Nach dem enttäuschenden Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft hat Bundestrainer Julian Nagelsmann offenbar die Konsequenzen gezogen. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, wird der 38-Jährige von seinem Amt als Bundestrainer zurücktreten.
Unmittelbar nach dem dramatischen WM-Aus gegen Paraguay im Elfmeterschießen hatte Nagelsmann einen Rücktritt noch ausgeschlossen und erklärt, er sei „keiner, der wegläuft“. Nur wenige Tage später folgte jedoch die Kehrtwende.
Auslöser soll ein mehrstündiges Gespräch in der DFB-Zentrale in Frankfurt gewesen sein. Dort analysierten DFB-Präsident Bernd Neuendorf, DFL-Präsident Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Rudi Völler und DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig gemeinsam mit Nagelsmann das frühe Scheitern der Nationalmannschaft. Nach den Beratungen wurde dem Bundestrainer offenbar unmissverständlich signalisiert, dass ein freiwilliger Rücktritt der beste Weg sei.
Nagelsmann soll diesem Wunsch nun entsprechen. Als finanzieller Ausgleich steht Medienberichten zufolge eine Abfindung in Höhe von rund sieben Millionen Euro im Raum. Die zuständigen DFB-Gremien sollten im Anschluss in einer digitalen Sitzung über die Personalentscheidung informiert werden.
Doch die eigentliche Frage lautet: Ist mit dem Rücktritt des Bundestrainers tatsächlich das Problem gelöst?
Der Bundestrainer trägt zweifellos Verantwortung für die sportliche Leistung. Allerdings endet die Verantwortung nicht an der Seitenlinie. Die Entwicklung des deutschen Fußballs, die Nachwuchsarbeit, strukturelle Entscheidungen innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes sowie zahlreiche sportpolitische Weichenstellungen wurden über Jahre von verschiedenen Funktionären geprägt. Wer ausschließlich den Trainer zum Sündenbock macht, läuft Gefahr, die tieferliegenden Ursachen der sportlichen Krise auszublenden.
Nagelsmann wird damit zum sichtbarsten Konsequenzträger eines Misserfolgs, dessen Ursachen deutlich komplexer sind. Ob mit seinem Rücktritt tatsächlich ein Neuanfang gelingt oder lediglich das prominenteste Gesicht ausgetauscht wird, werden die kommenden Monate zeigen.
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