Mit dem neuen Modell „Luce“ hat Ferrari erstmals ein vollelektrisches Fahrzeug vorgestellt – und damit eine Kontroverse ausgelöst, wie sie die traditionsreiche Marke lange nicht erlebt hat. Das von Star-Designer Sir Jony Ive mitentwickelte Fahrzeug sollte ein Meilenstein für den italienischen Sportwagenhersteller werden. Stattdessen hagelt es Kritik von Fans, Investoren und sogar Politikern.
Bereits kurz nach der Präsentation verlor die Ferrari-Aktie deutlich an Wert. In sozialen Netzwerken machten sich Nutzer mit zahlreichen Memes über das Fahrzeug lustig. Besonders das Design stößt vielen Ferrari-Anhängern sauer auf. Der Luce unterscheidet sich deutlich von den klassischen, flachen Sportwagenformen, für die Ferrari weltberühmt geworden ist. Zudem fehlt dem Elektroauto das markante Motorengeräusch, das für viele Fans zum Ferrari-Erlebnis dazugehört.
Der frühere Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo sprach sogar davon, dass das Modell die Gefahr berge, „eine Legende zu zerstören“. Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini erklärte, der Luce sehe nach allem aus – nur nicht nach einem Ferrari.
Auch viele Sammler und Händler äußerten sich kritisch. Einige vergleichen das Fahrzeug optisch mit deutlich günstigeren Elektroautos oder chinesischen Modellen. Andere kritisieren den Verkaufspreis von rund 640.000 US-Dollar als überzogen. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz aus China, wo leistungsstarke Elektrofahrzeuge oft deutlich günstiger angeboten werden, erscheint der Preis vielen Beobachtern besonders ambitioniert.
Technisch kann der Luce durchaus beeindrucken. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in etwa 2,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 300 km/h. Dennoch scheint Ferrari mit diesem Modell bewusst eine neue Zielgruppe anzusprechen. Experten gehen davon aus, dass vor allem jüngere und technikaffine Kunden gewonnen werden sollen, die Elektromobilität deutlich offener gegenüberstehen als traditionelle Ferrari-Fans.
Ferrari-Chef Benedetto Vigna verweist darauf, dass auch das erste SUV der Marke, der Purosangue, bei seiner Einführung stark umstritten war. Damals befürchteten viele ebenfalls einen Imageschaden. Letztlich entwickelte sich das Fahrzeug jedoch zu einem kommerziellen Erfolg und erschloss Ferrari neue Kundengruppen.
Die Debatte um den Luce zeigt die Herausforderungen, vor denen viele traditionsreiche Automarken stehen. Einerseits wächst der Druck, sich dem Wandel zur Elektromobilität anzupassen. Andererseits riskieren die Hersteller, ihre langjährigen Stammkunden zu verprellen, wenn sie sich zu weit von ihrer eigenen Identität entfernen. Ob Ferrari mit dem Luce einen mutigen Schritt in die Zukunft gemacht hat oder tatsächlich Gefahr läuft, einen Teil seines Mythos zu verlieren, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
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