Bitte lasst diesen Traum nicht enden!
Fünf Spiele. Fünf Siege. Tabellenführung. Und irgendwo in Berlin sitzen gerade vermutlich tausende Herthaner vor ihren Handys, schauen noch einmal auf die Tabelle und stellen sich dieselbe Frage:
Was zur Hölle ist denn mit unserer Hertha passiert?
Hertha BSC gewinnt auch beim VfL Osnabrück mit 3:1 und legt damit einen Saisonstart hin, den es in dieser Form in der Vereinsgeschichte noch nicht gegeben hat. Fünf Spiele, fünf Siege – irgendwann gehen einem selbst als notorisch leidensgeprüftem Herthaner die passenden Warnhinweise aus.
Normalerweise wissen wir doch, wie solche Geschichten laufen.
Du freust dich ein bisschen. Dann ein bisschen mehr. Dann erwähnst du irgendwann vorsichtig das Wort „Aufstieg“ – und spätestens danach kommt ein 0:2 gegen irgendeinen Gegner, der seit sechs Wochen kein Tor geschossen hat.
Aber diese Hertha?
Die macht einfach weiter.
In Osnabrück brauchte es Geduld. Zur Pause stand es noch 0:0, und natürlich gab es diese Momente, in denen der erfahrene Hertha-Fan innerlich schon wieder sämtliche bekannten Katastrophenszenarien durchging. Aber dann kam Josip Brekalo. Ball vor dem Strafraum, Maß genommen, abgezogen – 1:0. Trocken, präzise und irgendwie ziemlich erwachsen.
Und weil ein Hertha-Spiel offenbar nicht völlig ohne Herzfrequenz jenseits medizinischer Empfehlungen auskommen darf, bekam Osnabrück wenig später einen Elfmeter.
Natürlich.
Was auch sonst?
Doch diesmal folgte nicht der bekannte Berliner Seufzer. Diesmal stand da Marius Gersbeck und hielt das Ding einfach. Meißner schoss, Gersbeck war da – und plötzlich bekam man dieses unangenehm schöne Gefühl: Vielleicht ist in dieser Saison tatsächlich irgendetwas anders.
Dann Kevin Sessa.
- Minute. Ecke Brekalo, der Ball fällt Sessa vor die Füße – 0:2. Keine Schönheitspreis-Diskussion, kein langes Nachdenken. Rein damit. Danke. Weitermachen.
Natürlich machte Hertha es danach noch einmal spannend. Osnabrück kam auf 1:2 heran. Selbstverständlich. Ein bisschen Tradition muss schließlich gewahrt bleiben.
Früher hätte man nun vermutlich die letzten Minuten mit geschlossenen Augen verbracht, sämtliche Fußballgötter angerufen und anschließend erklärt, dass man „so etwas ja schon kommen gesehen hat“.
Doch diese Mannschaft kontert.
Nachspielzeit. Farid Alfa-Ruprecht. 3:1. Feierabend.
Ein Tor, das nicht nur das Spiel entschied, sondern für einen Moment auch sämtliche Berliner Nervenzellen wieder an ihren vorgesehenen Platz brachte.
Und jetzt?
Jetzt stehen da tatsächlich fünf Siege aus fünf Spielen.
Man möchte vernünftig bleiben. Man möchte sagen: „Die Saison ist noch lang.“ Man möchte auf den Boden der Tatsachen verweisen, vor Euphorie warnen und all die vernünftigen Dinge tun, die Fußballfans bekanntlich hervorragend beherrschen.
Aber ganz ehrlich:
Nein.
Nicht heute.
Heute schauen wir auf diese Mannschaft, auf diesen Saisonstart und auf eine Hertha, die plötzlich Spiele gewinnt, anstatt kreative neue Möglichkeiten zu erfinden, sie noch aus der Hand zu geben.
Also träumen wir.
Von einem vollen Olympiastadion. Von diesen Spielen, bei denen man morgens schon nervös ist. Von Auswärtsfahrten, die wieder nach Vorfreude und nicht nach therapeutischer Selbsthilfegruppe klingen. Und ja – irgendwann vielleicht auch von diesem einen Wort, das wir noch nicht zu laut aussprechen wollen.
Auf…
Nein.
Noch nicht.
Nur so viel:
Bitte, Hertha. Lasst diesen Traum einfach noch ein bisschen weitergehen.
Ha Ho He.
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