FIFA-Präsident Gianni Infantino hat während der Fußball-Weltmeisterschaft offenbar nicht nur Spiele besucht, sondern nebenbei auch ein kleines Vielfliegerprogramm absolviert.
Nach einer Recherche der Nachrichtenagentur AP legte der Schweizer zwischen dem 9. Juni und dem Finaltag insgesamt 95.403 Kilometer im Flugzeug zurück. Das entspricht fast zweieinhalb Erdumrundungen.
Andere Menschen schaffen während einer WM vielleicht 43 Spiele auf dem Sofa. Infantino bevorzugte offenbar die etwas aufwendigere Variante mit Privatjet, mehreren Flughäfen und möglichst viel Kerosin.
43 Spiele, 21 Flughäfen, eine Mission
Infantino besuchte 43 der insgesamt 104 WM-Partien und war in jedem der 16 Stadien in den USA, Kanada und Mexiko mindestens einmal zu Gast.
Geflogen wurde mutmaßlich mit einer Gulfstream G650 aus der Charterflotte des WM-Sponsors Qatar Airways. Ein geeignetes Verkehrsmittel für einen Funktionär, der schließlich nicht einfach irgendwo ankommen, sondern standesgemäß landen muss.
Die Maschine steuerte während des Turniers 21 Flughäfen an. Besonders beliebt war offenbar Miami: Dort sah Infantino gleich fünf Spiele. Vermutlich lag das Stadion besonders günstig zwischen Rollfeld, Limousine und klimatisierter Ehrenloge.
28 Minuten Flugzeit – die Bahn war wohl keine Option
Der kürzeste dokumentierte Flug dauerte 28 Minuten und führte von Seattle nach Vancouver.
Für normale Reisende wäre das möglicherweise eine Strecke gewesen, bei der man kurz über Zug, Auto oder eine andere Form der Fortbewegung nachdenkt. Doch wer Präsident des Weltfußballs ist, kann schließlich nicht riskieren, an einer roten Ampel erkannt zu werden.
Der längste Flug führte in fünf Stunden und 44 Minuten von Miami nach Seattle. Nicht eingerechnet wurde zudem ein Abstecher nach Doha. Bei fast 100.000 Flugkilometern kommt es auf den einen oder anderen Kontinent schließlich auch nicht mehr an.
FIFA will Emissionen halbieren
Besonders charmant wird die Geschichte durch die Nachhaltigkeitsstrategie der FIFA.
Der Weltverband hat sich vorgenommen, seine CO₂-Emissionen bis 2030 zu halbieren und bis 2040 klimaneutral zu werden. Ein ambitioniertes Ziel, das offenbar nach dem bewährten Prinzip verfolgt wird: Erst möglichst viel ausstoßen, damit man später besonders eindrucksvoll reduzieren kann.
Laut „Spiegel“ verursachte allein der mutmaßlich von Infantino genutzte Jet während der WM knapp 813 Tonnen CO₂.
Damit hat der FIFA-Präsident vermutlich mehr heiße Luft produziert als sämtliche Pressekonferenzen des Turniers zusammen – und das will beim Weltfußball wirklich etwas heißen.
Klimaneutralität mit Anlauf
Die FIFA äußerte sich zunächst nicht zu der Recherche. Vielleicht war die zuständige Pressestelle gerade im Landeanflug.
Infantinos Reisebilanz zeigt jedenfalls, wie ernst der Weltverband das Thema Nachhaltigkeit nimmt: Der Präsident war persönlich vor Ort, um die Emissionen in Nordamerika gleichmäßig zu verteilen.
Bis 2040 soll die FIFA klimaneutral sein. Bei diesem Tempo dürfte Infantino bis dahin wenigstens jeden Flughafen der Erde persönlich kennen.
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