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Angeklagt

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Eine Familientradie auf hoher See erschüttert derzeit die USA: Ein 16-jähriger Jugendlicher ist angeklagt, während einer Kreuzfahrt seine 18-jährige Stiefschwester getötet zu haben. Nach Angaben der US-Justiz soll sich die Tat im November vergangenen Jahres an Bord des Kreuzfahrtschiffs Carnival Horizon ereignet haben, während sich das Schiff in internationalen Gewässern befand.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Jugendlichen vor, seine Stiefschwester sexuell missbraucht und anschließend vorsätzlich getötet zu haben. Zunächst war das Verfahren gegen ihn als Jugendstrafsache geführt worden. Inzwischen wurde er jedoch als Erwachsener wegen Mordes ersten Grades und schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt. Der 16-Jährige hat auf nicht schuldig plädiert.

Das Opfer, die 18-jährige Anna Kepner, galt als lebensfrohe junge Frau mit klaren Zukunftsplänen. Sie war Cheerleaderin, stand kurz vor ihrem Schulabschluss in Florida und wollte nach Angaben ihrer Familie zum Militär gehen. Für ihre Angehörigen ist ihr Tod ein kaum begreiflicher Verlust.

Medienberichten zufolge wurde die Leiche der jungen Frau unter einem Bett gefunden – in eine Decke gewickelt und mit Rettungswesten bedeckt. Die Gerichtsmedizin in Miami-Dade stellte später fest, dass sie durch mechanische Erstickung ums Leben gekommen war.

Anna Kepner war gemeinsam mit mehreren Familienmitgliedern auf der Reise, darunter ihr Vater, ihre Stiefmutter und ihre Großeltern. Noch Monate nach dem Vorfall zeigen sich die Angehörigen fassungslos. Die Familie schilderte das Verhältnis zwischen Anna und ihren Stiefgeschwistern als eng und harmonisch. Von Spannungen oder Konflikten sei nie die Rede gewesen. Für die Großeltern sei es eine „ganz normale Familie“ gewesen – eine Patchworkfamilie, in der Unterschiede keine Rolle gespielt hätten.

Umso größer ist das Entsetzen über die Vorwürfe.

Der Jugendliche war bereits im Februar erstmals wegen Mordes und sexuellen Missbrauchs angeklagt worden. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe. Trotz der Schwere der Vorwürfe befindet er sich derzeit nicht in Untersuchungshaft. Laut Gerichtsunterlagen lebt er unter Auflagen bei seinem Onkel in Florida, trägt eine elektronische Aufenthaltsüberwachung und darf sich Kindern nur in Begleitung eines Erwachsenen nähern.

Diese Entscheidung sorgt auch innerhalb der Familie des Opfers für Unverständnis. Annas Vater erklärte, man setze sein Vertrauen in das Justizsystem, damit der Fall mit Sorgfalt und Integrität aufgearbeitet werde. Zugleich zeigte er sich tief beunruhigt darüber, dass der Beschuldigte trotz der gravierenden Anklagepunkte bislang nicht in Haft genommen wurde.

Der Fall wirft viele Fragen auf – nicht nur juristische, sondern auch menschliche. Für die Familie steht im Vordergrund, dass die Wahrheit ans Licht kommt und Anna Gerechtigkeit widerfährt. Was als gemeinsame Urlaubsreise begann, endete in einer Katastrophe, die das Leben einer ganzen Familie für immer verändert hat.

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