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1860 München vor dem Kollaps: Bei uns Löwen ist sogar der Ball inzwischen in Vorinsolvenz

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Servus miteinander, ich bin 1860-Fan. Also jemand, der seit Jahren freiwillig emotionale Hochrisikoanlagen zeichnet – ohne Prospekt, ohne Rendite, aber mit maximalem Nervenschaden.

Und jetzt heißt es wieder: Der TSV 1860 München steht vor dem Kollaps. Überraschung! Bei uns kollabiert ja nicht einfach mal irgendwas. Bei uns kollabiert traditionell alles gleichzeitig: Finanzen, Strukturen, Zuständigkeiten, Spielrecht, Kaderplanung und der Blutdruck der Fans.

Die Lage ist inzwischen so absurd, dass man nicht mehr weiß, ob wir einen Fußballverein haben oder ein juristisches Escape-Room-Spiel mit angeschlossenem Fanshop. Die KGaA ist in der Vorinsolvenz, das Spielrecht liegt beim e.V., die Spieler hängen irgendwo zwischen Vertrag, Mietmodell und Existenzfrage herum, und der Toto-Pokal wartet schon ungeduldig mit der Stoppuhr.

Normalerweise fragt man vor einem Pflichtspiel: Wer spielt links hinten?
Bei Sechzig fragt man: Dürfen wir überhaupt links hinten spielen?

Bis spätestens 21. Juli muss Klarheit herrschen. Das ist schön, denn Klarheit ist bei 1860 ungefähr so häufig wie ein ruhiger Sommer, ein solider Finanzplan oder ein Satz, in dem „Hasan Ismaik“ und „Entspannung“ gemeinsam vorkommen.

Der Verein hat sich verbindlich für den Toto-Pokal gemeldet. Großartig. Jetzt fehlt nur noch eine Kleinigkeit: eine Mannschaft. Aber bitte nicht kleinlich werden. Andere Vereine haben Spieler, wir haben Rechtsauffassungen. Andere haben Spielsysteme, wir haben Übergangslösungen. Andere haben einen Kader, wir haben eine Excel-Tabelle mit Fragezeichen.

Aus der U17 dürfen maximal fünf Spieler eingesetzt werden. Die U19 und U21 haben Verträge bei der insolventen KGaA. Die KGaA hat aber kein Spielrecht. Das Spielrecht liegt beim e.V. Der e.V. hat aber nicht die Verträge. Wer jetzt noch mitkommt, darf sich beim DFB als Lizenzprüfer bewerben oder direkt unser nächster Geschäftsführer werden.

Man prüft nun offenbar, ob man Spieler und Infrastruktur der KGaA gegen eine Lizenzgebühr anmieten kann. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: 1860 München mietet sich möglicherweise seine eigenen Spieler. Bald steht dann auf der Aufstellung nicht mehr „Startelf“, sondern „Leihgegenstände gemäß Nutzungsvereinbarung“.

Und das Ticketing? Vielleicht auch mieten. Wahrscheinlich müssen wir Fans demnächst unsere Eintrittskarte bei der KGaA kaufen, den Sitzplatz beim e.V. bestätigen lassen, die Bratwurst beim Insolvenzverwalter anmelden und den Senf über ein Treuhandkonto abrechnen.

Währenddessen versucht Insolvenzverwalter Dr. Max Liebig zu retten, was noch zu retten ist. Ein Satz, den man bei 1860 eigentlich schon auf die Stadionuhr schreiben könnte. „90 Minuten gespielt – retten, was noch zu retten ist.“

Trainer Alper Kayabunar und Geschäftsführer Manfred Paula stehen also vor der Aufgabe, aus Rauch, Staub, Nachwuchsspielern, Mietverträgen und Löwenromantik irgendwie einen Fußballbetrieb zu basteln. Andere Trainer machen Pressingübungen. Unser Trainer muss vermutlich erstmal fragen: „Wer von euch ist rechtlich überhaupt verfügbar?“

Und dann ist da natürlich noch die Angst vor dem Sportgericht. Wenn 1860 im Toto-Pokal nicht antreten kann, droht eine Geldstrafe im fünfstelligen Bereich. Herrlich. Ein Verein ohne Kohle bekommt dann noch eine Strafe, weil er wegen fehlender Kohle nicht antreten kann. Das ist ungefähr so, als würde man einem Ertrinkenden ein Bußgeld wegen unerlaubten Planschens geben.

Aber wissen Sie was? Genau das ist Sechzig.

Wir sind nicht einfach ein Fußballverein. Wir sind eine Dauerprüfung für Herz, Leber und Humor. Wir sind Tradition mit eingebautem Schleudersitz. Wir sind der Beweis, dass man auch nach Jahrzehnten Chaos noch sagen kann: „Dieses Mal wird’s bestimmt besser“ – und es selbst nicht glaubt.

Natürlich tut das weh. Natürlich macht einen das wahnsinnig. Natürlich fragt man sich, wie ein Verein mit dieser Geschichte, diesen Fans und dieser Leidenschaft immer wieder an denselben Abgründen entlangtanzt wie ein besoffener Zirkuslöwe auf Rollschuhen.

Aber wir Fans sind halt noch da. Immer noch. Trotz allem. Trotz Investorenstreit, Insolvenzangst, Spielrechtsakrobatik und Vereinsdramen, bei denen jede Netflix-Serie nach der dritten Staffel sagen würde: „Das glaubt uns keiner mehr.“

Der Ball rollt vielleicht bald nicht mehr. Aber unser Puls schon. Und zwar im roten Bereich.

Also bitte, liebe Verantwortliche: Einigt euch. Rettet diesen Klub. Bringt eine Mannschaft auf den Platz. Sorgt dafür, dass 1860 nicht im Toto-Pokal an der Frage scheitert, ob der rechte Verteidiger gemietet, geleast oder nur mit Nutzungsrecht ausgestattet ist.

Denn wir Löwen-Fans haben wirklich viel ertragen.

Aber wenn wir demnächst zum Spiel kommen und statt Mannschaft nur ein Insolvenzverwalter mit Eckfahne aufläuft, dann wird’s selbst für uns langsam eng.

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