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Rugby-Nationalspielerin Ellie Kildunne

pixa_schrippe (CC0), Pixabay
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Die englische Rugby-Nationalspielerin Ellie Kildunne hat erstmals offen über ihren langen Kampf mit Körperbildstörungen und problematischem Essverhalten gesprochen. Die 26-Jährige, die im vergangenen Jahr zu den prägenden Figuren beim WM-Triumph der „Red Roses“ gehörte, schildert rückblickend eine sehr schwierige Phase während der Corona-Lockdowns – eine Zeit, in der sie sich zunehmend in ungesunde Kontrolle, Gewichtsverlust und eine belastende Beziehung zum Essen verlor.

Nach außen galt Kildunne als Erfolgsgarantin, als Ausnahmespielerin, als Star des englischen Rugbys. Auf dem Platz begeisterte sie mit Tempo, Instinkt und spektakulären Aktionen – zuletzt auch beim Weltmeistertitel, als sie im Finale vor mehr als 80.000 Zuschauern mit einer herausragenden Einzelleistung glänzte. Doch hinter dieser sportlichen Stärke verbarg sich über längere Zeit eine ganz andere Realität.

Kildunne berichtet, dass sie während der Pandemie das vertraute Umfeld aus Mannschaft, Training und klaren sportlichen Zielen verloren habe. Ohne den gewohnten Alltag, ohne regelmäßige Einheiten mit dem Team und ohne den direkten Austausch mit Mitspielerinnen und medizinischem Personal habe sie begonnen, Kontrolle an anderer Stelle zu suchen. Während sie immer intensiver lief und versuchte, ihre Zeiten zu verbessern, aß sie gleichzeitig immer weniger.

Sie beschreibt, dass sie Mahlzeiten ausließ und Sport teilweise nutzte, um sich Essen gewissermaßen „zu verdienen“. Wenn sie das Gefühl hatte, nicht kontrollieren zu können, was sie essen würde, sei sie vorher noch laufen gegangen, um diese Kalorien auszugleichen. Obwohl sie selbst spürte, dass sie bereits deutlich an Gewicht verlor, blieb in ihrem eigenen Blick auf den Körper der Wunsch bestehen, noch schlanker zu werden.

Besonders eindrücklich schildert sie, wie verzerrt die eigene Wahrnehmung werden kann. Obwohl sie objektiv immer schmaler geworden sei, habe sie sich im Spiegel oft weiterhin als „zu groß“ gesehen. Gerade darin liege das Tückische solcher Störungen: Die Realität verschwimmt, und der eigene Körper wird nicht mehr so wahrgenommen, wie er tatsächlich ist.

Hinzu kam für sie ein weiterer innerer Konflikt. Im Rugby galt sie stets als eher kleine Spielerin. Außerhalb des Sports habe sie sich dagegen häufig als „zu groß“ empfunden. Dieses Spannungsfeld habe dazu beigetragen, dass sie sich nirgends wirklich wohl und passend gefühlt habe.

Die Folgen blieben nicht aus. Als Kildunne in den geregelten Trainingsbetrieb zurückkehrte, machte sich der körperliche Substanzverlust deutlich bemerkbar. Sie erlitt einen Ermüdungsbruch im Knie – aus ihrer Sicht auch deshalb, weil ihrem Körper die nötige Muskulatur und Energie fehlten, um die Belastungen aufzufangen. Selbst im Kraftraum spürte sie die Konsequenzen: Beim Training zitterten ihre Arme und Beine, weil ihr schlicht die Kraft fehlte.

Auch sportlich litt sie darunter. Im Kontaktspiel fehlte ihr die Stabilität, in Zweikämpfen das Selbstvertrauen. Sie habe sich schwächer gefühlt, verletzlicher, weniger widerstandsfähig. Aus Unsicherheit griff sie zeitweise sogar zu zusätzlicher Schutzausrüstung, um sich größer und robuster zu fühlen.

Der Wendepunkt kam in einem Moment, der für viele Betroffene bekannt klingt: Jemand fragte nicht nur nach dem Körper – sondern nach dem Menschen dahinter. Während einer physiotherapeutischen Behandlung bei ihrem damaligen Club sprach eine Vertraute sie darauf an, ob es ihr auch abseits des Platzes wirklich gut gehe. Kildunne brach in Tränen aus. Im Rückblick sagt sie, sie habe vermutlich genau auf diesen Moment gewartet. Sie habe gewusst, dass etwas nicht stimme, aber es bis dahin nicht wirklich stoppen können. Erst das offene Aussprechen habe eine Veränderung möglich gemacht.

Seitdem hat sie sich Schritt für Schritt stabilisiert. Anfang 2025 erhielt Kildunne zudem die Diagnose ADHS. Sie erklärt, dass dies bei ihr mitunter dazu führen könne, Mahlzeiten zu vergessen oder Essen im Alltag nicht ausreichend zu priorisieren. Umso wichtiger sei es für sie geworden, bewusst Strukturen zu schaffen. Sie habe gelernt, Nahrung als Treibstoff für ihren Körper und ihren Sport zu begreifen, esse gezielter und versucht, Ablenkungen zu vermeiden. Auch das Umfeld im Team, insbesondere Ernährungsfachleute, spiele dabei eine wichtige Rolle.

Trotzdem macht Kildunne deutlich, dass solche Themen nicht einfach „abgeschlossen“ sind. Sie sagt selbst, dass sie heute keine schlechte Beziehung zum Essen mehr habe – aber dass sie aufmerksam bleiben müsse, weil alte Muster im Hintergrund weiterhin existieren können. Es sei ein Prozess, kein endgültig abgehaktes Kapitel.

Mit ihrer Offenheit möchte sie nun anderen Mut machen. Sie sagt, dass von außen oft alles perfekt wirke – gerade bei erfolgreichen Profisportlerinnen. Doch niemand sei perfekt. Auch eine Nationalspielerin, eine Weltmeisterin oder ein gefeierter Star sei nicht unverwundbar. Genau deshalb wolle sie über ihre Erfahrungen sprechen: um anderen zu zeigen, dass sie mit solchen Gedanken und Kämpfen nicht allein sind.

Ihre Worte fügen sich in eine wichtige Debatte im Frauensport ein. Immer mehr Athletinnen sprechen offen über Druck, Körperbilder und Essstörungen – auch, weil sportliche Anforderungen und gesellschaftliche Schönheitsideale oft schmerzhaft kollidieren. Gerade junge Frauen erleben häufig, dass Leistung, Körpernormen und Selbstwahrnehmung in einen gefährlichen Widerspruch geraten können.

Ellie Kildunne zeigt mit ihrer Geschichte, dass Stärke nicht nur darin liegt, auf dem Feld zu glänzen. Manchmal besteht wahre Stärke auch darin, Verletzlichkeit zuzulassen, Hilfe anzunehmen und über etwas zu sprechen, das lange im Verborgenen geblieben ist. Für viele dürfte genau das ihre wichtigste Botschaft sein.

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