Der Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, muss bis zur Urteilsverkündung in seinem aufsehenerregenden Strafprozess weiter in Untersuchungshaft bleiben. Das entschied ein Berufungsgericht in Oslo und hob damit eine erst wenige Tage alte Entscheidung einer niedrigeren Instanz auf.
Das Bezirksgericht hatte zuvor angeordnet, den 29-Jährigen bis zum Urteil auf freien Fuß zu setzen. Als Argument wurde unter anderem die schwere Erkrankung seiner Mutter angeführt. Kronprinzessin Mette-Marit leidet an einer fortschreitenden Lungenfibrose und wurde vergangene Woche auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt. Ärzte erklärten, ihr Gesundheitszustand habe sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert.
Høibys Anwälte argumentierten, ihr Mandant müsse in dieser schwierigen Zeit bei seiner Mutter sein. Das Berufungsgericht sah dies jedoch anders und verwies auf eine weiterhin bestehende Rückfallgefahr. Insbesondere bestehe das Risiko, dass Høiby erneut Kontakt zu einer ehemaligen Partnerin aufnehmen könnte, zu der er sich laut gerichtlicher Anordnung nicht nähern darf.
Der Prozess gegen Høiby sorgt seit Monaten für Schlagzeilen in Norwegen und belastet auch das Ansehen des Königshauses. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm insgesamt 40 Straftaten vor und fordert eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten.
Zu den schwersten Anklagepunkten gehören vier Vergewaltigungsvorwürfe. Høiby bestreitet diese Anschuldigungen. Die Ankläger werfen ihm vor, sexuelle Handlungen mit Frauen vorgenommen zu haben, die geschlafen oder aufgrund ihres Zustands nicht einwilligungsfähig gewesen seien. Darüber hinaus muss sich Høiby wegen Gewalt, Bedrohungen und weiterer Delikte verantworten.
Einige weniger schwere Vorwürfe, darunter Drogendelikte und Verkehrsverstöße, hat er eingeräumt.
Der Fall hat die norwegische Monarchie in eine ihrer schwierigsten Phasen seit Jahren geführt. Obwohl Marius Borg Høiby kein offizielles Mitglied des Königshauses ist, wurde er nach der Heirat seiner Mutter mit Kronprinz Haakon innerhalb der königlichen Familie großgezogen und stand häufig im öffentlichen Interesse.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Familie zuletzt durch Berichte über eine frühere Bekanntschaft von Kronprinzessin Mette-Marit mit dem inzwischen verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Die Urteilsverkündung im Prozess gegen Høiby wird für die kommenden Tage erwartet. Bis dahin bleibt der 29-Jährige weiterhin in Haft.
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