Man reibt sich verwundert die Augen:
Die SPD hat entdeckt, dass über 90 gesetzliche Krankenkassen in Deutschland womöglich ein bisschen viel sind.
Wirklich?
Wie oft haben wir das eigentlich schon gefordert?
Gefühlt seit Helmut Kohl noch ohne Erinnerungsbuch unterwegs war.
Nun also, pünktlich zum nächsten Milliardendefizit in der gesetzlichen Krankenversicherung, wird in Berlin wieder das ganz große Reformrad aus dem Keller geholt – geschniegelt, geschniegelt, geschniegelt… und dann erstmal vorsichtig angeschoben.
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, sagt nun allen Ernstes:
„Wir benötigen keine 93 gesetzlichen Krankenkassen.“
Herzlichen Glückwunsch zu dieser revolutionären Erkenntnis.
Man könnte fast meinen, jemand habe in der SPD versehentlich einen Taschenrechner gefunden.
Weniger Kassen bedeuteten weniger Doppelstrukturen, mehr Effizienz und schlankere Verwaltung, heißt es jetzt.
Ach was?
Also genau das, was Kritiker seit Jahren predigen, während sich die Kassenlandschaft in Deutschland wie ein schlecht sortierter Versicherungsflohmarkt präsentiert.
Natürlich kommt dann gleich wieder das große Aber hinterher:
Die finanziellen Probleme löst das allein natürlich nicht.
Ja, das stimmt. Aber es wäre zumindest mal ein Anfang – und nicht immer nur die übliche politische Disziplin:
Probleme erkennen, Arbeitskreis gründen, Bericht ankündigen, Legislatur beenden.
Besonders hübsch wird es, wenn Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erklärt, das sei eine „strukturelle Frage“, die man nicht kurzfristig klären könne.
Klar.
Schließlich reden wir ja auch erst seit ungefähr drölf Jahrzehnten darüber.
Die Wahrheit ist doch:
Deutschland leistet sich bei den Krankenkassen seit Jahren ein System, bei dem man sich fragt, ob es wirklich 93 verschiedene Wege braucht, Beiträge einzusammeln, Broschüren zu drucken und Bonusprogramme für Zahnbürsten zu erfinden.
Und jetzt, wo das Geld hinten und vorne fehlt, dämmert es plötzlich auch den politischen Spätstartern:
Vielleicht wäre weniger tatsächlich mehr.
Unser Fazit:
Die SPD fordert mal wieder etwas, das längst überfällig ist – und das andere schon gefordert haben, als man in Berlin noch glaubte, mehr Kassen bedeuteten automatisch mehr Wettbewerb.
Tatsächlich bedeutete es vor allem mehr Verwaltung, mehr Funktionäre, mehr Papier und mehr Kosten.
Aber hey – besser spät als nie.
Wobei:
In Berlin ist „spät“ bekanntlich oft nur die höfliche Vorstufe von „gar nicht“.
Kommentar hinterlassen