Es gibt Tage, an denen ein Streik mehr ist als ein Arbeitskampf.
Es gibt Tage, an denen ein Streik ein Zeichen setzt.
Und dann gibt es Tage wie diesen – an dem Lufthansa ihr 100-jähriges Bestehen begeht und Teile der Belegschaft samt Gewerkschaften offenbar beschlossen haben, aus einem Traditionsjubiläum ein nationales Chaos-Event zu machen.
Mitten in den Festakt zu „100 Jahre Lufthansa“ platzt der nächste Streik.
Während sich die Airline um Würde, Geschichte, Image und Zukunft bemüht, ziehen ausgerechnet jene den Stecker, die sich doch angeblich als Teil dieses Unternehmens verstehen: Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter, organisiert durch die Ufo-Gewerkschaft, flankiert von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, die bereits die nächsten Ausstände ankündigt.
Man muss es so deutlich sagen:
Für ein solches Vorgehen an genau diesem Tag kann man kaum noch Verständnis aufbringen.
Arbeitskampf ja – aber Anstand sollte es auch noch geben
Niemand bestreitet das Streikrecht.
Es ist ein hohes Gut.
Aber ein Recht entbindet nicht von Verantwortung, Fingerspitzengefühl und Verhältnismäßigkeit.
Wer ausgerechnet am Tag eines historischen Unternehmensjubiläums die Axt ansetzt, demonstriert eben nicht nur Härte in Tarifverhandlungen – sondern vor allem eines:
maximale Rücksichtslosigkeit.
Denn getroffen werden nicht zuerst Vorstände.
Getroffen werden nicht Funktionäre.
Getroffen werden wieder einmal die Falschen:
- Familien auf Urlaubsreise
- Geschäftsreisende mit wichtigen Terminen
- ältere Menschen mit Anschlussflügen
- Kinder auf dem Weg in die Ferien
- Passagiere, die sich auf Lufthansa verlassen haben
Und all diese Menschen erleben heute erneut, dass sie im deutschen Tarifritual vor allem eines sind: Kollateralschaden.
Was sagt das über die Verbundenheit mit dem Unternehmen aus?
Lufthansa ist nicht irgendein Konzern.
Lufthansa ist ein Stück deutscher Verkehrsgeschichte, ein Symbol für Mobilität, Verlässlichkeit und internationale Anbindung.
Hundert Jahre Luftfahrtgeschichte sind kein gewöhnlicher Kalendereintrag – es ist ein Tag, an dem man Größe zeigen könnte.
Doch stattdessen zeigen die Gewerkschaften, wie man einem Unternehmen öffentlich vor den Schienbeinen tritt, während im Hintergrund noch die Jubiläumsreden laufen.
Das ist kein Zeichen von Solidarität mit dem eigenen Arbeitgeber.
Das ist kein Ausdruck innerbetrieblicher Verantwortung.
Das ist auch kein „wir kämpfen für bessere Bedingungen“.
Das ist eine gezielte Demütigung des Unternehmens – vor den Kunden, vor der Öffentlichkeit, vor dem eigenen Jubiläum.
Wer so handelt, sendet ein verheerendes Signal:
Nicht Zusammenhalt. Nicht Verantwortung. Sondern:
Wir drücken genau dann maximal zu, wenn der öffentliche Schaden am größten ist.
Die Gewerkschaften verwechseln Macht mit Moral
Ufo streikt.
VC kündigt schon den nächsten Streik an.
Und man fragt sich unweigerlich: Geht es hier noch um Lösungen – oder längst nur noch um Machtdemonstration?
Wenn Gewerkschaften an symbolträchtigen Tagen bewusst eskalieren, dann geht es nicht mehr nur um Tarifpolitik.
Dann geht es um öffentliche Inszenierung.
Dann geht es um Schlagzeilen.
Dann geht es darum, maximale Wirkung zu erzielen – egal, wie groß der Flurschaden ist.
Und genau da liegt das Problem.
Denn wer immer nur den größtmöglichen Schaden als Verhandlungsinstrument wählt, verliert irgendwann den moralischen Anspruch, sich als „Anwalt der Beschäftigten“ darzustellen.
Dann wird aus Interessenvertretung ein Erpressungsmodell auf Kosten von Millionen Reisenden und eines Unternehmens, das in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld längst unter massivem Druck steht.
Ein sicherer Arbeitsplatz ist kein Selbstläufer
In Deutschland scheint mancher vergessen zu haben, was ein sicherer Arbeitsplatz überhaupt wert ist.
Lufthansa ist kein Selbstbedienungsladen.
Die Luftfahrtbranche ist brutal, international, hochkompetitiv, margenschwach und krisenanfällig.
Pandemien, Kerosinpreise, geopolitische Spannungen, Streckenausfälle, Personalmangel, Regulierungsdruck – all das ist Alltag.
Und trotzdem benehmen sich manche Tarifakteure, als sei ein Arbeitsplatz bei Lufthansa ein unerschütterliches Naturgesetz, das unabhängig von Wirtschaftlichkeit, Kundenzufriedenheit und Wettbewerbsfähigkeit ewig weiterexistiert.
Das ist brandgefährlich.
Denn wenn Kunden dauerhaft das Vertrauen verlieren, wenn Geschäftsreisende auf Konkurrenz umsteigen, wenn Umsteiger andere Hubs wählen, wenn Verlässlichkeit zur Ausnahme wird – dann zahlen am Ende nicht die Gewerkschaftsfunktionäre den Preis.
Dann zahlen ihn die Beschäftigten selbst.
Mit weniger Wachstum.
Mit schlechteren Perspektiven.
Mit Standortdruck.
Mit Einschnitten.
Lufthansa braucht Loyalität – keine Dauerblockade
Was Lufthansa jetzt braucht, sind nicht die nächsten Eskalationsstufen.
Was Lufthansa jetzt braucht, sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die verstanden haben, dass man ein Unternehmen nicht nur aus ihm herauspressen kann, sondern es auch mittragen muss.
Ja, man darf Forderungen haben.
Ja, man darf hart verhandeln.
Ja, man darf auch streiken.
Aber wer an einem Tag wie heute das Unternehmen bewusst beschädigt, sollte sich wenigstens die ehrliche Frage gefallen lassen:
Geht es noch um Verantwortung – oder nur noch um Reviermarkierung?
Ein Unternehmen wie Lufthansa lebt von Vertrauen.
Von Verlässlichkeit.
Von einem gemeinsamen Verständnis, dass man nicht nur Gehaltsempfänger ist, sondern Teil eines Systems, das nur funktioniert, wenn nicht jeder nur maximal auf den eigenen Vorteil schielt.
Die Konsequenz muss klar sein
Die Lufthansa-Führung sollte sich diese Bilder und diesen Tag sehr genau merken.
Denn wenn Gewerkschaften aus einem Jubiläum einen Affront machen, dann braucht es endlich eine strategische Antwort:
- mehr betriebliche Resilienz bei Streiks
- konsequente Notfallplanung
- stärkere Ausbildung eigener Reservekapazitäten
- flexiblere Einsatzmodelle
- Ausbau von Partnerstrukturen
- und vor allem: eine Unternehmenskultur, die Loyalität und Verantwortung wieder stärker belohnt
Denn eines ist klar:
Ein Konzern dieser Größe darf sich nicht dauerhaft von jeder tarifpolitischen Eskalation in Geiselhaft nehmen lassen.
Wer bereit ist, an einem solchen Tag das Unternehmen öffentlich vorzuführen, darf sich nicht wundern, wenn künftig intensiver darüber gesprochen wird, wie man kritische Bereiche robuster, unabhängiger und notfalls personell neu aufstellt.
Ein Jubiläum, das zur Blamage gemacht wurde
„100 Jahre Lufthansa“ hätte ein Tag des Stolzes sein können.
Ein Tag, an dem man zeigt, dass ein Traditionsunternehmen trotz aller Krisen steht.
Ein Tag, an dem Belegschaft, Management und Öffentlichkeit wenigstens für ein paar Stunden an einem Strang ziehen.
Stattdessen wird daraus ein Symbol für das, was in Deutschland immer häufiger schiefläuft:
Maximale Besitzstandswahrung, minimale Rücksicht auf Kunden, maximale Symbolzerstörung im Namen des Arbeitskampfs.
Man muss es in aller Deutlichkeit sagen:
Dieser Streik an diesem Tag ist ein Skandal.
Nicht, weil Beschäftigte keine Rechte hätten.
Sondern weil man mit Rechten offenbar jede Form von Maß, Stil und Verantwortungsgefühl gleich mit abgegeben hat.
Hundert Jahre Lufthansa – und ausgerechnet zum Jubiläum zeigt ein Teil der Belegschaft, wie man ein Unternehmen nicht behandelt, mit dem man sich angeblich verbunden fühlt.
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