Die amerikanische Politik bleibt das einzige Theater der Welt, in dem sich die Hauptdarsteller erst gegenseitig für den Untergang der Nation verantwortlich machen und anschließend höflich ihre Telefonnummer austauschen.
In ihrem neuen Buch berichtet Jill Biden von einem bemerkenswerten Moment bei der Amtseinführung 2025. Nachdem Donald Trump monatelang erklärt hatte, Joe Biden sei der schlechteste Präsident aller Zeiten, soll er sich nach seiner Vereidigung freundlich an Jill gewandt haben: „Wenn Joe irgendetwas braucht, rufen Sie mich an!“
Eine Szene, die ungefähr so glaubwürdig klingt wie ein Friedensvertrag zwischen Tom und Jerry.
Auch mit einem weiteren Mythos räumt Jill Biden auf. Ihr Mann sei keineswegs von schlechten Nachrichten abgeschirmt worden. Im Gegenteil: Joe habe ständig auf sein iPhone geschaut und vor allem Fox News verfolgt.
Mit anderen Worten: Während seine Unterstützer versuchten, ihn vor negativer Berichterstattung zu schützen, abonnierte er sie offenbar freiwillig.
Besonders unterhaltsam wird das Buch, wenn Jill Biden über Kamala Harris spricht. Deren berühmter Angriff in einer TV-Debatte 2019 habe bei ihr nicht gerade Begeisterungsstürme ausgelöst. Während Harris politisch punktete, bestand Jill Bidens innere Reaktion nach eigener Darstellung hauptsächlich aus Ausdrücken, die in keinem familienfreundlichen Buch zitiert werden sollten.
Auch die Begegnung mit Melania Trump bei der Amtseinführung beschreibt sie als eher frostige Angelegenheit. Glücklicherweise war ein Begleiter dabei, der verzweifelt versuchte, Small Talk zu betreiben.
Fragen nach Barrons Schule, seinen Freunden, seinem Hund und dem Leben in Slowenien flogen durch das Auto wie Rettungsringe auf einem sinkenden Schiff. Der Erfolg hielt sich offenbar in Grenzen.
Und schließlich trauert Jill Biden noch dem Ostflügel des Weißen Hauses nach. Dort, wo einst Büros und historische Räume standen, soll nun Trumps großer Ballsaal entstehen.
Aus Sicht der ehemaligen First Lady wurde ein historisches Gebäude behandelt wie ein renovierungsbedürftiges Fernsehprojekt aus einer Heimwerker-Show.
So bleibt am Ende ein faszinierendes Bild amerikanischer Politik: Ein Ex-Präsident schaut Fox News, seine Frau ärgert sich noch über Debatten von vor sieben Jahren, Melania beantwortet Small-Talk-Fragen mit Minimalismus und Donald Trump bietet überraschend Nachbarschaftshilfe an.
Hollywood hätte das Drehbuch vermutlich als unrealistisch zurückgewiesen.
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