Es ist wieder dieser eine Spieltag im Jahr. Der letzte. Der Tag, an dem halb Deutschland gleichzeitig rechnet, hofft, leidet und völlig irrational davon überzeugt ist, dass das eigene Team „eigentlich zu gut zum Absteigen“ ist.
Kurz gesagt:
Bundesliga-Endspurt.
Emotionale Vollkatastrophe inklusive.
Unten brennt alles
St. Pauli, Wolfsburg und Heidenheim stehen punktgleich bei 26 Zählern da und liefern sich heute den Endgegner aller Fußballfans:
den Abstiegs-Krimi mit Taschenrechner.
St. Pauli gegen Wolfsburg ist dabei praktisch ein direktes Duell um die Existenz. Wer verliert, fährt direkt runter in Liga zwei. Wer gewinnt, darf trotzdem noch panisch aufs Handy schauen und hoffen, dass Heidenheim keinen Fußballgott auf seiner Seite hat.
Und natürlich ist das genau die Sorte Spieltag, an dem am Ende irgendein Innenverteidiger in der 94. Minute per Knie oder Ohrläppchen trifft und ein kompletter Verein kollektiv zusammenbricht.
Die Bundesliga liebt sowas.
Wolfsburg zeigt mal wieder, dass Geld keine Punkte schießt
Falls Wolfsburg wirklich runtergeht, wäre das vermutlich die teuerste Art, absolut emotionslosen Fußball zu spielen.
Jahrelang Millionen verpulvert, ständig Trainer gewechselt, keinerlei Identität entwickelt – und jetzt steht man plötzlich mit Heidenheim und St. Pauli im Keller.
Fußballromantik schreibt manchmal wirklich brutale Drehbücher.
Abschiedstour überall
Während unten die Nerven kollabieren, endet für viele oben eine ganze Bundesliga-Ära.
Leon Goretzka verabschiedet sich wohl aus München. Sieben Meisterschaften, Champions-League-Sieger, 327 Bundesligaspiele – und trotzdem hatte man in München irgendwann wieder das Gefühl, er sei „nicht dominant genug“.
Willkommen beim FC Bayern, wo selbst Nationalspieler behandelt werden wie leicht beschädigte Leasingautos.
Niklas Süle hört auf – mit 30!
Und dann die Nachricht, die viele Fans komplett überrascht:
Niklas Süle beendet mit gerade mal 30 Jahren seine Karriere.
Ehrlich gesagt fühlt sich das an wie ein Spieler bei Football Manager, dessen Verletzungsanzeige irgendwann dauerhaft rot bleibt.
Champions-League-Sieger, mehrfach Meister, riesiges Talent – aber Verletzungen, Fitnessprobleme und Dortmund-Chaos haben ihn am Ende komplett aufgefressen.
300 Bundesligaspiele. Und trotzdem bleibt dieses Gefühl:
Da wäre eigentlich noch viel mehr drin gewesen.
Julian Brandt verlässt Dortmund – natürlich ohne Meisterschaft
Auch Julian Brandt könnte heute sein letztes Bundesligaspiel machen. Fast 400 Spiele, technisch ein Genuss, manchmal ein Zauberer – und manchmal auch komplett unsichtbar wie WLAN im ICE.
Und natürlich endet seine BVB-Zeit ohne Meistertitel.
Weil Dortmund eben Dortmund bleibt:
immer kurz vor groß, aber irgendwie nie fertig.
Abschied von den Schiris, die wir jahrelang beleidigt haben
Auch Deniz Aytekin, Patrick Ittrich und Tobias Welz hören auf.
Da merkt man plötzlich:
Man hat diese Leute jahrelang angeschrien, verflucht und für jeden falschen Einwurf verantwortlich gemacht – und irgendwie gehören sie trotzdem zur Bundesliga wie schlechte Montagsspiele in Hoffenheim.
Aytekin bekommt zum Abschied sogar Bayern gegen Köln.
Eine Art goldene Rolex unter den Schiedsrichter-Abschieden.
Und dann sind da noch die echten Pioniere
Marie-Louise Eta verabschiedet sich aus dem Männerbereich und übernimmt die Frauen von Union Berlin.
Marita Hanke geht bei Werder Bremen in Rente – die erste Pressesprecherin der Bundesliga überhaupt.
Zwischen all dem Wahnsinn, den Trainerwechseln, VAR-Debatten und Abstiegsdramen vergisst man manchmal, dass diese Liga auch von Leuten geprägt wurde, die nie selbst Tore geschossen haben.
Fazit: Bundesliga eben
Heute wird gerechnet, geweint, gefeiert und wahrscheinlich irgendwo auch ein Fernseher beleidigt.
Zwei Vereine gehen direkt runter.
Einer darf weiter hoffen.
Mehrere Karrieren enden.
Und spätestens morgen beginnt wieder die große Frage:
„Warum tue ich mir das eigentlich jedes Jahr an?“
Antwort:
Weil Bundesliga manchmal chaotisch, absurd und komplett irrational ist –
aber eben genau deshalb niemand davon loskommt.
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