Als Fan des FC Erzgebirge Aue hatte ich mich eigentlich schon damit abgefunden. Der bittere Gang in die Regionalliga schien besiegelt. Wochenlang haben wir uns über verpasste Chancen, schwache Auftritte und eine Saison geärgert, die einfach nicht unseren Ansprüchen genügt hat. Der 18. Platz war die Quittung.
Doch im Fußball gilt bekanntlich eine eiserne Regel:
Totgesagte leben länger.
Und plötzlich kommt aus München eine Nachricht, die im Erzgebirge für neue Hoffnung sorgt. Der TSV 1860 München hat die Lizenz für die 3. Liga nicht erhalten, weil ein Finanzierungsnachweis über 2,7 Millionen Euro nicht erbracht werden konnte. Ausgerechnet der ewige Streit zwischen Investor Hasan Ismaik und dem Verein könnte nun Folgen haben, die bis ins Erzgebirge reichen.
Natürlich tut mir jeder Fan leid, der seinen Verein in einer solchen Situation erleben muss. 1860 München ist ein Traditionsverein mit großer Geschichte und leidenschaftlichen Anhängern. Aber als Aue-Fan wäre ich unehrlich, wenn ich sagen würde, dass ich die Nachrichten aus München völlig emotionslos gelesen habe.
Denn plötzlich ist da wieder dieses kleine Wort:
Vielleicht.
Vielleicht ist die Saison doch noch nicht endgültig verloren.
Vielleicht bekommen wir eine zweite Chance.
Vielleicht bleibt der FC Erzgebirge Aue doch noch in der 3. Liga.
Noch ist nichts entschieden. Zunächst müsste der DFB den Fall abschließend prüfen. Zudem gilt Havelse als erster Nachrücker. Doch es gibt Gerüchte, dass die Niedersachsen möglicherweise selbst keine weitere Drittliga-Saison anstreben. Sollte das tatsächlich der Fall sein, könnte die Tür für den FCE plötzlich einen Spalt weit offenstehen.
Und seien wir ehrlich:
Nach dieser Saison würden wir selbst durch ein Schlüsselloch kriechen.
Natürlich wäre ein Klassenerhalt auf diesem Weg nicht das, was sich die Fans wünschen. Lieber hätte man die Liga sportlich gehalten. Lieber hätten wir die nötigen Punkte selbst geholt. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert.
Wer erinnert sich nicht an all die Geschichten, in denen Vereine durch Lizenzentzüge, Insolvenzen oder andere Entwicklungen doch noch gerettet wurden?
Warum sollte diesmal nicht Aue profitieren?
Die Vorstellung, auch kommende Saison weiterhin gegen Traditionsvereine in der 3. Liga zu spielen statt auf manchem Regionalliga-Sportplatz anzutreten, lässt jedenfalls viele Herzen im Erzgebirge wieder schneller schlagen.
Und nicht nur in Aue schaut man gespannt nach München. Auch in Meuselwitz dürfte man jede neue Meldung aufmerksam verfolgen. Sollte Aue tatsächlich in der Liga bleiben, würde das wiederum Auswirkungen auf die Regionalliga Nordost haben und dem ZFC möglicherweise ebenfalls den Klassenerhalt bescheren.
Ein Dominoeffekt des Fußballs.
Ausgerechnet ausgelöst durch das Chaos bei 1860 München.
Noch ist alles Spekulation.
Noch gibt es keine endgültige Entscheidung.
Aber nach Wochen voller Frust und Enttäuschung fühlt es sich zum ersten Mal wieder so an, als gäbe es einen kleinen Hoffnungsschimmer am Horizont.
Und wer den FC Erzgebirge Aue kennt, der weiß:
Im Erzgebirge gibt man die Hoffnung nie auf.
Vielleicht bekommen wir tatsächlich noch eine letzte Chance.
Und vielleicht, ganz vielleicht, beginnt das Fußballwunder 2026 nicht in München, sondern in Aue.
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