SpaceX will an die Börse – und natürlich nicht irgendwie klein und bescheiden. Nein, Elon Musks Raumfahrtfirma peilt laut Berichten direkt eine Bewertung von rund zwei Billionen Dollar an. Dazu sollen etwa 75 Milliarden Dollar eingesammelt werden. Das wäre der größte Börsengang der Finanzgeschichte. Und genau das sollte Anleger vielleicht eher nervös als euphorisch machen.
Denn die Geschichte der Mega-IPOs klingt deutlich weniger glamourös als viele glauben.
Die große IPO-Euphorie endet oft ziemlich ernüchternd
Ein Blick auf die größten Börsengänge der vergangenen Jahrzehnte zeigt ein erstaunlich einheitliches Muster:
- Saudi Aramco
- Alibaba
- NTT DoCoMo
- Enel
Alle galten als gigantische Zukunftsmaschinen. Alle wurden mit maximalem Hype an die Börse gebracht. Und fast alle enttäuschten langfristig ihre Anleger deutlich.
Nur Visa entwickelte sich wirklich zu einem Börsenmonster im positiven Sinne. Der Rest blieb hinter den Erwartungen zurück oder performte schwächer als der Gesamtmarkt.
Viel Fantasie, wenig Platz für Fehler
Das eigentliche Problem großer Börsengänge ist laut Analysten oft nicht das Unternehmen selbst. Viele dieser Firmen sind hervorragend aufgestellt. Das Problem ist vielmehr die Bewertung.
Denn wenn ein Unternehmen bereits beim Börsenstart mit astronomischen Erwartungen bewertet wird, bleibt kaum noch Luft nach oben.
Oder anders gesagt:
Wenn Anleger schon heute den Erfolg der nächsten zehn Jahre einpreisen, wird selbst gutes Wachstum plötzlich „zu wenig“.
Zwei Billionen Dollar für SpaceX?
Besonders spannend wird das bei SpaceX.
Eine Bewertung von zwei Billionen Dollar würde das Unternehmen auf Augenhöhe mit Saudi Aramco katapultieren – obwohl SpaceX bislang nur einen Bruchteil der Umsätze des Ölriesen erzielt.
Natürlich argumentieren Fans:
- Raketen!
- Satelliten!
- Mars!
- Elon Musk!
Und ja: SpaceX ist technologisch ohne Zweifel außergewöhnlich.
Aber genau solche Geschichten sorgen an der Börse oft dafür, dass Euphorie irgendwann wichtiger wird als nüchterne Zahlen.
Die Börse liebt Träume – bis sie Rechnungen sehen will
Viele Anleger dürften sich trotzdem auf den IPO stürzen wie Kinder auf eine neue Spielekonsole. Schließlich verkauft SpaceX nicht einfach Aktien, sondern Zukunftsvisionen.
Das Problem:
Die Börse ist irgendwann ziemlich unromantisch.
Spätestens wenn Wachstum langsamer wird, Gewinne fehlen oder politische Risiken auftauchen, wird aus „Die Zukunft des Universums“ schnell:
„Warum fällt die Aktie schon wieder zwölf Prozent?“
Historisch betrachtet wäre Geduld vielleicht klüger
Finanzexperten verweisen deshalb auf ein Muster:
Gerade die größten Börsengänge der Geschichte liefen nach ihrem Debüt oft zunächst schwach.
Nicht weil die Unternehmen schlecht waren – sondern weil die Bewertungen zu perfekt wirkten.
Oder wie es an der Wall Street heißt:
Der größte Hype markiert häufig auch den teuersten Einstiegspunkt.
Fazit
SpaceX könnte tatsächlich die Zukunft der Raumfahrt prägen. Möglich ist auch, dass der Börsengang ein gigantischer Erfolg wird.
Aber die Geschichte großer IPOs zeigt:
Wenn Anleger glauben, etwas könne „gar nicht schiefgehen“, wird es an der Börse oft erst richtig gefährlich.
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