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Roundup vor dem Supreme Court: Grundsatzstreit um Krebsrisiken und Milliardenklagen gegen Monsanto

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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In den USA steht ein brisanter Grundsatzstreit um das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Roundup vor dem Obersten Gerichtshof. Der Supreme Court soll entscheiden, ob der Hersteller Monsanto trotz Zulassung durch die US-Umweltbehörde EPA wegen fehlender Warnhinweise auf mögliche Krebsrisiken verklagt werden kann.

Für den Konzern geht es um Milliarden – für tausende Kläger um die Frage, ob sie überhaupt noch eine realistische Chance auf Entschädigung haben.

Kläger mit Blutkrebs rückt in den Mittelpunkt

Im Zentrum des Falls steht ein langjähriger Anwender des Mittels, der über viele Jahre hinweg Roundup im privaten und öffentlichen Umfeld eingesetzt hatte. Später erkrankte er an Non-Hodgkin-Lymphom, einer Form von Blutkrebs.

Im Jahr 2023 sprach ihm eine Jury bereits 1,25 Millionen US-Dollar Schadensersatz zu. Die Geschworenen kamen zu dem Schluss, dass Roundup zu seiner Erkrankung beigetragen habe und der Hersteller unzureichend vor möglichen Risiken gewarnt habe.

Nun wird sein Fall vor dem Supreme Court zum Präzedenzfall.

Die Kernfrage: Darf Monsanto trotz EPA-Zulassung verklagt werden?

Juristisch geht es um eine zentrale Frage:

Kann ein Unternehmen nach einzelstaatlichem Recht haftbar gemacht werden, wenn es keine Krebswarnung auf ein Produkt schreibt – obwohl die Bundesbehörde EPA eine solche Warnung nicht verlangt?

Monsanto argumentiert:

  • Die US-Umweltbehörde EPA habe Glyphosat wiederholt als nicht krebserregend bewertet.
  • Eine Warnung vor Krebs sei daher weder vorgeschrieben noch nach Bundesrecht zulässig.
  • Klagen auf Basis einzelstaatlicher Warnpflichten würden mit Bundesrecht kollidieren.

Die Gegenseite hält dagegen:

  • Die EPA-Zulassung bedeute nicht automatisch, dass ein Hersteller vor jeder zivilrechtlichen Haftung geschützt sei.
  • Nichts im Bundesrecht verbiete es Monsanto, zusätzliche Warnhinweise freiwillig aufzunehmen.
  • Gerade weil Behörden nicht immer alle Risiken ausreichend abbildeten, müssten Geschädigte klagen können.

Glyphosat: Seit Jahren im Zentrum der Debatte

Roundup gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Herbiziden weltweit. Der Wirkstoff Glyphosat wurde seit den 1970er-Jahren millionenfach eingesetzt und gilt insbesondere in der Landwirtschaft als wichtiges Mittel zur Unkrautbekämpfung.

Befürworter betonen:

  • hohe Wirksamkeit
  • vergleichsweise niedrige Kosten
  • enorme Bedeutung für landwirtschaftliche Erträge

Kritiker verweisen dagegen auf mögliche Gesundheitsrisiken.

Besonders viel Aufmerksamkeit bekam die Debatte 2015, als eine Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ einstufte. Diese Bewertung löste eine Klagewelle in den USA aus.

Milliardenrisiko für Bayer und Monsanto

Monsanto wurde 2018 vom deutschen Konzern Bayer übernommen. Seitdem lasten die Roundup-Verfahren wie ein tonnenschwerer Betonklotz auf dem Unternehmen.

Nach US-Berichten drohen dem Konzern weitere milliardenschwere Haftungsrisiken. Bayer versucht daher auf mehreren Ebenen, die Klagewelle einzudämmen:

  • über den Supreme Court
  • über Gesetzesinitiativen zum Haftungsschutz
  • über einen geplanten Vergleich in Höhe von 7,25 Milliarden US-Dollar, der viele offene Fälle beenden könnte

Der geplante Vergleich ist unabhängig vom Ausgang des Supreme-Court-Verfahrens – könnte aber für viele Kläger attraktiver wirken, wenn das höchste US-Gericht Monsanto stärkt.

Regierung Trump stellt sich auf die Seite des Konzerns

Politisch brisant: Die aktuelle US-Regierung unter Donald Trump unterstützt in dem Verfahren die Position des Unternehmens.

Das sorgt in Teilen der eigenen politischen Basis für Unmut – insbesondere im Umfeld der „Make America Healthy Again“-Bewegung (MAHA), die sich kritisch gegenüber Chemikalien, Pharmaindustrie und industrieller Landwirtschaft positioniert.

Zusätzlich hat Trump laut US-Berichten Maßnahmen angestoßen, um:

  • die heimische Produktion von Glyphosat zu fördern
  • Hersteller stärker vor Haftungsansprüchen zu schützen

Für Kritiker wirkt das wie ein Affront gegen Verbraucherinteressen.

Gesundheitsgruppen warnen vor Behördenversagen

Verbraucherschützer und Gesundheitsorganisationen argumentieren, dass die Klagen gerade deshalb notwendig seien, weil die EPA ihrer Schutzfunktion nicht ausreichend nachgekommen sei.

Ein besonders heikler Punkt:
Die gesetzlich vorgesehene Neubewertung der Sicherheit von Glyphosat durch die EPA sei seit Jahren überfällig.

Zudem hatte ein US-Bundesgericht bereits 2022 entschieden, dass die EPA in einer früheren Zwischenbewertung nicht ausreichend geprüft habe, ob Glyphosat Krebs verursachen könne.

Damit steht auch die Behörde selbst unter Druck.

Die Fronten: Landwirtschaft gegen Verbraucherschutz

Die Lager sind klar verteilt:

Landwirtschaftsverbände warnen:

  • Glyphosat sei für die US-Landwirtschaft zentral
  • ein faktisches Markt-Aus könne die Lebensmittelproduktion belasten
  • es gebe derzeit keine gleichwertige Alternative
  • weitere Klagen könnten die Versorgungssicherheit gefährden

Verbraucherschützer entgegnen:

  • wirtschaftliche Bedeutung dürfe kein Freibrief sein
  • mögliche Gesundheitsrisiken müssten offen benannt werden
  • Hersteller dürften sich nicht hinter Behördenbescheiden verstecken
  • ohne Klagen gäbe es oft gar keinen Druck zur Offenlegung von Risiken

Viele Kläger setzen auf Vergleich statt Supreme Court

Nach Angaben von US-Anwälten haben Kläger in etwa der Hälfte der Roundup-Prozesse verloren. Das macht die Lage für Betroffene unsicher.

Gerade deshalb gewinnt der Milliardenvergleich an Bedeutung. Für viele Erkrankte ist er offenbar die pragmatischere Option – auch weil niemand sicher sagen kann, wie der Supreme Court entscheiden wird.

Sollte das Gericht Monsanto folgen, könnte das:

  • viele künftige Klagen erheblich erschweren
  • bestehende Ansprüche entwerten
  • die Verhandlungsmacht des Konzerns deutlich stärken

Entscheidung mit Signalwirkung

Eine Entscheidung des Supreme Court wird bis Ende Juni oder Anfang Juli erwartet.

Das Urteil dürfte weit über Roundup hinaus Bedeutung haben. Es geht um eine Grundsatzfrage des US-Produkthaftungsrechts:

Dürfen Unternehmen mit Verweis auf eine Bundesbehörde zivilrechtliche Warnpflichten abwehren – oder bleibt Verbraucherschutz auch vor Gericht einklagbar?

Fazit

Der Fall Roundup ist längst mehr als ein Streit um ein Unkrautvernichtungsmittel.

Es geht um:

  • die Verantwortung von Herstellern
  • die Reichweite staatlicher Zulassungen
  • die Grenzen des Verbraucherschutzes
  • und um die Frage, ob wirtschaftliche Bedeutung schwerer wiegt als mögliche Gesundheitsrisiken

Für Bayer und Monsanto steht viel auf dem Spiel.
Für tausende Kläger möglicherweise noch mehr.

Denn am Ende entscheidet der Supreme Court nicht nur über ein Etikett auf einer Flasche – sondern über die künftige Haftung für Risiken eines der umstrittensten Chemieprodukte der Welt.

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