Ein abgelegenes Tal in den Karpaten. Das 14. Jahrhundert. Über den Dörfern thront ein Vampir, der Schutz verspricht und dafür Blut verlangt. Wer sich widersetzt, zahlt einen hohen Preis.
Willkommen in „The Blood of Dawnwalker“ – einem düsteren Rollenspiel, das nicht nur Erinnerungen an „The Witcher 3“ weckt, sondern sich innerhalb kürzester Zeit selbst zu einem der großen Rollenspiel-Hits des Jahres entwickelt hat.
Im Mittelpunkt steht der Bauernsohn Coen. Eigentlich will er sich nur gegen die grausame Herrschaft der Vampire auflehnen. Doch der Widerstand verändert sein Leben für immer: Coen wird selbst zum Blutsauger.
Allerdings ist er kein gewöhnlicher Vampir.
Am Tag kann er weiterhin als Mensch durch die Welt ziehen. Erst wenn die Sonne untergeht, erwacht die andere Seite in ihm. Dann wird aus dem jungen Mann ein Wesen mit übernatürlichen Fähigkeiten – und plötzlich verändert sich nicht nur Coen, sondern auch die Art, wie man die Spielwelt erlebt.
Tagsüber Mensch, nachts Monster
Genau dieser Wechsel gehört zu den stärksten Ideen von „The Blood of Dawnwalker“.
Bei Tageslicht bewegt sich Coen weitgehend wie ein Mensch durch Dörfer, Wälder und Burgen. Nachts stehen ihm dagegen Fähigkeiten zur Verfügung, die seine vampirische Natur offenbaren.
Dadurch fühlt sich dieselbe Landschaft je nach Tageszeit vollkommen anders an.
Doch Coen hat ein wesentlich größeres Problem als seinen Blutdurst.
Seine Familie schwebt in Lebensgefahr.
Und die Uhr läuft.
Nach dem dramatischen Beginn des Spiels bleiben gerade einmal 30 Spieltage, um sie zu retten.
Das klingt zunächst nach purem Stress – insbesondere bei einem großen Open-World-Rollenspiel, dessen Welt voller Geschichten, Figuren und Nebenaufgaben steckt.
Doch die Entwickler haben eine clevere Lösung gefunden.
Die Zeit verstreicht nicht einfach während jeder Minute, die man durch Wälder läuft oder Kräuter sammelt. Sie schreitet nur bei bestimmten Missionen und wichtigen Handlungsschritten voran.
Man kann die Welt also erkunden.
Aber irgendwann muss man Entscheidungen treffen.
Welche Geschichte ist wichtig?
Welchem Menschen helfe ich?
Welche Aufgabe lasse ich liegen?
Und wie viel meiner kostbaren Zeit bin ich bereit, dafür zu opfern?
Dadurch bekommt jede größere Entscheidung zusätzliches Gewicht.
Die Geister von „The Witcher“ sind überall
Dass „The Blood of Dawnwalker“ stellenweise stark an „The Witcher 3“ erinnert, ist kein Zufall.
Hinter dem Spiel stehen ehemalige Entwickler des polnischen Rollenspiel-Hits.
Und dieses Erbe ist kaum zu übersehen.
Eine raue osteuropäische Fantasywelt trifft auf Mythen, Monster, Magie und menschliche Abgründe. Große Geschichten wechseln sich mit kleinen persönlichen Schicksalen ab, und hinter einer scheinbar harmlosen Nebenmission kann sich plötzlich eine wesentlich größere Geschichte verbergen.
Doch „Dawnwalker“ will keine einfache Kopie des Hexers sein.
Die Vampirmechanik und der permanente Wechsel zwischen Mensch und Monster geben dem Spiel eine eigene Identität.
Dazu kommen Entscheidungen, die den Verlauf der Geschichte beeinflussen und den Spieler immer wieder vor unangenehme Fragen stellen.
Denn in dieser Welt gibt es nicht einfach nur Gut und Böse.
Manchmal ist das Monster derjenige, der Menschen beschützt.
Und manchmal sind es die Menschen, vor denen man sich besser in Acht nehmen sollte.
Eine Welt, die nach Blut riecht
Besonders stark ist die Atmosphäre.
Burgen ragen über dunklen Tälern auf, abgelegene Dörfer wirken, als könnte hinter jeder verschlossenen Tür ein Geheimnis lauern, und spätestens nach Sonnenuntergang verändert sich die Stimmung vollständig.
Dann wird aus dem klassischen Mittelalter-Rollenspiel beinahe ein Vampir-Horrortrip.
Coens Fähigkeiten eröffnen neue Möglichkeiten, und plötzlich fühlt man sich nicht mehr wie das Opfer dieser Welt.
Sondern wie eines ihrer gefährlichsten Wesen.
Das Kampfsystem erfindet das Genre zwar nicht komplett neu, funktioniert laut dem zugrunde liegenden Test aber zuverlässig. Viel wichtiger ist ohnehin das Gesamtpaket aus Welt, Geschichten, Figuren und Entscheidungen.
Und genau dort spielt „The Blood of Dawnwalker“ seine größten Stärken aus.
Eine Million Verkäufe in wenigen Tagen
Dass das Konzept funktioniert, zeigt bereits der kommerzielle Start.
Innerhalb weniger Tage wurde das Rollenspiel nach Angaben des Artikels rund eine Million Mal verkauft.
Die Entwickler denken demnach bereits über eine Fortsetzung nach.
Für ein neues Fantasy-Universum ist das ein bemerkenswerter Auftakt.
Noch interessanter ist jedoch, welchen Platz das Spiel innerhalb seines Genres einnehmen könnte.
Denn Vampir-Rollenspiele haben einen fast schon legendären König.
Seit vielen Jahren gilt „Vampire: The Masquerade – Bloodlines“ für zahlreiche Fans als Referenz des Genres.
Doch dieser Thron beginnt zu wackeln.
Der neue König der Vampire?
„The Blood of Dawnwalker“ besitzt vieles von dem, was ein großes Rollenspiel braucht.
Eine faszinierende Welt.
Eine persönliche Geschichte.
Zeitdruck, ohne den Spieler permanent zu hetzen.
Entscheidungen mit Konsequenzen.
Eine starke Atmosphäre.
Und eine Hauptfigur, die gleichzeitig Mensch und Monster ist.
Vor allem aber schafft das Spiel etwas, das bei großen Open-World-Titeln inzwischen selten geworden ist: Man möchte nach einer Mission nicht aufhören.
Man möchte wissen, was hinter dem nächsten Hügel liegt.
Wer in der nächsten Burg wartet.
Welche Entscheidung sich später rächen wird.
Und was passiert, wenn Coen endgültig die Kontrolle über das Monster in sich verliert.
Nach vielen Jahren könnte „Vampire: The Masquerade – Bloodlines“ damit tatsächlich einen ernsthaften Konkurrenten bekommen haben.
Vielleicht sogar seinen Nachfolger auf dem Vampir-Thron.
Denn „The Blood of Dawnwalker“ ist nicht einfach nur ein weiteres düsteres Fantasy-Rollenspiel. Es ist schon jetzt einer der heißesten Kandidaten auf das Rollenspiel des Jahres.
Und diesmal sollte man sich vor Einbruch der Dunkelheit vielleicht besser nicht mehr nach Hause retten.
Denn wenn die Nacht kommt, beginnt Coens eigentliche Geschichte erst.
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