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Kai Wegner zieht Kandidatur zurück: Berlin sucht wieder jemanden, der freiwillig Bürgermeister werden will

Kaufdex (CC0), Pixabay
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In Berlin ist politisch mal wieder alles in Bewegung. Also nicht die Verwaltung, keine Sorge. Nur die CDU.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner will nach Medienberichten seine Spitzenkandidatur für die Wahl zum Abgeordnetenhaus zurückziehen. Im Amt bleiben möchte er allerdings trotzdem. Das ist ungefähr so, als würde jemand sagen: „Ich trete beim Marathon nicht mehr an, aber ich bleibe gern auf dem Siegerpodest stehen.“

Neuer Spitzenkandidat soll offenbar Stefan Evers werden, bislang Senator für Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Schon der Titel klingt nach einer Aufgabe, bei der man in Berlin normalerweise einen Helm tragen sollte. Nun darf Evers möglicherweise auch noch die CDU in den Wahlkampf führen. Herzlichen Glückwunsch – oder wie man in der Hauptstadt sagt: „Na dann viel Spaß damit.“

Hintergrund ist die monatelange Debatte um Wegners Angaben zu seinem Krisenmanagement nach dem großen Stromausfall im Januar. Da wurde offenbar so lange gefragt, ob der Bürgermeister beim Blackout wirklich da war, bis irgendwann die CDU selbst merkte: Der eigentliche Stromausfall findet gerade in den Umfragen statt.

Die Partei ist zuletzt auf 17 Prozent abgerutscht. In Berlin ist das politisch ungefähr der Moment, in dem man nicht mehr fragt, ob der Spitzenkandidat zieht, sondern ob er überhaupt noch jemandem auffällt. Während Linke und Grüne in Umfragen vorne liegen, schaut die CDU auf ihre Zahlen und denkt vermutlich: Vielleicht war der Blackout doch nicht im Januar, sondern dauerhaft.

Wegner sagte am Freitag gleich mehrere Termine kurzfristig ab. Im Bundesrat sprang Stefan Evers für ihn ein. Auch eine Dinnerspeech beim Jubiläum der Handelsrichter fiel aus. In Berlin nennt man so etwas inzwischen nicht mehr Terminabsage, sondern „strategische Verdichtung der Gerüchteküche“.

Nun soll Wegner sich öffentlich erklären. Um 15 Uhr in Charlottenburg. Das klingt nach großem politischen Moment – oder nach einer Pressekonferenz, bei der alle schon vorher wissen, was kommt, aber trotzdem Kameras aufbauen, falls jemand schwitzt.

Die CDU steht damit vor einer interessanten Konstruktion: Wegner bleibt Bürgermeister, Evers wird vielleicht Spitzenkandidat, die Partei will sich zusammenraufen, und Berlin soll bitte nicht nach links abdriften. Das ist ungefähr so, als würde man ein wackelndes Regal stabilisieren, indem man einen neuen Zettel mit „Bitte gerade stehen“ anklebt.

Natürlich ist ein Kandidatenwechsel formal möglich. Politisch aber wirkt das Ganze wie ein Notbremsmanöver auf nasser Fahrbahn. Die CDU will noch irgendwie die Kurve kriegen, bevor der Wahlkampf endgültig aussieht wie ein Behördenflur um 16.58 Uhr: alle da, aber keiner will mehr zuständig sein.

Für Kai Wegner bleibt immerhin ein Trost: In Berlin kann man auch ohne Spitzenkandidatur weiter Regierender Bürgermeister sein. Das passt zur Hauptstadt. Hier kann schließlich auch ein Flughafen fertig sein und trotzdem noch Probleme machen.

Die Berliner CDU versucht nun also den Neustart mit bekanntem Personal, neuer Rollenverteilung und hoffentlich funktionierender Beleuchtung.

Nach dem Motto:
Wegner bleibt.
Evers kommt.
Und die Umfragen gehen hoffentlich nicht noch tiefer in den Keller – denn dort war ja zuletzt schon der Strom weg.

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