Als Bayer-04-Fan hat man in den vergangenen Jahren gelernt, auf zwei Dinge zu vertrauen: auf Simon Rolfes – und darauf, dass man spätestens nach der Transfermeldung erst einmal Google bemühen muss.
Jetzt also Afonso Moreira. 21 Jahre jung, Portugiese, Flügelspieler, zuletzt bei Olympique Lyon. Preisetikett: rund 30 Millionen Euro. Vertrag bis 2031. Und vor allem: der absolute Wunschspieler des neuen Trainers Carles Martínez.
Wenn ein neuer Coach gleich zu Beginn einen Wunsch frei hat und der Verein ihn erfüllt, dann ist das entweder ein sehr gutes Zeichen – oder es wird später in einer Doku mit den Worten beginnen: „Damals waren alle begeistert…“
Vom Zwei-Millionen-Spieler zum 30-Millionen-Mann
Die Zahlen lesen sich jedenfalls beeindruckend. Vor einem Jahr wechselte Moreira für rund zwei Millionen Euro von Sporting Lissabons zweiter Mannschaft nach Lyon. Jetzt soll Bayer das Fünfzehnfache bezahlen.
Entweder haben die Scouts von Lyon das Geschäft ihres Lebens gemacht – oder Bayer glaubt, dass hier der nächste große Coup wartet.
Acht Tore und elf Vorlagen in 37 Pflichtspielen sind jedenfalls keine schlechten Argumente. Dazu Tempo, Eins-gegen-Eins-Stärke und die Fähigkeit, Verteidiger aussehen zu lassen, als hätten sie gerade ihre Parkuhr verlängert.
Martínez bekommt seinen Wunsch erfüllt
Besonders interessant ist die Personalie, weil sie viel über den neuen Trainer verrät. Offenbar wollte Martínez genau diesen Spieler. Nicht irgendeinen Flügelspieler, sondern genau Moreira.
Das erinnert ein wenig an die Alonso-Zeit. Auch damals hatte man das Gefühl, dass Transfers nicht einfach nach Tabellenkalkulation, sondern nach einer klaren Idee erfolgten.
Wenn Martínez Moreira tatsächlich so gut kennt, wie berichtet wird, dann kauft Bayer nicht nur Talent, sondern einen Spieler, der in ein konkretes System passen soll.
Bayer bleibt Bayer
Bemerkenswert ist einmal mehr die Transferstrategie.
Während andere Vereine darüber diskutieren, ob sie einen 31-Jährigen mit vier Kreuzbandrissen verpflichten sollen, investiert Bayer lieber in junge Spieler mit Entwicklungspotenzial.
Moreira ist 21.
Kennet Eichhorn ist 16.
Man könnte fast meinen, die Werkself baut bereits am Kader für 2030.
Die Bewertung aus Fan-Sicht
Natürlich sind 30 Millionen Euro kein Taschengeld. Für einen Spieler, der bislang nur eine starke Saison auf höchstem Niveau vorweisen kann, ist das eine ordentliche Wette.
Aber genau diese Wetten haben Bayer in den vergangenen Jahren oft stark gemacht.
Florian Wirtz war einmal ein Talent.
Jeremie Frimpong war einmal ein Talent.
Piero Hincapié war einmal ein Talent.
Irgendwann muss man den Scouts einfach zugestehen, dass sie möglicherweise mehr Ahnung haben als die Kommentarspalte bei Instagram.
Fazit
Als Bayer-Fan darf man vorsichtig optimistisch sein.
Moreira bringt Tempo, Kreativität und Entwicklungspotenzial mit. Vor allem aber wirkt der Transfer wie Teil eines Plans und nicht wie ein hektischer Last-Minute-Einkauf.
Ob er tatsächlich der nächste große Leverkusener Treffer wird, weiß heute niemand.
Aber wenn der neue Trainer ihn unbedingt wollte und Simon Rolfes bereit war, dafür 30 Millionen Euro auf den Tisch zu legen, dann gibt es deutlich schlechtere Gründe für Vorfreude.
Und Hand aufs Herz: Nach den vergangenen Jahren ist man in Leverkusen fast schon enttäuscht, wenn ein Neuzugang nicht spätestens nach sechs Monaten mit Real Madrid, Manchester City oder Paris Saint-Germain in Verbindung gebracht wird.
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