Analyse der Mittelverwendungskontrolle zur Vermögensanlage „Haferkater Purpose GmbH 8,50 % 2023–2030“
Aus Anlegersicht ist ein Mittelverwendungsbericht immer eine der wichtigsten Unterlagen überhaupt. Er beantwortet die zentrale Frage: Ist das Geld tatsächlich dort angekommen, wo es laut Prospekt oder Vermögensanlagen-Informationsblatt eingesetzt werden sollte?
Positiver Aspekt: Externe Kontrolle schafft Transparenz
Grundsätzlich ist es positiv, wenn eine unabhängige Mittelverwendungskontrolle durchgeführt wird. Anleger erhalten dadurch eine zusätzliche Ebene der Kontrolle, die verhindern soll, dass eingeworbene Gelder zweckwidrig verwendet werden.
Gerade bei Nachrangdarlehen ist dies von Bedeutung, da Anleger keine klassischen Sicherheiten besitzen und im Insolvenzfall erhebliche Risiken tragen.
Das Geschäftsmodell wirkt nachvollziehbar
Haferkater ist kein Start-up mit einer futuristischen Technologie oder schwer verständlichen Finanzkonstruktionen, sondern ein etabliertes Gastronomieunternehmen mit Fokus auf Haferprodukte und Bahnhofsstandorte.
Für Anleger ist dies grundsätzlich ein Vorteil:
- Das Geschäftsmodell ist verständlich.
- Die Umsätze entstehen im operativen Geschäft.
- Die Nachfrage nach Gastronomie an Verkehrsknotenpunkten ist grundsätzlich nachvollziehbar.
Anders als bei vielen hochspekulativen Investments hängt der wirtschaftliche Erfolg nicht von Kryptowährungen, Rohstoffspekulationen oder komplexen Derivatekonstruktionen ab.
Die Rendite von 8,5 % hat ihren Preis
Die angebotene Verzinsung von 8,5 % klingt attraktiv.
Allerdings gilt wie immer:
Hohe Zinsen sind niemals ein Geschenk.
Sie spiegeln das Risiko wider.
Bei der Vermögensanlage handelt es sich um ein qualifiziert nachrangiges Darlehen. Das bedeutet:
- Banken werden zuerst bedient.
- Andere Gläubiger werden zuerst bedient.
- Anleger kommen erst ganz am Ende.
Im schlimmsten Fall kann ein Totalverlust eintreten.
Expansion birgt Chancen und Risiken
Sollten die Mittel für weiteres Wachstum, neue Standorte oder die Unternehmensentwicklung eingesetzt werden, entsteht ein klassisches Expansionsrisiko.
Neue Filialen bedeuten:
- Investitionen vor dem Umsatz,
- höhere Fixkosten,
- Personalrisiken,
- Standortentscheidungen mit Unsicherheiten.
Funktioniert die Expansion, profitieren Unternehmen und Anleger.
Scheitert sie, steigt der finanzielle Druck erheblich.
Gastronomie bleibt ein schwieriges Geschäft
Anleger sollten zudem nicht vergessen:
Die Gastronomie gehört zu den anspruchsvollsten Branchen überhaupt.
Belastungsfaktoren sind unter anderem:
- steigende Lohnkosten,
- steigende Mietkosten,
- schwankende Besucherzahlen,
- Inflation,
- verändertes Konsumverhalten.
Selbst bekannte Marken können unter Druck geraten, wenn einzelne Standorte nicht die erwarteten Umsätze erzielen.
Was Anleger besonders beobachten sollten
Entscheidend sind künftig vor allem folgende Kennzahlen:
- Umsatzentwicklung der bestehenden Standorte
- Wirtschaftlichkeit neuer Filialen
- Entwicklung der Eigenkapitalquote
- Cashflow zur Bedienung der Zinsen
- Verschuldungsgrad des Unternehmens
Die Mittelverwendung allein sagt noch nichts darüber aus, ob die Investition wirtschaftlich erfolgreich sein wird.
Sie zeigt lediglich, ob das Geld entsprechend der Planung eingesetzt wurde.
Fazit
Aus Anlegersicht macht die Haferkater-Vermögensanlage zunächst einen deutlich nachvollziehbareren Eindruck als viele hochspekulative Crowdfunding-Projekte.
Positiv sind:
- nachvollziehbares Geschäftsmodell,
- reale Geschäftstätigkeit,
- unabhängige Mittelverwendungskontrolle,
- bekannte Marke im Bahnhofs- und Reisegastronomiesektor.
Dennoch bleibt das Investment ein Nachrangdarlehen mit erhöhtem Risiko.
Die attraktive Verzinsung von 8,5 % ist letztlich die Gegenleistung dafür, dass Anleger unternehmerische Risiken mittragen.
Wer investiert, sollte die Anlage daher nicht als sicheren Zinsersatz betrachten, sondern als Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg eines expandierenden Gastronomieunternehmens. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob die Mittel korrekt verwendet wurden – sondern ob Haferkater in den kommenden Jahren ausreichend profitabel wächst, um Zinsen und Rückzahlung zuverlässig leisten zu können.
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Haferkater Purpose GmbHFrankfurtBericht
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68,03 % der Nettoeinnahmen (bis zu EUR 2.195.019,61) („Tranche 1“) sollen für die Finanzierung der Kosten des weiteren Aufbaus der operativen Geschäftstätigkeit gemäß seinem Unternehmenszweck verwendet werden. Der Projektinhaber hat bereits neue Standorte für die Haferkater Stores GmbH akquiriert und plant aktuell den Ausbau derselben. Die beim Projektinhaber hierzu entstandenen Kosten belaufen sich auf EUR 320.000,00 und werden durch die Nettoeinnahmen refinanziert. Daneben wird der Projektinhaber einen Teil der auf Tranche 1 entfallenden Nettoeinnahmen in Höhe von EUR 1.875.019,61 mittels eines (gesetzlich nachrangigen) Gesellschafterdarlehens (…) an die Tochtergesellschaft [des Projektinhabers] weiterleiten. (…) Die Tochtergesellschaft wird die weitergeleiteten Mittel nutzen, um den Ausbau und den Betrieb von Verkaufsstellen unter der Marke Haferkater an den Standorten Hauptbahnhof Mannheim und Potsdam in Höhe von EUR 520.000,00 zu refinanzieren und in Höhe von EUR 1.355.019,61 zu finanzieren (die übrigen Standorte) und so das bestehende Filialnetz in Deutschland durch weitere Verkaufsstellen zu vergrößern. Aus den Nettoeinnahmen der Tranche 1 werden folgende Verkaufsstandorte finanziert: (i) EUR 260.000,00 für den Hauptbahnhof Mannheim, Willy-Brandt-Platz 17, D-68161 Mannheim, Gesamtgröße 61,2 m2, Inbetriebnahme erfolgte im Dezember 2023; (ii) EUR 260.000,00 für den Hauptbahnhof Potsdam, Friedrich-Engels-Straße 99, D-14473 Potsdam, Gesamtgröße 74,7 m2, Inbetriebnahme erfolgte im November 2023; (iii) EUR 110.000,00 für den Bahnhof München-Ost, Orleanspl. 11, D-81667 München, Gesamtgröße 36 m2, Inbetriebnahme erfolgte im März 2024; (iv) EUR 250.000,00 für den Hauptbahnhof Dortmund, Königswall 15, D-44137 Dortmund, Gesamtgröße 40,1 m2, voraussichtliche Inbetriebnahme im Juni 2024; (v) EUR 100.000,00 für den Hauptbahnhof Freiburg (Breisgau), Bismarckallee 5, D-79098 Freiburg Breisgau, Gesamtgröße 23,2 m2, Inbetriebnahme erfolgte im April 2024; (vi) EUR 200.000,00 für den Hauptbahnhof München, Bayernstraße 10a, D-80335 München, Gesamtgröße 22 m2, voraussichtliche Inbetriebnahme im September 2024; (vii) EUR 235.000,00 für den Hauptbahnhof Duisburg, Portsmouthplatz 1, D-47051 Duisburg, Gesamtgröße 81,08 m2, voraussichtliche Inbetriebnahme erfolgt im März 2025; (viii) EUR 235.000,00 für den S-Bahnhof Frankfurter Allee, Frankfurter Allee 111a, D-10247 Berlin, Gesamtgröße 40 m2, voraussichtliche Inbetriebnahme erfolgt im Februar 2025; (ix) EUR 225.019,61 für den Hauptbahnhof Nürnberg, Bahnhofsplatz 9, D-90443 Nürnberg, Gesamtgröße 33 m2, voraussichtliche Inbetriebnahme erfolgt im Januar 2025. (…) |
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31,97 % der Nettoeinnahmen (bis zu EUR 1.031.339,89) („Tranche 2“) sollen für die Überführung des Projektinhabers in eine „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“ (umgangssprachlich „Verantwortungseigentum“) verwendet werden. Hierzu soll der Rückerwerb eigener Geschäftsanteile des Projektinhabers von seinen Bestandsgesellschaftern Katjesgreenfood GmbH, ZENTIS Ventures GmbH und Exypnos Consulting Ltd. („Bestandsgesellschafter“) und damit verbundene Rechtanwaltskosten in Höhe von EUR 35.000,00 refinanziert werden. Abhängig vom tatsächlich eingeworbenen Nachrangkapital strebt der Projektinhaber auf Grundlage einer zulässigen Unternehmensbewertung in Höhe von maximal EUR 9.978.447,00 die Refinanzierung des dauerhaften Rückkaufs von bis zu 9,98 % des Stammkapitals im Wert von EUR 996.339,89 an (das satzungsmäßige Stammkapital beträgt insgesamt EUR 37.797; der Rückkauf bezieht sich also auf Stammkapital in Höhe von bis zu EUR 3.774).“ |
Prüfungsergebnisse zum Berichtsstichtag
Die Ergebnisse der Prüfung, die die Verwendung der Mittel (MV) auf Ebene der Emittentin (1. Ebene), der Projektinhaberin (2. Ebene) und der Tochtergesellschaft der Projektinhaberin (3. Ebene) umfassen, werden nachfolgend zusammengefasst:
| Höhe der eingesammelten Anlegergelder | 3.500.000,00 EUR | |
| Höhe der davon in Anlageobjekte investierten Anlegergelder | 3.227.136,87 EUR | |
| Höhe der Anlegegelder, welche für sonstige Ausgaben verwendet wurden | 272.863,13 EUR | |
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Aufzählung der sonstigen Ausgaben und Beschreibung der Verwendung der Anlegergelder für die sonstigen Ausgaben: |
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| 1. | Vermittlungsprovision der Plattformbetreiber in Höhe von 3,0 % (netto) des eingeworbenen Nachrangkapitals zzgl. Umsatzsteuer (MV 1. Ebene) | 124.950,00 EUR |
| 2. | Setup- und Marketing-Gebühr des Plattformbetreibers 1 in Höhe von 3,02 % (netto) des eingeworbenen Nachrangkapitals zzgl. Umsatzsteuer (MV 1. Ebene) | 125.783,01 EUR |
| 3. | Zahlungsdienstleister-Vergütung des Zahlungsdienstleiters in Höhe von 0,25 % (netto) des eingeworbenen Nachrangkapitals (Teilbetrag in Höhe von 3.238.700,00 EUR) zzgl. Umsatzsteuer (MV 1. Ebene) | 9.635,12 EUR |
| 4. | Vergütung des Mittelverwendungskontrolleurs in Höhe von 0,3 % (netto) des eingeworbenen Nachrangkapitals zzgl. Umsatzsteuer (MV 1. Ebene) | 12.495,00 EUR |
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Aufzählung und Beschreibung der bereits erworbenen Anlageobjekte oder der Rechte daran oder der bereits gepachteten Anlageobjekte: |
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| 1. | Kosten der Akquise und Planung der neuen Standorte zzgl. Umsatzsteuer (MV 2. Ebene) | 320.000,00 EUR |
| 2. | Kosten des Ausbaus und Betriebs der Verkaufsstellen zzgl. Umsatzsteuer (MV 3. Ebene): | |
| Hauptbahnhof Mannheim, Willy-Brandt-Platz 17, 68161 Mannheim | 260.000,00 EUR | |
| Hauptbahnhof Potsdam, Friedrich-Engels-Straße 99, 14473 Potsdam | 260.000,00 EUR | |
| Bahnhof München-Ost, Orleanspl. 11, 81667 München | 110.000,00 EUR | |
| Hauptbahnhof Dortmund, Königswall 15, 44137 Dortmund | 250.000,00 EUR | |
| Hauptbahnhof Freiburg (Breisgau), Bismarckallee 5, 79098 Freiburg Breisgau | 100.000,00 EUR | |
| Hauptbahnhof München, Bayernstraße 10a, 80335 München | 200.000,00 EUR | |
| Hauptbahnhof Duisburg, Portsmouthplatz 1, 47051 Duisburg | 14.220,50 EUR | |
| S-Bahnhof Frankfurter Allee, Frankfurter Allee 111a, 10247 Berlin | 235.000,00 EUR | |
| Hauptbahnhof Nürnberg, Bahnhofsplatz 9, 90443 Nürnberg | 0,00 EUR | |
| Hauptbahnhof Erfurt, Willy-Brandt-Platz 12, 99084 Erfurt | 389.518,87 EUR | |
| Hauptbahnhof Bielefeld, Am Bahnhof 1b, 33602 Bielefeld | 57.057,61 EUR | |
| 3. | Kosten der Überführung der Projektinhaberin in Verantwortungseigentum, d.h. die Refinanzierung des Rückkaufs von 9,98 % des Stammkapitals der Projektinhaberin zzgl. damit verbundener Rechtsanwaltskosten zzgl. Umsatzsteuer (MV 2. Ebene) | 1.031.339,89 EUR |
| Summe der nicht investierten Anlegergelder | 0,00 EUR | |
Die Nettoeinnahmen aus dem Nachrangdarlehen wurden auf Grundlage des Weiterleitungskreditvertrags durch Zahlungen der Emittentin am 17. April 2024, 25. September 2024 und 29. Januar 2025 an die Projektinhaberin bzw. die Tochtergesellschaft der Projektinhaberin weitergeleitet (MV 1. Ebene).
Nach den mir vorliegenden Unterlagen und erteilten Aussagen ist die Verwendung der Anlegergelder dem Grunde nach planmäßig erfolgt. Abweichend von den Ausführungen im Vermögensanlagen-Informationsblatt wurde jedoch die Zahlungsdienstleister-Vergütung auf einen Teilbetrag des eingeworbenen Nachrangkapitals in Höhe von 261.300,00 EUR nicht berechnet. Die dadurch freigewordenen Mittel in Höhe von 777,37 EUR wurden zusätzlich für den Ausbau der Verkaufsstellen verwendet. Darüber hinaus wurden abweichend von Ausführungen im Vermögensanlagen-Informationsblatt die Mittel zum Ausbau der Verkaufsstellen an den Standorten am Hauptbahnhof Erfurt und Hauptbahnhof Bielefeld verwendet. Diese beiden Standorte waren im Vermögensanlagen-Informationsblatt nicht aufgeführt. Grund für die Verwendung der Mittel für die Standorte am Hauptbahnhof Erfurt und Hauptbahnhof Bielefeld war die Verschiebung des Ausbaus der Verkaufsstellen an den Standorten am Hauptbahnhof Duisburg und Hauptbahnhof Nürnberg.
Leipzig, den 17. Mai 2026
Martin Jäschke
Wirtschaftsprüfer Steuerberater
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