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Der rätselhafte Mann hinter einem mutmaßlichen 14-Milliarden-Dollar-Krypto-Betrug

vjkombajn (CC0), Pixabay
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Er ist erst 37 Jahre alt, wirkt mit schmalem Ziegenbart und jugendlichem Gesicht beinahe wie ein Student – und soll laut US-Justiz einer der größten mutmaßlichen Drahtzieher des globalen Online-Betrugs sein: Chen Zhi, Unternehmer in Kambodscha, Multimillionär, Wohltäter-Image. Die US-Behörden werfen ihm vor, ein weit verzweigtes Betrugsimperium aufgebaut zu haben, das Milliarden mit Kryptowährungsbetrug, Menschenhandel und Geldwäsche verdient haben soll.

Vergangene Woche erhob das US-Justizministerium Anklage. Parallel dazu beschlagnahmte das Finanzministerium Bitcoin im Wert von rund 14 Milliarden Dollar – nach Angaben der USA die bislang größte Krypto-Beschlagnahmung überhaupt. Chen Zhi soll hinter einem Netzwerk aus Scam-Zentren in Kambodscha stehen, in denen Opfer weltweit um ihre Ersparnisse gebracht wurden. Laut den Ermittlern umfasst das System Briefkastenfirmen, verschachtelte Krypto-Wallets, Online-Betrug, Sextortion, illegales Glücksspiel und die brutale Ausbeutung verschleppter Arbeitskräfte.

Dabei pflegte Chen Zhi jahrelang das Bild des untadeligen Investors. Seine Prince Group präsentiert ihn als visionären Unternehmer und Philanthropen. In Kambodscha stieg er in atemberaubendem Tempo auf: Immobilienprojekte, Luxusmalls, Fünf-Sterne-Hotels, eine eigene Bank, Fluglinien, sogar mehrere Staatsbürgerschaften – darunter Kambodscha, Zypern und Vanuatu. Gleichzeitig war er eng mit der politischen Elite vernetzt, fungierte als Berater einflussreicher Regierungsmitglieder und erhielt höchste Ehrentitel.

Genau das macht den Fall so brisant. Denn Chen Zhis Aufstieg fiel in jene Jahre, in denen Kambodscha durch chinesisches Kapital, Kasino-Boom und undurchsichtige Großprojekte regelrecht umgebaut wurde. Als der legale Online-Glücksspielmarkt 2019 einbrach, sollen kriminelle Netzwerke in großem Stil auf Online-Betrug umgestellt haben. US- und britische Behörden sprechen inzwischen von einem transnationalen kriminellen Konzern mit mindestens zehn Scam-Komplexen in Kambodscha.

Inzwischen frieren Staaten weltweit Vermögenswerte ein, Banken distanzieren sich, Ermittlungen laufen. Doch eine Frage bleibt offen: Wo ist Chen Zhi? Seit Bekanntwerden der Sanktionen und Anklagen fehlt von dem einst allgegenwärtigen Tycoon jede Spur. Der Mann, der in Kambodscha fast unangreifbar schien, ist plötzlich verschwunden.

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