US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. ist bei zwei Anhörungen im Senat erneut massiv zu seiner Haltung zu Masern-Ausbrüchen und zur Impfpolitik befragt worden. Die Reaktionen fielen gemischt aus: Während einige Republikaner den Fokus auf die Ausbrüche ausdrücklich unterstützten, warfen demokratische Senatoren Kennedy vor, mit irreführenden Aussagen das Vertrauen in Impfungen weiter beschädigt zu haben.
Masern im Fokus der Anhörungen
Kennedy stellte sich am Mittwoch gleich zwei Senatsausschüssen: zunächst dem Finanzausschuss, später dem Ausschuss für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten.
Vor allem die aktuellen Masern-Ausbrüche dominierten die Debatte. Mehrere demokratische Senatoren nutzten die Anhörungen, um Kennedy mit seiner langjährigen impfkritischen Haltung zu konfrontieren.
Kennedy selbst beklagte, dass sich die Diskussion aus seiner Sicht fast ausschließlich um Masern gedreht habe. Er sprach von „Parteilichkeit“ und „Stammesdenken“ und erklärte, die Debatte sei nicht sachlich geführt worden.
Republikanischer Ausschusschef zeigt sich besorgt
Bemerkenswert war, dass auch aus den Reihen der Republikaner deutliche Töne kamen. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, ein Senator aus Louisiana und selbst Mediziner, verteidigte nach der Anhörung ausdrücklich die starke Fokussierung auf Masern.
Wenn Kinder an Krankheiten sterben, die durch Impfungen vermeidbar seien, müsse dies im Mittelpunkt stehen, sagte er. Es sei für ihn als Arzt bedrückend, dass ein solches Thema in einem hochentwickelten Land überhaupt wieder diese Brisanz habe.
Zugleich warf er Kennedy vor, das Vertrauen in Impfstoffe im vergangenen Jahr durch falsche oder irreführende Aussagen weiter belastet zu haben.
Kennedy sieht KI als mögliche Revolution – und stellt FDA infrage
Neben dem Thema Masern sorgte Kennedy auch mit Aussagen zur Künstlichen Intelligenz im Gesundheitswesen für Aufsehen. Er erklärte, KI könne die Medizin grundlegend verändern und die Entwicklung neuer Medikamente sowie personalisierter Therapien beschleunigen.
In einem besonders auffälligen Satz sagte Kennedy sogar, KI könne eines Tages die US-Arzneimittelbehörde FDA „irrelevant“ machen.
Zwar räumte er Risiken ein, betonte aber zugleich das enorme Potenzial der Technologie für Forschung und Versorgung.
Neue Kritik wegen Glyphosat-Widersprüchen
Zusätzlichen Gegenwind erhielt Kennedy wegen seiner Aussagen zum Herbizid Glyphosat. Noch am Vortag hatte er laut Berichten erklärt, Glyphosat verursache Krebs. Nur einen Tag später verteidigte er jedoch eine Anordnung von Präsident Donald Trump, die die inländische Glyphosat-Produktion stärken soll.
Kennedy argumentierte, die Maßnahme führe nicht zu mehr Produktion insgesamt, sondern solle lediglich Importe aus China ersetzen. Kritiker hielten ihm dennoch vor, gegenüber Chemieunternehmen eingeknickt zu sein.
Eine demokratische Senatorin warf ihm offen vor, er habe im Wahlkampf versprochen, gesundheitsschädliche Chemikalien konsequent zurückzudrängen – und stehe nun plötzlich nicht mehr zu dieser Linie.
Streit um Grippe-Impfungen für Soldaten
Auch die Entscheidung des Pentagon, die Pflicht zur Grippeimpfung für Soldaten zurückzunehmen, wurde in den Anhörungen scharf diskutiert. Kennedy verteidigte den Schritt mit dem Hinweis, Soldaten sollten bei ihrem Einsatz auch selbst ein Stück „Freiheit“ behalten.
Kritik kam mit Verweis auf die Geschichte: Gerade in militärischen Einheiten könnten Grippe-Ausbrüche gravierende Folgen haben. Kennedy entgegnete, Grippeimpfstoffe seien oft nur begrenzt wirksam. Fachleute weisen allerdings darauf hin, dass die Schutzwirkung je nach Saison unterschiedlich ausfällt.
Unklare Linie bei der CDC-Führung
Für zusätzliche Irritationen sorgten Kennedys Aussagen zur künftigen Führung der US-Seuchenbehörde CDC. Vor dem Senat sagte er, ein neuer CDC-Direktor könne Entscheidungen unabhängig treffen.
Allerdings hatte Kennedy tags zuvor in einer anderen Anhörung noch abgelehnt, sich dazu zu verpflichten, künftige Impfempfehlungen einer neuen CDC-Leitung ohne Eingriffe umzusetzen. Diese unterschiedlichen Aussagen dürften die Zweifel an seinem Kurs weiter verstärken.
Auch Streit über Medikamentenpreise
Abseits der Impfdebatte kam es zudem zum Schlagabtausch über das neue Regierungsportal „TrumpRx“, über das Medikamente direkt an Verbraucher verkauft werden.
Kennedy behauptete, US-Patienten erhielten dort die niedrigsten Preise der Welt. Demokratische Senatoren widersprachen und verwiesen auf Beispiele, bei denen identische oder vergleichbare Medikamente über Versicherungen, Discounter oder im Ausland deutlich günstiger seien.
Fazit
Die Anhörungen haben vor allem eines gezeigt: Robert F. Kennedy Jr. bleibt auch als Gesundheitsminister eine hochumstrittene Figur.
Während er sich selbst als Reformer präsentiert, der gegen verkrustete Strukturen kämpft, wächst im Senat – auch über Parteigrenzen hinweg – die Sorge, dass seine Aussagen zu Impfungen und Gesundheitsrisiken das Vertrauen in zentrale Institutionen weiter untergraben könnten.
Gerade beim Thema Masern wurde deutlich:
Wenn vermeidbare Krankheiten wieder politische Grundsatzdebatten auslösen, ist das längst nicht mehr nur ein Gesundheitsthema – sondern ein Test für Glaubwürdigkeit und Verantwortung in der US-Gesundheitspolitik.
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