Die Welt des Jazz hat eine ihrer größten und prägendsten Stimmen verloren. Sonny Rollins, der als „Saxophone Colossus“ Musikgeschichte schrieb und Generationen von Musikern beeinflusste, ist im Alter von 95 Jahren gestorben.
Wie sein Sprecher mitteilte, starb Rollins am Montag in seinem Zuhause in Woodstock im US-Bundesstaat New York. Mit ihm verliert die Musikwelt nicht nur einen außergewöhnlichen Saxofonisten, sondern einen Künstler, der den modernen Jazz über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt hat.
Sonny Rollins gehörte zu den ganz Großen seiner Zeit. Bereits ab den späten 1940er-Jahren spielte er mit Legenden wie:
- Miles Davis
- Charlie Parker
- John Coltrane
- Thelonious Monk
und entwickelte dabei seinen ganz eigenen unverwechselbaren Stil.
Mit über 60 veröffentlichten Alben als Bandleader hinterlässt Rollins ein musikalisches Lebenswerk von unschätzbarem Wert. Sein Album „Saxophone Colossus“ aus dem Jahr 1956 gilt bis heute als eines der bedeutendsten Jazzalben überhaupt.
Berühmt wurde Rollins nicht nur für seinen warmen, kraftvollen Saxofonklang, sondern vor allem für seine legendären Improvisationen. Seine oft minutenlangen Soli wirkten nie geplant oder konstruiert — sondern frei, lebendig und voller Emotionen.
„Manchmal überraschte mich selbst, was dabei herauskam“, sagte Rollins einmal über seine Musik.
Geboren wurde er 1930 in New York als Walter Theodore Rollins. Seine Großmutter gab ihm den Spitznamen „Sonny“, unter dem er später weltberühmt werden sollte. Schon als Kind entdeckte er seine Liebe zum Saxofon.
„Als ich mein erstes Saxofon bekam und anfing zu spielen, war das wie der siebte Himmel“, erinnerte er sich später.
Legendär wurde auch seine Zeit auf der Williamsburg Bridge in New York. Dort zog sich Rollins Anfang der 1960er-Jahre stundenlang zurück, um fernab des Rampenlichts zu üben und musikalisch zu sich selbst zu finden. Aus dieser Phase entstand später eines seiner berühmtesten Werke:
„The Bridge“.
Auch persönlich hinterließ Rollins tiefe Eindrücke. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 floh er gemeinsam mit seiner Frau aus Manhattan — mit nichts außer seinem geliebten Saxofon.
Später sagte er:
„Ich habe durch 9/11 viele Dinge verloren und gelernt, dass Besitz nicht das Wichtigste im Leben ist.“
Für sein Lebenswerk erhielt Sonny Rollins zahlreiche Ehrungen, darunter mehrere Grammy Awards sowie 2011 die National Medal of Arts aus den Händen von US-Präsident Barack Obama.
Doch trotz aller Auszeichnungen blieb Rollins immer vor allem eines:
ein Musiker aus Leidenschaft.
Seine Musik war nie nur Technik oder Perfektion. Sie war Freiheit, Spiritualität und Ausdruck eines tiefen inneren Lebensgefühls.
Passend dazu bleibt eines seiner letzten bekannten Zitate besonders bewegend:
„Ich glaube nicht, dass dieses Leben das Ende von allem ist.“
Mit Sonny Rollins verliert die Welt einen der letzten großen Titanen des Jazz.
Sein Klang aber wird bleiben — zeitlos, kraftvoll und voller Seele.
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