Die australische Parlamentsabgeordnete Helen Haines ist vor ihrem Wahlkreisbüro in Wangaratta von einem Auto erfasst und lebensgefährlich verletzt worden. Die Polizei untersucht, ob die 65-Jährige gezielt angefahren wurde. Premierminister Anthony Albanese sprach von Hinweisen auf eine vorsätzliche Tat. Das Motiv ist bislang ungeklärt.
Der Vorfall ereignete sich am Montagnachmittag gegen 15.35 Uhr Ortszeit in der Stadt im Bundesstaat Victoria. Nach Polizeiangaben wurde Haines von einem weißen Toyota Landcruiser getroffen. Sie kam zunächst in ein örtliches Krankenhaus und wurde anschließend mit einem Hubschrauber nach Melbourne gebracht. Ihr Zustand wurde als kritisch beschrieben.
Passanten hielten einen 43-jährigen Mann aus dem nahe gelegenen Tarrawingee fest, bis die Polizei eintraf. In seinem Fahrzeug fanden die Einsatzkräfte nach eigenen Angaben ein Messer. Welche Bedeutung dieser Fund für die Ermittlungen hat, blieb zunächst offen. Ebenso war unklar, ob sich der Verdächtige und die Abgeordnete kannten.
Auch auf Terrorismusbekämpfung spezialisierte Ermittler sind eingeschaltet. Daraus lässt sich jedoch noch kein terroristischer Hintergrund ableiten. Die Polizei prüft die Umstände und erklärte, derzeit keine fortbestehende Gefahr für die Bevölkerung anzunehmen.
Albanese verurteilte Gewalt gegen gewählte Vertreter und betonte, sie habe in einer Demokratie keinen Platz. Zugleich warnte er davor, vor Abschluss der Ermittlungen Schlussfolgerungen über die Beweggründe zu ziehen. Politiker verschiedener Parteien äußerten Bestürzung und übermittelten Haines und ihrer Familie ihre Anteilnahme.
Die parteilose Abgeordnete gehört dem australischen Bundesparlament seit 2019 an. Bekannt wurde sie insbesondere durch ihren Einsatz für politische Integrität und Korruptionsbekämpfung. Mit einem Gesetzesvorstoß im Jahr 2021 setzte sie sich für eine nationale Antikorruptionsbehörde ein. Heute gehört sie dem parlamentarischen Ausschuss an, der die Arbeit dieser Einrichtung überwacht.
Der Vorfall verstärkt die Diskussion über die Sicherheit von Mandatsträgern. Innenminister Tony Burke verwies auf einen Anstieg gemeldeter Bedrohungen und Belästigungen gegen Politiker von 951 auf 1.067 innerhalb eines Jahres. Bereits frühere Berichte hatten vor zunehmender politisch motivierter Gewalt gewarnt.
Im Mittelpunkt stehen zunächst die medizinische Versorgung von Helen Haines und die Aufklärung des Geschehens. Ob ein gezielter Angriff vorlag und welche Beweggründe dahinterstanden, müssen die Ermittlungen klären. Für den festgenommenen Mann gilt die Unschuldsvermutung.
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