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Banker entdeckt plötzlich: Mitarbeiter sind doch keine Druckerpatronen

Tajamalm110 (CC0), Pixabay
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Die moderne Arbeitswelt hat wieder einen großen Moment erlebt.

Diesmal:
Ein Bankchef erklärt öffentlich, dass manche Mitarbeiter eigentlich nur „minderwertiges Humankapital“ seien.

Und wundert sich anschließend ernsthaft darüber, dass Menschen darüber leicht verstimmt reagieren könnten.

Willkommen im Jahr 2026.

Bill Winters, Chef der Großbank Standard Chartered, sprach auf einer Investorenkonferenz darüber, wie künstliche Intelligenz künftig tausende Jobs ersetzen werde.

An sich schon beruhigend genug.

Doch dann kam der Satz, der vermutlich selbst in manchen Konzern-Etagen kurz für betretenes Schweigen sorgte:
Man wolle „in manchen Fällen geringwertiges Humankapital“ durch Technologie ersetzen.

Autsch.

Das klingt ungefähr so empathisch wie:
„Die Kaffeemaschine hat mehr Zukunftspotenzial als Teile unserer Belegschaft.“

Natürlich folgte kurz darauf die klassische Konzern-Choreografie:
LinkedIn-Entschuldigung.
Kontext-Erklärung.
Missverständnis.
Alles ganz anders gemeint.
Große Wertschätzung für Mitarbeiter.
Bla bla bla.

Der Satz habe „einige Kollegen verärgert“.

Ja.
Überraschenderweise mögen es Menschen nicht besonders, wenn sie wie defekte Bürostühle beschrieben werden.

Besonders bitter:
Gleichzeitig kündigte die Bank an, in den nächsten Jahren rund 7800 Stellen abbauen zu wollen.

Aber keine Sorge!
Das ist natürlich kein Stellenabbau.
Das ist „Transformation“.

Früher hieß es:
„Du bist entlassen.“

Heute heißt es:
„Wir begleiten dich in neue Chancen außerhalb unseres Ökosystems.“

Klingt fast wie Wellnessurlaub mit anschließendem Arbeitslosengeld.

Immerhin bemüht sich Winters inzwischen redlich um Schadensbegrenzung.
Er betont nun, dass er alle Mitarbeiter „sehr hoch schätze“.

Das Problem:
Das Internet vergisst nichts.

Und irgendwo wird vermutlich gerade schon der erste Motivationskalender gedruckt:
„Lower Value Human Capital – Team 2026.“

Die ganze Geschichte zeigt allerdings auch brutal ehrlich, wohin sich viele Großkonzerne gerade bewegen.

KI ersetzt immer mehr Aufgaben.
Menschen werden zunehmend nach Effizienz bewertet.
Und manche Vorstände sprechen inzwischen offenbar über Mitarbeiter wie über alte Serveranlagen.

Besonders spannend:
Noch vor wenigen Jahren hieß es immer:
„Der Mensch steht im Mittelpunkt.“

2026 lautet die modernisierte Version offenbar:
„Der Mensch steht im Mittelpunkt – solange die KI ihn noch nicht billiger kann.“

Natürlich wird weiterhin versprochen:
Umschulungen!
Weiterbildung!
Neue Chancen!

Und fairerweise:
Einige Unternehmen bemühen sich tatsächlich darum.

Aber der Fall zeigt eben auch:
Hinter vielen schönen Konzernbegriffen steckt am Ende knallharte Rationalisierung.

Die eigentliche Tragikomik bleibt jedoch:
Ein Bankchef spricht wahrscheinlich einfach einmal offen aus, was viele Top-Manager längst denken –
und löst damit genau den Shitstorm aus, den man sonst nur mit fehlerhaften Bonuszahlungen oder goldenen Fallschirmen schafft.

Immerhin wissen die Mitarbeiter jetzt offiziell:
Sie sind wichtig.
Sehr wichtig sogar.

Nur halt eventuell nicht wertvoll genug für die nächste Software-Version.

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