Man muss kein RB-Leipzig-Fan sein, um bei der Entlassung von Ole Werner verwundert die Augen zu reiben. Man muss eigentlich nur auf die Tabelle schauen.
Dritter Platz. Champions-League-Qualifikation erreicht. Nach einem großen Umbruch die Mannschaft stabilisiert. Und trotzdem ist der Trainer weg.
Natürlich kann jeder Verein seinen Trainer entlassen. Das ist im Profifußball inzwischen ungefähr so normal wie ein VAR-Eingriff in der 94. Minute. Aber die Art und Weise hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Und das gilt nicht nur für RB Leipzig, sondern auch für Jürgen Klopp.
Klopp und die Sache mit der Geduld
Es gibt vermutlich keinen deutschen Trainer der vergangenen Jahrzehnte, der häufiger und überzeugender über Geduld gesprochen hat als Jürgen Klopp.
In Mainz brauchte er Zeit.
In Dortmund brauchte er Zeit.
In Liverpool brauchte er Zeit.
Klopp war immer der Mann, der erklärte, dass Entwicklung nicht auf Knopfdruck funktioniert. Dass Mannschaften wachsen müssen. Dass Rückschläge dazugehören.
Umso erstaunlicher wirkt nun das Bild, das sich bei RB Leipzig ergibt.
Ole Werner bekommt eine Saison. Eine einzige.
Er erreicht das erklärte Ziel Champions League. Und trotzdem wird die Zusammenarbeit beendet.
Da darf man durchaus die Frage stellen, wie viel von den früheren Klopp-Grundsätzen im Red-Bull-Kosmos noch übrig geblieben ist.
Das Damoklesschwert trägt jetzt Klopp selbst
Besonders unglücklich wirkt dabei Klopps eigene Kommunikation.
Vor nicht allzu langer Zeit erklärte er noch, er sei nicht das „Damoklesschwert“ über den Trainern des Red-Bull-Netzwerks.
Die Realität sieht mittlerweile etwas anders aus.
Neun Trainerwechsel seit seinem Amtsantritt als globaler Fußballchef sprechen eine deutliche Sprache. Allein in Leipzig mussten innerhalb kurzer Zeit zwei Trainer gehen.
Natürlich trifft Klopp nicht jede Entscheidung allein. Das behauptet niemand. Aber ebenso wenig kann man glaubhaft vermitteln, dass er damit nichts zu tun habe.
Wer globaler Fußballchef eines milliardenschweren Netzwerks ist, kann nicht gleichzeitig oberster Entscheider und unbeteiligter Zuschauer sein.
Marcel Schäfer zwischen allen Fronten
Auch Sportdirektor Marcel Schäfer wirkt in dieser Geschichte nicht unbedingt wie ein Gewinner.
Monatelang war zu hören, dass Werner intern durchaus Rückhalt genoss. Nun wird plötzlich von einer notwendigen „inhaltlichen Weiterentwicklung“ gesprochen.
Das klingt ein wenig wie die klassische Fußball-Übersetzung für: Irgendjemand war mit irgendjemandem nicht mehr glücklich.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass sportliche Argumente allein nicht ausschlaggebend waren.
Jetzt beginnt die gefährliche Phase
Das eigentliche Problem beginnt aber erst jetzt.
Denn der Nachfolger wird nicht mehr an den Problemen der Vorsaison gemessen.
Er wird an Ole Werner gemessen.
Werner hat Platz drei erreicht.
Werner hat die Champions League erreicht.
Werner hat dies nach dem Verlust wichtiger Leistungsträger geschafft.
Das bedeutet automatisch: Jeder Nachfolger muss mindestens liefern.
Falls Demichelis übernimmt oder ein anderer Kandidat kommt und RB im Herbst nur auf Rang sieben oder acht steht, wird die Trainerdiskussion sofort wieder beginnen.
Dann wird jeder fragen, warum man eigentlich einen Trainer entlassen hat, der sein Ziel erreicht hatte.
Das Image hat gelitten
Der größte Schaden ist womöglich gar nicht sportlicher Natur.
RB Leipzig wollte nach den turbulenten Jahren wieder Ruhe ausstrahlen. Stattdessen wirkt der Klub erneut wie ein Verein, in dem ständig neue Machtzentren entstehen und sportliche Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar erscheinen.
Und auch Jürgen Klopp hat in dieser Affäre Kratzer bekommen.
Der Mann, der einst für Glaubwürdigkeit, Entwicklung und Loyalität stand, wirkt plötzlich wie ein Funktionär, der Trainerwechsel erklärt, die er früher vermutlich selbst scharf kritisiert hätte.
Die Hoffnung der RB-Fans
Für die Fans bleibt eigentlich nur ein Wunsch:
Dass die neue Saison endlich wieder vom Fußball bestimmt wird.
Von Toren.
Von Siegen.
Von Champions-League-Abenden.
Und nicht von der nächsten Trainerdebatte.
Denn eines steht fest: Sollte der Nachfolger scheitern, wird die Frage nach Ole Werner nicht verschwinden.
Dann wird sie erst richtig laut werden.
RB Leipzig und die Kunst, sich selbst ins Knie zu kommunizieren- Man muss RB Leipzig eines lassen: Langweilig wird es dort nie.
Vor wenigen Wochen hieß es noch, Jürgen Klopp sei keineswegs das berühmte Damoklesschwert über den Trainern des Red-Bull-Kosmos. Er sei Berater, Impulsgeber, Ideengeber. Quasi der freundliche Fußball-Onkel, der ab und zu vorbeischaut, einen Kaffee trinkt und gute Laune verbreitet.
Dann führte Ole Werner RB Leipzig in die Champions League.
Und wurde entlassen.
Das muss man auch erst einmal schaffen.
Normalerweise verlieren Trainer ihren Job, wenn sie Tabellen-15. werden, drei Monate keinen Sieg holen oder aus Versehen den Vereinsbus rückwärts in die Geschäftsstelle setzen. In Leipzig reicht inzwischen offenbar die Qualifikation für die Königsklasse, um über die Zukunft nachdenken zu dürfen.
Natürlich darf ein Verein entscheiden, welchen Fußball er spielen möchte. Natürlich darf ein Verein auch sagen: Danke für Platz drei, aber wir haben andere Vorstellungen.
Dann sollte man das allerdings auch erklären.
Stattdessen wirkte die Kommunikation ungefähr so geordnet wie ein Kindergeburtstag nach drei Litern Cola. Hier ein Gerücht, dort eine Indiskretion, da ein Machtkampf, dort eine Analyse. Und mittendrin Jürgen Klopp aus den USA, der sinngemäß erklärt: Ole hat einen super Job gemacht. Deshalb haben wir uns getrennt.
Das muss diese neue Fußballlogik sein.
Besonders bemerkenswert ist die Außendarstellung. Früher setzte sich Klopp hin und erklärte Fußballfans stundenlang die Welt. Heute scheint seine Kommunikationsstrategie zu lauten: „Alles Weitere kommt aus Leipzig.“
Ausgerechnet Klopp.
Der Mann, der früher selbst bei der Frage nach dem Wetter noch eine zehnminütige Pressekonferenz halten konnte.
Das Ergebnis: Niemand weiß so genau, warum Werner eigentlich gehen musste. Aber jeder diskutiert darüber.
Und das ist vielleicht die eigentliche Meisterleistung von RB Leipzig. Aus einer erfolgreichen Saison eine Trainerdebatte zu machen, aus einer Champions-League-Qualifikation eine Vertrauenskrise und aus einer Personalentscheidung eine PR-Katastrophe.
Falls das Ziel war, Ruhe in den Verein zu bringen, darf man feststellen: Mission grandios gescheitert.
Jetzt beginnt die nächste Runde. Wer auch immer auf Werner folgt, wird nicht nur an Tabellenplätzen gemessen werden, sondern auch an der Frage, warum sein Vorgänger trotz Erfolg gehen musste.
Und Jürgen Klopp? Der wollte eigentlich nicht das Damoklesschwert sein.
Mittlerweile hat man eher den Eindruck, er sitzt mit dem Schwert in der Hand auf dem Fahrersitz – während alle anderen versuchen herauszufinden, wohin die Reise eigentlich geht.
Diese Kumpaneien einfach nur ätzend! Einem jungen erfolgreichen Trainer wird nach Daumen senken der Nachweis seines fachlichen Könnens verwehrt! Stattdessen werden Kumpels vom Padeltennis aller Wahrscheinlichkeit in Leipzig installiert. Wenn das schief geht wer wird dann Nachfolger? Welcher Kloppkumpel ist dann an der Reihe um sich mal auszuprobieren?
Wir hatten ja schon mal das Experiment mit Kloppkumpel Zsolt Löw nach Marcos unwürdigen Rausschmiss! Nichts gegen die Person Löw, aber das war mehr wie ein krachendes Scheitern!
Klopp soll sich auf sein Kerngeschäft flapsige Sprüche in der Werbung konzentrieren oder als sogenannter Experte mit irgendwelchen Phrasen die Halbzeitpause ausfüllen. Herr Klopp, Ole zu entlassen war gelinde „bekloppt“!