Wer im Alter fit bleiben möchte, denkt meist an Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Reaktionsfähigkeit. Sie entscheidet darüber, wie schnell das Gehirn eine Gefahr erkennt und der Körper darauf reagiert – etwa bei einem Stolpern, einer Bordsteinkante oder einem plötzlich herannahenden Fahrzeug.
Die Reaktionszeit nimmt bereits im jungen Erwachsenenalter langsam ab und verschlechtert sich nach dem 60. Lebensjahr häufig stärker. Das kann das Sturzrisiko erhöhen. Gerade bei älteren Menschen gehören Stürze zu den häufigsten Ursachen schwerer Verletzungen.
Eine schnelle Reaktion hilft dem Körper, nach einem Fehltritt rechtzeitig die richtigen Muskeln zu aktivieren. Wer langsamer reagiert, bewegt sich oft vorsichtiger, vermeidet unebene Wege oder gibt frühere Freizeitaktivitäten auf. Dadurch kann die körperliche Leistungsfähigkeit zusätzlich abnehmen.
Reaktionstraining fordert nicht nur den Körper, sondern auch das Gehirn. Es verbessert die Verbindung zwischen Wahrnehmung, Entscheidung und Bewegung. Eine langfristige Studie mit mehr als 2.800 älteren Erwachsenen deutete darauf hin, dass Übungen zur schnelleren Informationsverarbeitung sogar die geistige Gesundheit unterstützen könnten. Teilnehmer eines solchen Trainings erkrankten seltener an Demenz als Personen ohne entsprechendes Training.
Spezielle Geräte sind dafür nicht notwendig. Schon einfache Übungen können helfen:
Bei der Wandübung wird ein Tennisball in wechselnden Winkeln gegen eine Wand geworfen und anschließend aufgefangen. Der unvorhersehbare Rückprall trainiert schnelle Anpassungen.
Für eine weitere Übung hält ein Partner einen Ball auf Schulterhöhe und lässt ihn ohne Vorwarnung fallen. Ziel ist es, ihn möglichst vor dem zweiten Bodenkontakt zu fangen.
Auch seitliche Bewegungen eignen sich. Zwei Markierungen werden mit etwa zwei Metern Abstand aufgestellt. Ein Partner zeigt spontan nach links oder rechts, woraufhin man sich schnell zur entsprechenden Seite bewegt.
Entscheidend ist die Unvorhersehbarkeit. Fest einstudierte Bewegungsfolgen trainieren die Reaktionsfähigkeit weniger wirksam als Aufgaben, bei denen das Gehirn ständig auf neue Signale reagieren muss.
Bereits fünf bis zehn Minuten an zwei oder drei Tagen pro Woche können sinnvoll sein. Fortschritte lassen sich dokumentieren, indem man notiert, wie oft ein Ball verfehlt wurde oder wie kontrolliert sich eine Bewegung anfühlte.
Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden, Gleichgewichtsproblemen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten neue Übungen zuvor ärztlich abklären. Richtig angepasst kann Reaktionstraining jedoch zu mehr Sicherheit, besserer Balance und größerem Vertrauen in die eigene Bewegung beitragen.
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