Früher war alles einfacher.
Die USA machten Schulden.
Deutschland machte Schulden.
Österreich machte Schulden.
Und die Finanzmärkte sagten: „Kein Problem, hier habt ihr noch mehr Geld.“
Heute sagen dieselben Finanzmärkte:
„Moment mal, wie wollt ihr das eigentlich zurückzahlen?“
Und plötzlich herrscht Nervosität.
Die USA entdecken den Preis ihrer Kreditkarte
Besonders spannend wird die Lage in den Vereinigten Staaten.
Dort ist die Staatsverschuldung mittlerweile auf rund 39 Billionen US-Dollar angewachsen.
39 Billionen.
Das ist eine Zahl, die so groß ist, dass selbst Taschenrechner kurz überlegen, ob sie wirklich mitmachen wollen.
Die amerikanische Politik verhält sich dabei ein wenig wie jemand, der seit Jahren mit der Kreditkarte einkaufen geht und plötzlich den ersten Brief der Bank öffnet.
Die Überraschung ist groß:
Zinsen kosten Geld.
Der wahre Boss sitzt nicht im Weißen Haus
Donald Trump, die Republikaner, die Demokraten – sie alle streiten gerne darüber, wer die USA regieren soll.
Der Anleihemarkt betrachtet diese Diskussionen ungefähr so interessiert wie ein Finanzbeamter eine Ausrede.
Denn wie schon Bill Clintons Berater James Carville einst sagte:
„Wenn ich wiedergeboren werde, möchte ich als Anleihemarkt zurückkommen. Dann kann ich jeden einschüchtern.“
Ein Satz, der heute aktueller wirkt denn je.
Deutschland: Meister der Sondervermögen
Während die Amerikaner über ihre 39 Billionen Dollar Schulden diskutieren, hat Deutschland seine ganz eigene Spezialdisziplin entwickelt:
Schulden machen, ohne sie Schulden zu nennen.
Dafür gibt es in Berlin das magische Wort:
Sondervermögen.
Klingt nach Reichtum.
Ist aber meistens Geld, das erst noch geliehen werden muss.
Deutschland steht derzeit bei einer Staatsverschuldung von rund 2,8 bis 3 Billionen Euro.
Die Schuldenquote liegt mit etwa 63 bis 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zwar deutlich unter jener der USA, Frankreichs oder Italiens.
Trotzdem wird auch hier das Geld teurer.
Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt mittlerweile wieder bei rund 2,5 bis 3 Prozent.
Für Politiker ist das ungefähr so erfreulich wie ein Strafzettel am Morgen.
Österreich: Das Land der 100-jährigen Schulden
Und dann ist da noch Österreich.
Während andere Staaten Schulden für zehn oder zwanzig Jahre aufnehmen, dachte man sich in Wien:
Warum nicht gleich für 100 Jahre?
Kein Scherz.
Österreich hat tatsächlich Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einem Jahrhundert ausgegeben.
Als die Zinsen rund um das Jahr 2020 praktisch bei null lagen, griff die Bundesfinanzierungsagentur zu.
Heute wirkt das fast wie ein Lottogewinn.
Denn während viele Staaten ihre Schulden zu deutlich höheren Zinsen erneuern müssen, sitzt Österreich vergleichsweise entspannt da.
Zumindest solange niemand fragt, was im Jahr 2120 passiert.
Der Häuslbauer zahlt mit
Das Problem betrifft übrigens nicht nur Staaten.
Wenn Staatsanleihen teurer werden, werden auch Kredite teurer.
Das bedeutet:
- höhere Hypothekenzinsen,
- teurere Unternehmenskredite,
- weniger Investitionen,
- weniger Wachstum.
Kurz gesagt:
Wenn die Staaten mehr für ihr Geld zahlen müssen, zahlen am Ende meistens auch die Bürger mehr.
Wie immer.
Fazit
Die eigentliche Nachricht lautet:
Jahrelang konnten sich Staaten fast kostenlos Geld leihen.
Diese Zeit ist vorbei.
Die Finanzmärkte erinnern die Politik gerade daran, dass Schulden zwar einfach aufzunehmen sind – aber irgendwann auch finanziert werden müssen.
In den USA sorgt das für Nervosität.
In Deutschland für neue Sondervermögen.
Und in Österreich für die Hoffnung, dass die 100-jährigen Anleihen noch möglichst lange niemand anfassen muss.
Oder anders gesagt:
Der wahre Oppositionsführer der westlichen Welt heißt derzeit nicht Trump, Merz oder irgendein anderer Politiker.
Er heißt Anleihemarkt.
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