Die politische Stimmung im US-Bundesstaat Texas verändert sich. Ausgerechnet unter den hispanischen Wählern, die Donald Trump bei seiner Wiederwahl 2024 maßgeblich unterstützten, wächst die Unzufriedenheit mit seiner Regierung. Besonders die rigorose Abschiebepolitik und die steigenden Lebenshaltungskosten sorgen für Kritik.
Im Rio Grande Valley, unmittelbar an der Grenze zu Mexiko, wird dieser Stimmungswandel besonders deutlich. Dort hatte Trump mit seinem Versprechen, die illegale Einwanderung einzudämmen, erhebliche Unterstützung gewonnen. Tatsächlich sind die illegalen Grenzübertritte inzwischen auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten gesunken.
Doch für viele Menschen endet die Zustimmung dort, wo nicht nur Straftäter, sondern auch langjährig beschäftigte und gesellschaftlich integrierte Migranten von Abschiebungen betroffen sind.
Der katholische Priester Roy Snipes, in seiner Heimat als „Cowboy-Priester“ bekannt, kritisiert das Vorgehen der amerikanischen Einwanderungsbehörde ICE. In seiner Gemeinde berichten Gläubige von Familien, die durch Abschiebungen auseinandergerissen werden. Besonders Kinder leiden darunter, wenn ihre Eltern das Land verlassen müssen.
Auch Unternehmer beklagen wirtschaftliche Auswirkungen. Der mexikanisch-amerikanische Geschäftsmann Mario Guerrero, der Trump dreimal gewählt hat, will bei den Kongresswahlen am 3. November 2026 erstmals für die Demokraten stimmen.
Guerrero berichtet von Unternehmen, denen zunehmend Arbeitskräfte fehlen. Ein ihm bekannter Arbeitgeber, der früher täglich 35 Beschäftigte einsetzen konnte, könne inzwischen froh sein, wenn überhaupt noch vier bis sechs Mitarbeiter zur Arbeit erschienen.
Dabei unterscheiden viele Wähler ausdrücklich zwischen einer konsequenten Grenzsicherung und dem Umgang mit Menschen, die bereits seit Jahren in den Vereinigten Staaten leben und arbeiten.
Der republikanische Bürgermeister von McAllen, Javier Villalobos, unterstützt grundsätzlich Trumps Maßnahmen zur Grenzsicherung. Gleichzeitig sieht auch er Probleme, wenn wirtschaftlich aktive und gesetzestreue Menschen abgeschoben werden.
Aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass Trumps Zustimmung unter hispanischen Wählern in Texas seit 2024 deutlich zurückgegangen ist. In mehreren Erhebungen überwiegt inzwischen die Ablehnung seiner Amtsführung.
Für die Republikaner könnte das bei den bevorstehenden Zwischenwahlen zum Problem werden. Besonders umkämpft ist der 15. Kongresswahlbezirk von Texas, der durch Veränderungen der Wahlkreisgrenzen eigentlich als republikanisch günstig galt. Dennoch sehen aktuelle Umfragen dort den demokratischen Kandidaten Bobby Pulido vorne.
Der bekannte Musiker setzt in seinem Wahlkampf besonders auf wirtschaftliche Themen. Steigende Preise und hohe Lebenshaltungskosten beschäftigen viele Wähler stärker als ideologische Auseinandersetzungen.
Auch bei republikanischen Wahlkampfhelfern wächst die Erkenntnis, dass die Mobilisierung der eigenen Anhänger entscheidend werden dürfte.
Allerdings bedeutet die wachsende Unzufriedenheit mit Trump keineswegs automatisch eine dauerhafte Hinwendung zur Demokratischen Partei. Viele hispanische Wähler verstehen sich ausdrücklich als politisch unabhängig und entscheiden von Wahl zu Wahl neu.
Fazit: Donald Trump hat mit seiner Grenzpolitik ein zentrales Wahlversprechen umgesetzt. Doch die Art der Durchsetzung stößt zunehmend auf Widerstand, auch unter bisherigen Unterstützern.
Die Kongresswahlen am 3. November werden zeigen, ob sich diese Unzufriedenheit tatsächlich in veränderten Mehrheitsverhältnissen niederschlägt. Für Texas, das seit Jahrzehnten von den Republikanern geprägt wird, könnte bereits eine vergleichsweise geringe Verschiebung der Stimmen erhebliche politische Auswirkungen haben.
Kommentar hinterlassen