Während Dating-Apps mit Wischen nach links und rechts um Aufmerksamkeit kämpfen, setzt man in Südkorea inzwischen auf eine deutlich ältere Technologie: buddhistische Mönche.
Denn das Land kämpft mit einem Problem, das sich nicht mit einem Software-Update lösen lässt. Die Geburtenrate gehört zu den niedrigsten der Welt, junge Menschen heiraten immer seltener – und viele finden schlicht keinen Partner. Also griffen die Mönche des mehr als 1.200 Jahre alten Donghwasa-Tempels zu einer ungewöhnlichen Idee: Sie veranstalten Dating-Retreats.
24 Singles, ausgewählt aus rund 1.600 Bewerbern, verbringen 30 Stunden gemeinsam im Tempel. Statt Schweigegelübde gibt es Kennenlernspiele, Spaziergänge, Speed-Dating, gemeinsames Essen – und sogar eine Talentshow. Zwischen Gitarrenmusik, K-Pop-Tanzeinlagen und selbst gebackenen Croissants soll der Funke überspringen. Ganz ohne Dating-App, dafür mit reichlich Nervosität.
Der Hintergrund ist ernst. Südkorea kämpft seit Jahren gegen den dramatischen Geburtenrückgang. Trotz milliardenschwerer staatlicher Programme sinken die Zahlen, weil viele junge Menschen kaum noch Gelegenheiten haben, neue Partner kennenzulernen. Arbeit, hohe Lebenshaltungskosten und gesellschaftlicher Druck lassen für Romantik oft wenig Raum.
Für die Gastgeber ist das Dating-Wochenende weit mehr als Freizeitgestaltung. Sie verstehen die Partnersuche als gesellschaftlichen Beitrag. Einer der Mönche bringt es auf den Punkt: Früher hätten Buddhisten das Land gegen äußere Feinde verteidigt – heute gehe es darum, der demografischen Krise entgegenzutreten.
Dabei dürfen nicht nur Buddhisten teilnehmen. Entscheidend ist vielmehr der ernsthafte Wunsch nach einer langfristigen Beziehung und einer Familie.
Nicht jeder verlässt den Tempel Hand in Hand. Doch acht Paare finden tatsächlich zueinander. Andere nehmen zumindest neue Freundschaften, mehr Selbstvertrauen und die Erkenntnis mit, dass das reale Leben manchmal spannender sein kann als jede Dating-App.
Ob aus den Tempel-Romanzen tatsächlich Ehen und Kinder entstehen, wird die Zukunft zeigen. Fest steht aber schon jetzt: Während viele Länder über Geburtenförderung diskutieren, setzen Südkoreas Mönche auf das älteste Erfolgsmodell der Menschheit – Menschen einfach wieder miteinander ins Gespräch zu bringen. Manchmal braucht es eben keinen Algorithmus, sondern nur einen Tempel, etwas Mut und vielleicht den richtigen Menschen am Nachbartisch.
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