Deutschland diskutiert seit Jahren darüber, warum Unternehmen investieren lieber im Ausland als hier. Wer eine Antwort sucht, muss gar nicht lange suchen – ein Blick nach Monheim genügt.
Dort geht es nicht etwa um ein Chemiewerk, ein Kohlekraftwerk oder eine Müllverbrennungsanlage. Nein, Bayer 04 Leverkusen möchte ein modernes Nachwuchsleistungszentrum bauen – mit Fußballplätzen, Trainingsgebäuden und rund 150 neuen Arbeitsplätzen.
Eigentlich sollte man meinen, dass eine solche Investition mit offenen Armen empfangen wird. Doch stattdessen läuft das mittlerweile klassische deutsche Ritual ab:
Eine kleine, aber lautstarke Gruppe von „Ich-bin-gegen-alles“-Aktivisten erklärt erst einmal, warum grundsätzlich nichts gebaut werden darf.
Mal ist es der Verkehr.
Mal der Lärm.
Mal das Licht.
Mal die Versiegelung.
Mal eine Feldmaus
Mal der Hochwasserschutz.
Und wenn alle Argumente abgearbeitet sind, findet sich garantiert noch ein Käfer, ein Grashalm oder ein besonders schützenswerter Maulwurf.
Natürlich sind Umwelt- und Naturschutz wichtig. Darüber besteht überhaupt kein Zweifel. Aber irgendwann muss man sich doch die Frage stellen:
Wovon soll ein Land eigentlich leben, wenn selbst Sportplätze zum gesellschaftlichen Großkonflikt werden?
Hier geht es nicht um Schwerindustrie, nicht um einen Flughafen und auch nicht um einen Tagebau.
Es geht um ein modernes Leistungszentrum für den Fußball, um Investitionen in Millionenhöhe, um Nachwuchsförderung, um zusätzliche Freizeitangebote und um neue Arbeitsplätze.
Bayer 04 sucht seit zehn Jahren nach einem geeigneten Standort. Rund 70 Flächen wurden geprüft und wieder verworfen. Der Campus wurde mehrfach verkleinert, Konzepte angepasst und sogar zusätzliche Klimamaßnahmen angeboten.
Doch in Deutschland scheint inzwischen ein anderes Motto zu gelten:
Wer sich bewegt, stört. Wer investieren will, muss warten. Und wer bauen möchte, sollte vor allem Geduld, Anwälte und einen sehr langen Atem mitbringen.
Genau deshalb verliert der Wirtschaftsstandort Deutschland immer mehr an Attraktivität.
Während andere Länder fragen: „Wie können wir das Projekt möglich machen?“, lautet die deutsche Standardfrage häufig: „Wie können wir es verhindern?“
Monheim ist deshalb weit mehr als ein lokaler Streit um Fußballplätze.
Monheim ist ein Sinnbild dafür geworden, warum Deutschland bei vielen Zukunftsprojekten nur noch Weltmeister im Diskutieren ist.
Und wenn selbst ein Sportcampus mit 150 Arbeitsplätzen jahrelang ausgebremst wird, braucht sich am Ende niemand mehr zu wundern, wenn Investoren irgendwann sagen:
„Dann bauen wir eben woanders.“
Kommentar hinterlassen