Der Schmerz um Diego Maradona ist in Argentinien bis heute nicht verklungen. Fast sechs Jahre nach dem Tod der Fußballikone hat am Dienstag der neue Prozess um die Umstände seines Sterbens begonnen. Es ist ein Verfahren, das für viele weit mehr ist als nur ein juristischer Fall – es geht um die letzten Tage eines Mannes, der für Millionen Menschen weit über den Fußball hinaus ein Symbol war.
Bereits im vergangenen Jahr hatte ein erster Prozess begonnen, war jedoch nach kurzer Zeit geplatzt. Einer der drei Richter trat zurück, nachdem ihm vorgeworfen worden war, unerlaubte Filmaufnahmen für eine Dokumentation zugelassen zu haben. Nun startet die juristische Aufarbeitung erneut.
Sieben Mitglieder aus Maradonas medizinischem Umfeld müssen sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, die schwere gesundheitliche Lage des ehemaligen Weltstars erkannt, aber nicht angemessen gehandelt zu haben. Die Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen mehrjährige Haftstrafen.
Maradona war am 25. November 2020 im Alter von 60 Jahren in seinem Haus in Tigre in der Provinz Buenos Aires gestorben. Er befand sich dort nach einer Operation, bei der ihm ein Blutgerinnsel im Gehirn entfernt worden war, in häuslicher Pflege. Die vorläufige Obduktion ergab, dass ein Herzversagen zu einem akuten Lungenödem führte – Flüssigkeit in der Lunge, die schließlich tödlich wurde.
Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass die medizinische Betreuung in seinem Zuhause unzureichend gewesen sei. Ein von der Staatsanwaltschaft eingesetztes Expertengremium sprach später sogar von einer „mangelhaften und leichtfertigen“ Behandlung. Nach Einschätzung der Mediziner hätte Maradona mit einer angemessenen Versorgung in einer geeigneten Klinik deutlich bessere Überlebenschancen gehabt.
Zu den Angeklagten zählen unter anderem sein damaliger Leibarzt sowie seine Psychiaterin. Eine frühere Krankenpflegerin wird in einem separaten Verfahren verhandelt. Insgesamt sollen rund 100 Zeuginnen und Zeugen vor Gericht aussagen, darunter auch Maradonas Töchter. Der Prozess soll voraussichtlich bis Juli dauern.
Für Argentinien ist das Verfahren ein emotionales Kapitel. Denn Diego Maradona war nie nur ein großer Fußballer. Er war ein Mythos, ein Idol, eine Projektionsfläche für Hoffnung, Stolz, Widerspruch und Leidenschaft. Sein Tod erschütterte das Land tief. Damals rief die argentinische Regierung eine dreitägige Staatstrauer aus. Der damalige Präsident verabschiedete ihn mit Worten, die bis heute nachhallen: Man werde ihn ein Leben lang vermissen.
Maradona begann seine Karriere bei Argentinos Juniors und wurde später zu einem der größten Spieler der Fußballgeschichte. Für Argentinien lief er bei vier Weltmeisterschaften auf, erzielte 34 Länderspieltore und schrieb 1986 mit dem WM-Titel Geschichte. Unvergessen bleibt neben seinem überragenden Talent auch das legendäre und zugleich umstrittene „Hand Gottes“-Tor gegen England.
Doch Maradonas Leben war nie nur Glanz. Neben seinen sportlichen Triumphen begleiteten ihn auch persönliche Abstürze, gesundheitliche Krisen und jahrelange Suchtprobleme. Gerade deshalb berührte sein Schicksal viele Menschen so tief – weil es immer auch die Geschichte eines gefeierten Genies war, das zugleich an seinen Dämonen trug.
Nach seinem Karriereende 1997 blieb er dem Fußball erhalten, trainierte später die argentinische Nationalmannschaft und arbeitete in den Jahren danach unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Mexiko und zuletzt bei Gimnasia y Esgrima La Plata.
Nun blickt Argentinien erneut auf ein Verfahren, das viele alte Wunden aufreißt. Für Maradonas Familie, für seine Wegbegleiter und für Millionen Fans geht es dabei um eine schmerzhafte Frage: Hätte Diego Maradona gerettet werden können?
Der Prozess soll darauf Antworten geben. Doch unabhängig vom Ausgang bleibt eines gewiss: Die Lücke, die Maradona hinterlassen hat, ist bis heute nicht geschlossen.
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