Es gibt Geschäftsmodelle, bei denen man kurz stutzt. Es gibt Geschäftsmodelle, bei denen man zweimal hinschaut. Und dann gibt es Geschäftsmodelle, bei denen man sich fragt, ob irgendwo eine versteckte Kamera läuft.
Willkommen in der wunderbaren Welt von „Gold mit Rabatt“. Ein Konzept, das ungefähr so klingt, als würde jemand versprechen, jeden Monat kostenlos Benzin in den Tank zu füllen, während das Auto gleichzeitig an Wert gewinnt.
Laut Eigenwerbung bekommt der Kunde physisches Gold, monatliche Rückvergütungen von mindestens zwei Prozent und am Ende auch noch die Goldbarren geliefert. Kurz gesagt: Alle gewinnen. Immer. Und zwar gleichzeitig.
Wenn Warren Buffett so etwas lesen würde, würde er vermutlich seine Cola verschütten.
Das Perpetuum Mobile der Finanzwelt
Das Modell klingt auf den ersten Blick revolutionär:
Du kaufst Gold.
Du bekommst jeden Monat mindestens zwei Prozent zurück.
Nach 36 Monaten sollen das insgesamt 72 Prozent des Kaufpreises sein.
Und das Gold gibt es am Ende ebenfalls.
Wer jetzt fragt, woher das Geld kommt, bekommt Erklärungen über Doré-Barren, Zwischengewinne, Rohgold, Goldminen, Großhandel und allerlei wirtschaftliche Zauberei.
Man könnte es auch einfacher formulieren:
Wenn etwas klingt wie Magie, rechnet sich wie Magie und erklärt wird wie Magie, dann sollte man vielleicht einmal den Taschenrechner auspacken.
Weltweit einzigartig. Natürlich.
Besonders sympathisch ist die Bescheidenheit.
Immer wieder wird vom „weltweit einzigartigen Konzept“ gesprochen.
Das stimmt vermutlich sogar.
Denn weltweit einzigartige Geschäftsmodelle haben häufig einen guten Grund, warum sie weltweit einzigartig bleiben.
Wenn man tatsächlich jeden Monat zwei Prozent auszahlen, Gold liefern und gleichzeitig dauerhaft Gewinne erzielen könnte, hätten Banken, Rohstoffkonzerne und Staatsfonds dieses Modell vermutlich schon längst übernommen.
Stattdessen erfährt man davon über Zoom-Calls und Werbeseiten mit Kundenstimmen.
Die Mathematik macht Urlaub
Besonders kreativ wird es bei der Argumentation:
Steigt der Goldpreis?
Super.
Fällt der Goldpreis?
Auch super.
Bleibt der Goldpreis gleich?
Natürlich ebenfalls super.
Es erinnert ein wenig an einen Wetterbericht:
Scheint die Sonne, gewinnen Sie.
Regnet es, gewinnen Sie.
Schneit es, gewinnen Sie.
Und wenn ein Meteorit einschlägt, gibt es vermutlich noch einen Bonus-Rabatt.
Die berühmten Kundenstimmen
Kein Geschäftsmodell dieser Welt wäre komplett ohne Kundenstimmen.
Da berichten Menschen von pünktlichen Auszahlungen, großartigen Erfahrungen und einem Unternehmen, das immer weiter wächst.
Das Problem ist nur:
Jede Firma der Welt veröffentlicht positive Erfahrungsberichte.
Noch nie hat man auf einer Unternehmensseite gelesen:
„Ich war begeistert, bis ich anfing nachzurechnen.“
Der Sicherheitszauber
Natürlich wird auch Sicherheit großgeschrieben.
Goldminen.
Großpartner.
Verwahrnachweise.
Top-Wirtschaftsprüfer.
Präsenz im Fernsehen.
Pro7.
Sportveranstaltungen.
Das liest sich wie die Zutatenliste eines Vertrauenscocktails.
Die eigentliche Frage bleibt jedoch dieselbe:
Woher kommt dauerhaft das Geld für die versprochenen Rückvergütungen?
Denn Vertrauen ersetzt keine Bilanz.
Und dann kamen die Aufsichtsbehörden
Nun könnte man einwenden: Vielleicht verstehen Kritiker das Geschäftsmodell einfach nicht. Vielleicht sind sie zu skeptisch. Vielleicht fehlt ihnen die Vision.
Blöd nur, dass inzwischen mehrere Finanzaufsichtsbehörden offenbar ähnliche Fragen stellen.
Die deutsche BaFin veröffentlichte Warnhinweise zu Angeboten aus dem Umfeld der TGI-Gruppe. Auch die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) warnte Anleger vor entsprechenden Geschäftsmodellen.
Den vorläufigen Höhepunkt erreichte die Geschichte allerdings Ende Mai 2026 in Liechtenstein.
Dort stellte die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein (FMA) fest, dass die TGI AG mit den Produkten „Customer Basic 2 %“, „Sales Premium“ und „Sofortrabatt“ unerlaubt das Einlagengeschäft betreibe. Die Behörde ordnete deshalb die sofortige Einstellung des Vertriebs und öffentlichen Angebots dieser Produkte an.
Doch damit nicht genug.
Gleichzeitig verfügte die FMA, dass die im Rahmen dieser Modelle entgegengenommenen Kundengelder nicht weiter gehalten werden dürfen. Die TGI AG erhielt eine Frist von vier Monaten zur Beendigung dieses Zustandes.
Besonders bemerkenswert:
Die Verfügung wurde für sofort vollziehbar erklärt.
Außerdem stellte die Behörde ausdrücklich fest, dass die TGI AG über keine aufsichtsrechtliche Bewilligung oder Registrierung der FMA verfügt und deshalb nicht berechtigt ist, entsprechende bewilligungspflichtige Dienstleistungen in Liechtenstein zu erbringen.
Die Behörde verwies dabei sogar ausdrücklich auf ihre bereits zuvor veröffentlichte Warnung vom 22. April 2026.
Mit anderen Worten:
Während die Marketingunterlagen von „maximaler Sicherheit“, „weltweit einzigartigen Möglichkeiten“ und „monatlichen Rückvergütungen“ sprechen, beschäftigen sich Finanzaufseher inzwischen mit der Frage, ob hier überhaupt die erforderlichen Erlaubnisse für das Geschäftsmodell vorliegen.
Das ist ungefähr so, als würde ein Restaurant mit den „besten Steaks Europas“ werben, während gleichzeitig das Gesundheitsamt vor der Tür steht und die Küche versiegelt.
Der bemerkenswerte Disclaimer
Der vielleicht interessanteste Teil findet sich ganz am Ende der Werbeseite.
Dort steht plötzlich:
- keine Beratung
- keine Empfehlung
- keine Finanzanalyse
- keine Gewähr
- Totalverlust möglich
Mit anderen Worten:
Vorher wird erklärt, warum alles großartig ist.
Ganz unten wird erklärt, warum trotzdem alles schiefgehen kann.
Juristen nennen das Risikohinweis.
Satiriker nennen es den spannendsten Abschnitt der gesamten Seite.
Die unbequeme Frage
Spätestens jetzt sollte jeder Interessent weniger auf Hochglanz-Präsentationen, Zoom-Calls und Rabattversprechen schauen und mehr auf das, was Aufsichtsbehörden tatsächlich feststellen.
Denn Finanzaufsichten sind normalerweise nicht dafür bekannt, aus Langeweile Vertriebsverbote zu verhängen, Warnmeldungen zu veröffentlichen oder Rückabwicklungen anzuordnen.
Wenn BaFin, FMA Österreich und schließlich sogar die FMA Liechtenstein einschreiten oder warnen, dann ist das kein Marketingdetail.
Dann ist das ein Alarmsignal.
Fazit
Wer heute behauptet, man könne physisches Gold kaufen, jeden Monat hohe Rückvergütungen kassieren, vom Goldpreisanstieg profitieren, gegen Kursverluste geschützt sein und am Ende selbstverständlich seine Goldbarren erhalten, der sollte sich nicht wundern, wenn kritische Beobachter eine einfache Frage stellen:
Hat dieser Geschäftspartner der TGI AG den Knall eigentlich noch nicht gehört?
Denn an den Finanzmärkten gilt seit Jahrhunderten eine eiserne Regel:
Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, lohnt es sich meistens, ganz genau hinzuschauen.
Und zwar bevor man den Zoom-Termin bucht.
Oder um es noch deutlicher zu sagen:
Während die Werbevideos weiterhin von Gold, Freiheit und monatlichen Rückvergütungen träumen, beschäftigen sich die Aufsichtsbehörden längst mit Vertriebsverboten, Warnmeldungen und aufsichtsrechtlichen Fragen.
Das erinnert verdächtig an das Orchester auf der Titanic:
Die Musik spielt noch – aber viele schauen bereits nervös nach den Rettungsbooten.
Wann hat denn die liechtensteiner Staatsanwaltschaft das letzte Mal eine Razzia bei einer liechtensteiner Firma durchgeführt?
Mit der FMA Liechtenstein hat sich Kaltenegger aus meiner Sicht schon früh selbst keinen Gefallen getan – etwa als er in einem Video sinngemäß behauptete, die FMA Liechtenstein beurteile die TGI „wie eine Bank“. Eine denkbar unglückliche Wortwahl, die das Unternehmen wohl erst recht auf den Radar der Aufsicht gebracht hat. Verschärfend kam hinzu, dass es auch eine politische Anfrage dazu gab, ob durch die TGI nicht das Ansehen des Finanzplatzes Liechtenstein beeinträchtigt werde. Spätestens ab da begannen die Mühlen zu mahlen.
Vieles, was danach folgte, wirkte auf mich ungeschickt. Dass es am Ende vergleichsweise schnell ging, dürfte auch an der hohen öffentlichen Sichtbarkeit gelegen haben – der Werbung mit Oliver Pocher, der Reality-Soap „Die Kalteneggers“ und den teils sehr emotionalen öffentlichen Auftritten von Herrn Kaltenegger (Stichwort Schimpftriaden).
Zu GGMT-Zeiten wurde der Goldgehalt offenbar „pro Quadratmeter“ angegeben – in der Branche ist aber durchgängig der Gehalt pro Tonne Gestein die übliche und einzig sinnvolle Maßeinheit. Schon das ließ bei mir früh den Eindruck entstehen, dass hier vom Goldbergbau eher wenig Verständnis vorhanden ist. Und in den letzten Wochen hätte man sinnvollerweise wohl durchgehend in Ghana, Guyana oder Sambia in den Minen stehen müssen, um den Goldabbau voranzutreiben – statt Energie in Videos und Calls zu stecken.
Auch im Forum von Psiram wurden die Goldgeschäfte von Kaltenegger spätestens seit November 2018 liebevoll begleitet. Unterbrochen letztes Jahr dann durch anwaltliche Interventionen.
https://forum.psiram.com/index.php?topic=18680.msg291218#msg291218
Doppelpost:
Auf Grund welcher geprüfter „Informationen“ hast Du Dich denn bitte für die TGI entschieden? Oder war es doch eher eine Mischung des Glaubens an den heiligen Helmut und der eigenen „Avarita“? https://de.wikipedia.org/wiki/Tods%C3%BCnde
Schade, dass viele nur einen Teil der Informationen kennen. Es ist wie mit einer Kamera: Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man schaut, erhält man ein anderes Bild.
Aber macht ruhig weiter. Ich finde es faszinierend, wie viel Zeit manche Menschen in Spekulationen investieren, anstatt sich mit den Fakten auseinanderzusetzen oder Informationen aus erster Hand einzuholen.
Am Ende darf jeder selbst entscheiden, worauf er seine Zeit und Aufmerksamkeit verwendet. 😉
Liebe Nicole,
Fakt ist: Die Staatsanwaltschaft ist da.
Fakt ist auch: ohne Grund kommen die nicht.
Annahme: Die Geschäftskonten der TGI wurden eingefrohren.
Ich beschäftige mich seit Anfang April ausführlich mit den Fakten, welche seitdem (und schon seit langer Zeit davor) von der TGI AG geschaffen wurden und werden. Und diese sprechen nun einmal nicht für das Unternehmen und sein Geschäftsmodell. Und ja, wir kennen nur einen Teil der Informationen: Dank der allseits gelobten „Transparenz“ der TGI werden bis heute wesentliche Belege, Nachweise und Klarstellungen zurückgehalten und auch weiterhin unangenehme Fragen ausgeklammert. Herr Bremer, die ermittelnden Behörden und Stellen sowie meine Wenigkeit wären sicherlich nicht so in das Thema investiert, wenn endlich einmal entscheidende Fragen klar, sachlich und ohne Ausflüchte beantwortet und rechtlich belastbare sowie nachprüfbare Nachweise erbracht würden.
Wo wir schon im Thema sind: Hat eigentlich irgendwer mal etwas von einem „VIP Gold“ Programm der TGI gehört? Wie ich hörte, wurde in den letzten Tagen wohl zu mindestens zwei Gelegenheiten danach gefragt, aber die Frage von Geschäftsleitung und Vertriebspartner stets sofort abgeblockt. Muss ja eine heikle Sache sein.
Oh, und noch etwas habe ich gerade entdeckt: Wer ist denn dieser Herr hier? Ein Herr Simon Lodenschläger aus Berlin, er betreibt laut öffentlichem Impressum (also möge mir hier Niemand mit Datenschutz kommen) folgende kurz gehaltene Info-Webseite: https://tgi-ag-fma-urteil.com/
Um etwa dieselbe Zeit bin auch ich auf das Thema aufmerksam geworden und habe zu recherchieren begonnen. Und das Kopfschütteln wurde von Tag zu Tag größer: Wie kann man mit nichts wirklich Belastbarem – außer ein paar Videos und Motivations-Calls – ein Netzwerk in dieser Größenordnung aufstellen?
Leider scheint sich die alte Leitlinie wieder einmal zu bestätigen: „Was zu schön ist, um wahr zu sein, ist es zumeist auch nicht.“