Der Auftritt des britischen Punk-Rap-Duos Bob Vylan beim Glastonbury Festival am 28. Juni sorgt für ein politisches und mediales Nachbeben im Vereinigten Königreich. Nach einem skandalträchtigen Auftritt, bei dem das Duo unter anderem den Slogan „Tod, Tod der IDF“ (Israelische Verteidigungsstreitkräfte) skandierte, hat Kulturministerin Lisa Nandy (Labour) scharfe Kritik geäußert und Aufklärung durch die BBC gefordert.
„Diese Regierung wird Antisemitismus nicht tolerieren. Er ist ein Gift, das aus unserer Gesellschaft verbannt werden muss“, sagte Nandy am 30. Juni im britischen Unterhaus. Sie kündigte an, von der BBC eine Erklärung zu verlangen, warum der Livestream von der betreffenden Bühne trotz der Äußerungen nicht sofort gestoppt wurde.
Polizeiliche Ermittlungen eingeleitet
Wie die Polizei von Avon and Somerset mitteilte, wurden strafrechtliche Ermittlungen gegen Bob Vylan sowie die irische Hip-Hop-Gruppe Kneecap eingeleitet. Letztere hatte Premierminister Keir Starmer während ihres Auftritts scharf kritisiert und Israel Kriegsverbrechen vorgeworfen.
BBC räumt Versäumnisse ein
Die BBC hatte den Auftritt live übertragen und später auf dem Bildschirm einen Warnhinweis eingeblendet. In einer Stellungnahme räumte der Sender nun ein, man hätte im Nachhinein betrachtet den Stream ganz abbrechen sollen:
„Das Team agierte in einer Live-Situation – aber rückblickend war es ein Fehler, den Stream nicht zu stoppen.“
Auch die Glastonbury-Organisatoren distanzierten sich in einem Instagram-Post vom Auftritt Bob Vylans und nannten ihn „nicht im Einklang mit den Werten des Festivals“.
Internationale Reaktionen
Das US-Außenministerium reagierte ebenfalls: Am 30. Juni wurde den Mitgliedern von Bob Vylan das US-Visum entzogen – ein seltener Schritt im Kulturbereich, der die Schwere der Vorwürfe unterstreicht.
Gesundheitsminister kritisiert auch israelische Gewalt
Unterdessen äußerte sich Gesundheitsminister Wes Streeting zu den Vorfällen und kritisierte neben den Bühnenäußerungen auch das Verhalten israelischer Siedler im Westjordanland:
„Ich wünsche mir, dass die israelische Botschaft die Gewalt eigener Bürger gegen Palästinenser ernster nimmt“, sagte er gegenüber Sky News.
Einordnung:
Die Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf die zunehmende Politisierung großer Kulturveranstaltungen – und stellen Medien wie die BBC vor die Herausforderung, Live-Inhalte mit gesellschaftlicher Verantwortung in Einklang zu bringen.
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