Die Olympischen Spiele waren einmal ein Fest des Sports. Künftig könnten sie auch als größter Chromosomen-Check der Weltgeschichte in Erinnerung bleiben.
Das IOC hat beschlossen, ab den Spielen 2028 in Los Angeles verpflichtende Gentests für Athletinnen einzuführen. Wer ein bestimmtes Gen nachweist, darf künftig nicht mehr in der Frauenkategorie starten. Kritiker sprechen von einem Rückschritt um Jahrzehnte und warnen vor den Folgen für trans- und intergeschlechtliche Sportlerinnen.
Man muss dem IOC allerdings eines lassen: Während andere Organisationen über Medaillen, Rekorde und Zuschauerzahlen reden, beschäftigt sich die olympische Führung inzwischen lieber mit Laborwerten.
Die Botschaft lautet offenbar: Willkommen bei Olympia – bitte zuerst die Urinprobe links, den Speicheltest rechts und danach direkt zum 100-Meter-Lauf.
Besonders bemerkenswert ist die Begründung. Die Maßnahme solle den Frauensport schützen. Kritiker fragen dagegen, warum ausgerechnet Frauen künftig ihre biologische Identität nachweisen müssen, während Männer von solchen Kontrollen verschont bleiben.
Für viele Athletinnen dürfte damit eine neue olympische Disziplin entstehen: das Bestehen der Geschlechtsprüfung. Goldmedaillen gibt es zwar keine, dafür möglicherweise monatelange Debatten im Internet über Körpermerkmale, Chromosomen und Hormonwerte.
Dabei war Sport bisher eigentlich ganz einfach. Wer schneller lief, höher sprang oder weiter warf, gewann. Nun scheint die entscheidende Frage zu lauten: Wer besteht den Labortest?
Besonders absurd wird es, wenn man bedenkt, dass Spitzensport schon immer von genetischen Ausnahmetalenten geprägt war. Michael Phelps wurde für seine außergewöhnlichen körperlichen Voraussetzungen gefeiert. Usain Bolt ebenfalls. Doch wenn genetische Besonderheiten bei Frauen auftauchen, werden sie plötzlich zum Problem.
Am Ende könnte das IOC genau das Gegenteil dessen erreichen, was es angeblich beabsichtigt. Statt den Sport zu schützen, drohen neue Diskussionen über Körper, Identität und Ausgrenzung.
Olympia wollte einst Menschen zusammenbringen. Heute wirkt es manchmal so, als wolle man zunächst herausfinden, wer überhaupt noch mitmachen darf.
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