Die AustriaEnergy International GmbH aus Wien positioniert sich als Entwickler großer Projekte im Bereich grüner Wasserstoff, Ammoniak sowie Solar- und Windenergie in Chile. Anleger können sich dabei über verschiedene Finanzprodukte an den Projekten beteiligen. Doch bei aller Euphorie rund um „Green Energy“ sollten Investoren die erheblichen Risiken solcher Investments keinesfalls unterschätzen.
8 Prozent Zinsen – aber zu welchem Risiko?
Das Unternehmen hat bereits 2023 einen sogenannten Green Bond (ISIN: DE000A3LE0J4) emittiert. Die Anleihe bietet einen Zinssatz von 8 Prozent pro Jahr bei einer Laufzeit bis Juni 2028. Nach Unternehmensangaben wurden bislang mehr als 14 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt.
Parallel dazu wirbt AustriaEnergy über Crowdinvesting-Plattformen wie Bettervest und Klimja um weiteres Kapital. Angeboten werden dort Nachrangdarlehen mit ebenfalls 8 Prozent Verzinsung und Laufzeiten bis 2030.
Gerade diese Konstruktion birgt für Anleger jedoch erhebliche Gefahren.
Was bedeutet ein Nachrangdarlehen?
Viele Privatanleger unterschätzen, was ein Nachrangdarlehen tatsächlich bedeutet. Im Falle wirtschaftlicher Probleme oder einer Insolvenz werden Anleger mit einem Nachrangdarlehen erst ganz am Ende bedient – nämlich erst nachdem Banken, Finanzämter, Sozialversicherungsträger und andere Gläubiger ihr Geld erhalten haben.
Praktisch bedeutet das häufig:
Totalverlustrisiko
Das eingesetzte Kapital kann vollständig verloren gehen.
Denn reicht das verbleibende Vermögen des Unternehmens nicht mehr aus, gehen Nachranggläubiger oft leer aus. Genau deshalb gelten Nachrangdarlehen als hochriskante Anlageform.
Hinzu kommt: Viele dieser Investments sind langfristig gebunden und oft nur schwer oder gar nicht vorzeitig kündbar.
Chile-Projekte noch ohne große Umsätze
Besonders kritisch: Die großen Wasserstoff- und Energieprojekte befinden sich offenbar noch überwiegend in der Entwicklungsphase. Größere Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe werden nach Unternehmensangaben erst in der Zukunft erwartet.
Damit investieren Anleger letztlich in Hoffnungen auf zukünftige Projektentwicklungen und stabile politische sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen in Chile.
Gerade bei internationalen Infrastruktur- und Energieprojekten bestehen jedoch zahlreiche Risiken:
- politische Veränderungen,
- Genehmigungsprobleme,
- steigende Baukosten,
- Finanzierungsprobleme,
- technische Verzögerungen,
- Änderungen bei Förderprogrammen,
- oder schwankende Energiepreise.
Kommt es hier zu Schwierigkeiten, kann das erhebliche Auswirkungen auf die Rückzahlung der Anlegergelder haben.
Grünes Investment heißt nicht automatisch sicheres Investment
Der Begriff „Green Bond“ oder „nachhaltige Geldanlage“ vermittelt vielen Anlegern Sicherheit und Zukunftsfähigkeit. Tatsächlich handelt es sich aber weiterhin um unternehmerische Hochrisiko-Investments.
Auch eine Börsennotierung oder ein fester Zinssatz von 8 Prozent sind keine Garantie dafür, dass Anleger ihr Geld tatsächlich vollständig zurückerhalten.
Hohe Zinsen sind an den Finanzmärkten meist auch Ausdruck eines höheren Risikos.
Anleger sollten Prospekte genau prüfen
Wer über ein Investment nachdenkt, sollte die Verkaufsunterlagen und Risikohinweise sorgfältig lesen. Besonders wichtig ist das Verständnis der Nachrangigkeit der Forderungen.
Denn vielen Anlegern ist nicht bewusst, dass sie im Insolvenzfall wirtschaftlich fast wie Eigenkapitalgeber behandelt werden – allerdings ohne entsprechende Mitspracherechte.
Gerade bei langfristigen Projekten im Ausland sollten Anleger daher äußerst vorsichtig sein und nur Kapital investieren, dessen Verlust sie im schlimmsten Fall verkraften können.
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