch Österreich.

Während andere Staaten Schulden für zehn oder zwanzig Jahre aufnehmen, dachte man sich in Wien:

Warum nicht gleich für 100 Jahre?

Kein Scherz.

Österreich hat tatsächlich Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einem Jahrhundert ausgegeben.

Als die Zinsen rund um das Jahr 2020 praktisch bei null lagen, griff die Bundesfinanzierungsagentur zu.

Heute wirkt das fast wie ein Lottogewinn.

Denn während viele Staaten ihre Schulden zu deutlich höheren Zinsen erneuern müssen, sitzt Österreich vergleichsweise entspannt da.

Zumindest solange niemand fragt, was im Jahr 2120 passiert.

Der Häuslbauer zahlt mit

Das Problem betrifft übrigens nicht nur Staaten.

Wenn Staatsanleihen teurer werden, werden auch Kredite teurer.

Das bedeutet:

  • höhere Hypothekenzinsen,
  • teurere Unternehmenskredite,
  • weniger Investitionen,
  • weniger Wachstum.

Kurz gesagt:

Wenn die Staaten mehr für ihr Geld zahlen müssen, zahlen am Ende meistens auch die Bürger mehr.

Wie immer.

Fazit

Die eigentliche Nachricht lautet:

Jahrelang konnten sich Staaten fast kostenlos Geld leihen.

Diese Zeit ist vorbei.

Die Finanzmärkte erinnern die Politik gerade daran, dass Schulden zwar einfach aufzunehmen sind – aber irgendwann auch finanziert werden müssen.

In den USA sorgt das für Nervosität.

In Deutschland für neue Sondervermögen.

Und in Österreich für die Hoffnung, dass die 100-jährigen Anleihen noch möglichst lange niemand anfassen muss.

Oder anders gesagt:

Der wahre Oppositionsführer der westlichen Welt heißt derzeit nicht Trump, Merz oder irgendein anderer Politiker.

Er heißt Anleihemarkt.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Heilbronn jagt den bösen Kommentar – oder: Wenn die Staatsanwaltschaft plötzlich Influencer werden will

Politikerbeleidigungen sind strafbar. So weit, so richtig. Aber wie so oft steckt...

Allgemeines

Starmer gegen Musk: Britischer Premier verteilt höflich formulierte Ohrfeige

In Großbritannien gibt es derzeit zwei Männer, die fest davon überzeugt sind,...

Allgemeines

Und jetzt, Herr Trump …

Donald Trump wollte einmal mehr den großen Friedensstifter geben. In Washington wurde...

Allgemeines

Hallo RB Fans

RB Leipzig liegt uns am Herzen – deshalb werden wir weiter kritisch,...