Die Zahl der Rechtsextremisten in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Nach dem aktuellen Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) werden inzwischen rund 58.700 Personen dem rechtsextremistischen Spektrum zugerechnet. Das sind mehr als 8.000 Personen mehr als im Vorjahr.
Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden bleibt der Rechtsextremismus damit die größte Bedrohung für die freiheitlich-demokratische Grundordnung in Deutschland. Rund 5.600 Rechtsextremisten gelten als gewaltorientiert.
Verfassungsschutz sieht Demokratie unter Druck
BfV-Vizepräsident Sinan Selen erklärte bei der Vorstellung des Berichts, die deutsche Demokratie stehe „praktisch permanent unter Angriff“ – sowohl durch extremistische Bestrebungen im Inland als auch durch ausländische Einflussnahme.
Als wichtigste Akteure ausländischer Spionage und Einflussoperationen nennt der Verfassungsschutz erneut Russland, China und Iran.
Wachstum der AfD als wesentlicher Faktor
Ein wesentlicher Grund für den Anstieg der erfassten Rechtsextremisten ist nach Angaben des Verfassungsschutzes das Mitgliederwachstum der Alternative für Deutschland (AfD). Die Partei zählte 2025 rund 70.000 Mitglieder.
Die AfD wird vom Bundesamt weiterhin als rechtsextremistischer Verdachtsfall geführt. Eine ursprünglich vorgenommene Einstufung als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ist derzeit aufgrund eines laufenden Gerichtsverfahrens ausgesetzt.
Im Bericht heißt es, mit steigenden Mitgliederzahlen wachse auch das Potenzial extremistischer Strömungen innerhalb der Partei. Zudem würden Verschwörungserzählungen wie der sogenannte „Bevölkerungsaustausch“ oder die Theorie des „Großen Austauschs“ immer wieder von rechten Akteuren aufgegriffen.
Reichsbürger und Linksextremismus ebenfalls im Fokus
Neben dem klassischen Rechtsextremismus führt der Verfassungsschutz rund 26.000 Angehörige der sogenannten Reichsbürger- und Selbstverwalter-Szene. Diese erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als legitimen Staat an, lehnen Verfassung und Behörden ab und verbreiten häufig antisemitische Verschwörungserzählungen.
Auch der Linksextremismus hat nach Angaben des Verfassungsschutzes zugenommen. Die Zahl der Personen in diesem Spektrum stieg auf 42.200. Gleichzeitig registrierten die Sicherheitsbehörden einen Anstieg linksextrem motivierter Gewalttaten, insbesondere gegen politische Gegner und Polizeibeamte.
Islamismus bleibt Sicherheitsproblem
Darüber hinaus weist der Bericht einen leichten Anstieg des islamistischen Personenpotenzials aus. Rund 28.645 Personen werden dem Bereich Islamismus beziehungsweise islamistisch motivierter Extremismus zugerechnet.
Der aktuelle Verfassungsschutzbericht macht deutlich, dass Deutschland weiterhin mit Bedrohungen aus mehreren extremistischen Spektren konfrontiert ist. Während der Rechtsextremismus nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden die größte Gefahr für die Demokratie darstellt, bleiben auch Linksextremismus, Islamismus sowie ausländische Einfluss- und Spionageaktivitäten zentrale Herausforderungen für die innere Sicherheit.
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