Für mehr als 1.900 Passagiere einer LGBTQ+-Kreuzfahrt wurde aus einer Traumreise durch das östliche Mittelmeer eine unerwartete politische Botschaft. Nachdem die „Scarlet Lady“ bereits in der Türkei keine Anlegegenehmigung erhalten hatte, verweigerte nun auch Ägypten dem Schiff kurzfristig die Einfahrt in seine Hoheitsgewässer. Die Reederei musste ihre Route erneut ändern und stattdessen die griechische Insel Kreta anlaufen.
Veranstalter der Reise ist das auf LGBTQ+-Urlaube spezialisierte US-Unternehmen Atlantis Events. Dessen Geschäftsführer Rich Campbell zeigte sich über die Entscheidung fassungslos. Noch im Vorjahr sei dieselbe Route problemlos möglich gewesen, sämtliche Genehmigungen hätten zunächst vorgelegen. Die ägyptischen Behörden hätten ihre Zustimmung jedoch in letzter Minute zurückgezogen.
Bereits wenige Tage zuvor hatte die Türkei dem Schiff das Anlegen in gleich zwei Häfen untersagt. Offiziell begründeten die Behörden ihre Entscheidung damit, dass das Schiff von Gruppen gechartert worden sei, deren Verhalten nicht mit den „moralischen Werten“ und der gesellschaftlichen Ordnung des Landes vereinbar sei.
Unter den rund 1.900 Reisenden befinden sich etwa 1.100 Gäste aus den USA sowie Urlauber aus Großbritannien, Kanada, Australien und weiteren Ländern. Viele hatten sich auf Ausflüge zu den Pyramiden von Gizeh oder historische Sehenswürdigkeiten in der Türkei gefreut. Sämtliche Landgänge mussten kurzfristig abgesagt werden.
Für zahlreiche Passagiere geht der Vorfall jedoch weit über eine geplatzte Urlaubsplanung hinaus. Der US-Amerikaner Greg Morley, der seit Jahrzehnten an LGBTQ+-Kreuzfahrten teilnimmt, sieht in den Entscheidungen ein deutliches Signal für die zunehmenden Einschränkungen von LGBTQ+-Rechten in verschiedenen Teilen der Welt. Statt Frust habe sich an Bord deshalb vor allem ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl entwickelt.
Menschenrechtsorganisationen beobachten die Entwicklung seit Jahren mit Sorge. In der Türkei werden Pride-Paraden seit 2015 regelmäßig verboten, während in Ägypten sogenannte Moralgesetze immer wieder zur Strafverfolgung homosexueller Menschen eingesetzt werden. Aktivisten berichten von Festnahmen, Schikanen und Einschüchterungen.
Auch wirtschaftlich bleiben die Entscheidungen nicht ohne Folgen. Tourveranstalter, Restaurants, Taxifahrer und Einzelhändler in den betroffenen Häfen verlieren tausende potenzielle Kunden. Vertreter der internationalen LGBTQ+-Tourismusbranche sprechen deshalb von einem deutlichen Signal, dass Diskriminierung nicht nur Reisende trifft, sondern auch den lokalen Tourismus und die Wirtschaft belastet.
Trotz der Rückschläge überwiegt bei vielen Gästen an Bord der Zusammenhalt. Für sie wurde die unfreiwillige Routenänderung zu einem Symbol dafür, dass Solidarität innerhalb der LGBTQ+-Community Grenzen überwinden kann – selbst wenn manche Länder ihre Häfen verschlossen halten.
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