Startseite Allgemeines So ernährt sich eine Adipositas-Expertin im Alltag – und warum sie Diäten kritisch sieht
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So ernährt sich eine Adipositas-Expertin im Alltag – und warum sie Diäten kritisch sieht

Fotomaus13 (CC0), Pixabay
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Welche Ernährung ist eigentlich die beste, wenn man Gewicht verlieren oder langfristig gesünder leben möchte?

Für die US-Ärztin Dr. Susan Wolver gibt es darauf keine pauschale Antwort. Die Leiterin eines medizinischen Gewichtsreduktionsprogramms an der Virginia Commonwealth University beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Adipositas und wird nach eigener Aussage immer wieder nach der „besten Diät“ gefragt.

Ihre Antwort fällt erstaunlich einfach aus: Die beste Ernährungsweise sei diejenige, die ein Mensch langfristig durchhalten könne.

Wolver warnt deshalb vor starren Diätplänen. Wenn sich Ernährung dauerhaft wie Verzicht und Zwang anfühle, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie irgendwann abgebrochen werde. Stattdessen müsse berücksichtigt werden, was jemand gerne isst, welche kulturellen Gewohnheiten vorhanden sind und welche Lebensmittel individuell gut vertragen werden.

Für sich selbst hat Wolver eine eher kohlenhydratreduzierte Ernährung gewählt.

Sie berichtet, dass sie persönlich schlecht mit größeren Mengen Kohlenhydraten und insbesondere Zucker zurechtkomme. Früher habe es sogar Tage gegeben, an denen sie fast ausschließlich Süßes gegessen habe. Gleichzeitig betont sie, dass der Verzicht darauf gerade am Anfang schwierig sein könne.

Fett betrachtet sie dagegen nicht grundsätzlich als Problem.

Sie erinnert daran, dass fettarme Produkte insbesondere in den 1980er-Jahren stark verbreitet waren und Fett teilweise durch Zucker ersetzt wurde. Für Wolver ist deshalb nicht allein der Fettgehalt entscheidend, sondern die gesamte Zusammensetzung eines Lebensmittels.

Ihr eigener Speiseplan ist vergleichsweise unkompliziert.

Zum Frühstück isst sie häufig naturbelassenen griechischen Joghurt mit vollem Fettgehalt. Dazu kommen Proteinpulver, Chiasamen, Leinsamen und Walnüsse. Alternativ entscheidet sie sich für Eier oder fertige Ei-Gerichte, ergänzt mit Gemüse, Salsa, Jalapeños oder Avocado.

Auch ihre Kaffeegewohnheiten hat sie verändert. Früher verwendete sie künstliche Süßungsmittel, heute trinkt sie ihren Kaffee mit Sahne und ohne Zucker. Nach ihrer Erfahrung könne sich der Geschmack mit der Zeit deutlich verändern.

Mittags greift sie im Krankenhaus häufig zur Salatbar.

Neben Salat und verschiedenen Gemüsesorten nimmt sie meist eine proteinreiche Komponente wie Hähnchen- oder Thunfischsalat dazu. Wenn sie zu Hause ist, besteht das Mittagessen häufig aus Resten vom Abendessen.

Beim Abendessen bleibt sie ihrem Prinzip treu: viel Eiweiß, Gemüse und relativ wenig Kohlenhydrate.

Auf dem Teller landen beispielsweise Fleisch oder andere Proteinquellen zusammen mit Rosenkohl, Spargel, Brokkoli, Blumenkohl oder Artischocken. Gelegentlich isst sie auch Süßkartoffeln. Außerdem versucht sie nach eigener Aussage, möglichst wenig stark verarbeitete Lebensmittel zu verwenden.

Als Zwischenmahlzeit wählt sie meist Nüsse, Käse oder Joghurt.

Auch auf etwas Süßes verzichtet die Ärztin nicht vollständig. Als Dessert nimmt sie beispielsweise Hüttenkäse mit etwas Honig oder vermischt ihn mit Schokoladen-Proteinpulver. Gelegentlich isst sie dunkle Schokolade.

Zuckerhaltige Lebensmittel versucht sie allerdings nicht dauerhaft zu Hause aufzubewahren. Sie beschreibt, dass solche Lebensmittel bei ihr sonst ständig präsent seien und das Verlangen verstärken könnten.

Eine ihrer wichtigsten Empfehlungen betrifft jedoch nicht einzelne Lebensmittel, sondern den Einkauf.

Verbraucher sollten ihrer Ansicht nach Verpackungen umdrehen und Zutatenlisten genau lesen.

Nur weil ein Produkt als gesund vermarktet werde, müsse es das nicht automatisch sein. Gerade stark verarbeitete Produkte in Tüten oder Schachteln sollten kritisch betrachtet werden.

Wolver kam nach eigener Darstellung erst durch persönliche Erfahrungen intensiver zur Adipositasmedizin.

Sie arbeitete jahrzehntelang in der Inneren Medizin und bemerkte im mittleren Alter, dass sie selbst zunahm, obwohl sie genau jene Ratschläge befolgte, die sie zuvor ihren Patienten gegeben hatte.

Daraufhin veränderte sie ihre eigene Ernährung und begann, ihre Erfahrungen auch in die Behandlung von Patienten einfließen zu lassen. Diese Erfolge führten schließlich dazu, dass sie sich vollständig auf Adipositasmedizin konzentrierte.

Besonders wichtig ist ihr dabei ein Punkt: Übergewicht sei nicht einfach eine Frage mangelnder Disziplin.

Nach ihrer Auffassung handelt es sich bei Adipositas nicht um ein Problem fehlender Willenskraft, sondern um eine Erkrankung, bei der biologische Faktoren eine wesentliche Rolle spielen.

Damit unterscheidet sich ihre Botschaft deutlich von vielen klassischen Diätversprechen.

Es geht nicht darum, eine bestimmte Ernährung für alle Menschen zur einzig richtigen zu erklären.

Entscheidend ist vielmehr, eine Ernährungsweise zu finden, die gesundheitlich sinnvoll ist und gleichzeitig dauerhaft in das eigene Leben passt.

Der Tagesplan dieser Ärztin kann deshalb als Beispiel dienen – aber nicht als allgemeingültige Ernährungsvorschrift.

Denn am Ende bleibt die entscheidende Frage nicht:

Welche Diät ist gerade modern?

Sondern:

Welche Form der Ernährung lässt sich langfristig durchhalten, ohne dass jeder Tag zum Kampf gegen den eigenen Speiseplan wird?

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