Man muss ja auch mal ehrlich sein:
Es gibt Spiele, nach denen man sich gemütlich zurücklehnt, ein isotonisches Kaltgetränk öffnet und sich denkt:
„Ja, genau so darf Fußball gerne öfter aussehen.“
Das 3:1 gegen Union Berlin war genau so ein Abend.
Und wer nur auf das Ergebnis schaut, der hat eigentlich noch gar nicht verstanden, wie deutlich das wirklich war. Das hätte auch locker 5:1 oder 6:1 ausgehen können – wenn wir nicht zwischendurch beschlossen hätten, ein bisschen Chancen-Sightseeing zu betreiben.
RB mit Vollgas, Union mit Stadtführung durch die Leipziger Hälfte
Von Beginn an war klar:
RB hatte Lust. Union hatte Anwesenheitspflicht.
Schon in den ersten Minuten wurde Union hinten eingeschnürt wie ein schlecht verpacktes Umzugskarton-Set. Nusa wirbelte, Diomande machte auf der rechten Seite Dinge, die in Berlin wahrscheinlich unter „unerlaubte Körperverletzung am Außenverteidiger“ laufen, und Romulo stand mehrfach kurz davor, das Spiel schon nach zehn Minuten in den Verwaltungsmodus zu schießen.
Union versuchte es im Wesentlichen mit dem klassischen Konzept:
- Ball erobern
- Burke suchen
- hoffen
- beten
- Ball wieder verlieren
Auch kreativ. Nur nicht erfolgreich.
Finkgräfe macht’s geschniegelt – und dann wird’s wild
Das 1:0 durch Max Finkgräfe war dann so ein Treffer, bei dem man als Fan kurz vom Sofa hochgeht und aus purer Begeisterung irgendwas Unverständliches ruft. Ein Aufsetzer aus 16 Metern, sauber rechts rein – Traumtor.
Und weil Union dachte, das sei jetzt schon unerquicklich genug, legte Romulo nach einem kapitalen Missverständnis in der Berliner Hintermannschaft das 2:0 nach. Querfeld mit einem Rückpass, bei dem man kurz dachte:
„Mutig. Sehr mutig. Vielleicht zu mutig.“
Romulo sagte danke, hob das Ding über Rönnow – und wir auf den Rängen beziehungsweise vor dem Fernseher wussten:
Heute wird’s ein schöner Abend.
Drei Mal Aluminium – wir wollten offenbar auch Materialtests machen
Was in Halbzeit eins fast unterging:
Wir haben nebenbei noch dreimal die Latte getestet.
- Orban per Kopf an die Querlatte
- Baumgartner per Kopf an die Querlatte
- Klaus mit Unterstützung nochmal an die Latte
Man muss ja auch als Champions-League-Aspirant schauen, ob das Stadioninventar stabil genug ist.
Zur Pause stand’s „nur“ 2:0 – was sich fast schon schmeichelhaft für Union las.
Die Köpenicker durften froh sein, dass wir nicht beschlossen hatten, komplette Eskalation zu spielen.
Baku macht den Deckel drauf – und dann durfte Union kosmetisch werden
In Hälfte zwei wurde es zunächst etwas ruhiger. Also aus unserer Sicht.
Union presste mal ein bisschen höher, wir schalteten vom Modus „Jagen“ auf „Kontrolliertes Genießen“.
Dann kam Ridle Baku – beziehungsweise eigentlich war er die ganze Zeit da, aber beim 3:0 war er dann auch offiziell in der Statistik angekommen. Schöne Kombination über rechts, Diomande mit perfektem Rückpass, Baku spitzelt das Ding durch die Beine von Klaus ins Tor.
3:0. Feierabend. Licht aus. Bitte alle Berliner Wertgegenstände an der Garderobe abholen.
Dass Union durch Doekhi nach einer Ecke noch auf 3:1 verkürzte, war dann eher Kategorie Ergebniskosmetik. Vandevoordt sah dabei nicht ganz glücklich aus, aber geschenkt. An so einem Abend darf der Keeper auch mal kurz den Spannungsbogen für die neutralen Zuschauer erhalten.
Was besonders Spaß gemacht hat: Diese Mannschaft wirkt plötzlich erwachsen
Das vielleicht Schönste an diesem Spiel war gar nicht nur das Ergebnis, sondern die Art und Weise.
RB wirkte:
- dominant
- spielfreudig
- aggressiv im Pressing
- variabel in der Offensive
- und vor allem: hungrig
Das ist keine Mannschaft, die sich zufällig Richtung Champions League schleppt.
Das ist eine Mannschaft, die gerade ernsthaft sagt:
„Platz da, wir kommen wieder in die Königsklasse.“
Fünfter Sieg in Serie, ein hochverdientes 3:1, und das gegen ein Union, das zuletzt zwar unbequem war, an diesem Abend aber ungefähr so bissig wirkte wie ein Labrador nach dem Mittagsschlaf.
Und jetzt? Leverkusen. Also: Jetzt wird’s richtig lustig
Am Samstag geht’s für uns zu Bayer Leverkusen.
Klar, das ist dann nochmal eine andere Hausnummer als ein Union-Team, das in Leipzig phasenweise wirkte, als hätte es sich verlaufen.
Aber mal ehrlich:
Wenn wir in dieser Form auftreten, dann müssen wir uns auch in Leverkusen nicht verstecken.
Im Gegenteil:
Wir fahren da nicht hin, um höflich den Ball abzugeben und artig die Werkself bewundern zu dürfen.
Wir fahren da hin, weil die Champions League nicht nach Bescheidenheit fragt.
Fazit aus Sicht eines glücklichen RB-Fans
3:1 gegen Union Berlin. Hochverdient. Eigentlich zu niedrig.
- Traumtor von Finkgräfe
- eiskalter Romulo
- cleverer Baku
- Diomande überall
- drei Alu-Treffer als Bonusprogramm
- und ein weiterer riesiger Schritt Richtung Champions League
Union darf wieder nach unten schauen.
Wir schauen nach oben. Und zwar mit breiter Brust.
Oder anders gesagt:
Wenn RB so weitermacht, dann hören wir bald wieder die Champions-League-Hymne in Leipzig.
Und Union hört erstmal nur das nervöse Rascheln im Tabellenkeller.
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