Bei RB Leipzig wird es bekanntlich nie langweilig. Kaum ist die eine Personalie halbwegs verdaut, taucht schon die nächste auf, irgendwo singt ein Innenverteidiger Rap, ein Trainer erzählt von Drohnen in Büschen, und am Ende zerstören ausgerechnet jene Fans die Stadiontoiletten, die eigentlich aus Protest nicht einmal eine Bratwurst kaufen wollten. Willkommen im ganz normalen Leipziger Fußballkosmos.
Die prominenteste Nachricht der Woche kommt von einem alten Bekannten: Marco Rose, einst Trainer bei RB Leipzig, zieht es auf die Insel. Der 49-Jährige übernimmt zur kommenden Saison den AFC Bournemouth in der Premier League. Ablöse? Fehlanzeige. Roses Vertrag in Leipzig läuft ohnehin Ende Juni aus, die Engländer bekommen den früheren RB- und BVB-Coach also zum sportlichen Schnäppchenpreis. An der Südküste Englands soll er nun langfristig die „Cherries“ formen. Für Rose ist es der nächste interessante Karriereschritt, für RB vor allem ein weiterer Beleg dafür, dass ehemalige Leipziger Trainer ziemlich zuverlässig im oberen Fußballregal landen.
In Leipzig selbst richtet sich der Blick derweil auf das schwere Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt. Trainer Ole Werner spricht vor dem Gastspiel im „Hexenkessel“ von einem „richtig dicken Brett“ – und das ist diesmal nicht bloß Trainerlyrik. Besonders spannend bleibt die Frage, wer in der Innenverteidigung aufläuft. Willi Orban und Castello Lukeba konnten zuletzt nur eingeschränkt trainieren, beide tasteten sich aber zumindest wieder heran. Die Hoffnung lebt also, dass das Leipziger Standard-Duo rechtzeitig fit wird. Sicher fehlen wird hingegen Xaver Schlager, der gesperrt ist. Dafür könnte Assan Ouedraogo in die Startelf rücken.
Ole Werner selbst sorgt unterdessen nicht nur mit Personalfragen für Unterhaltung, sondern auch mit einem bemerkenswerten Einblick in das Berufsbild Bundesliga-Trainer. Beim LVZ-Talk verriet er, dass man Gegner nach Trainerwechseln durchaus schon mal etwas kreativer beobachtet habe – inklusive Leuten, die „sich in die Büsche geschlagen“ oder eine Drohne aufsteigen lassen hätten. Fußballromantik 2026 heißt offenbar: Taktikanalyse zwischen Gebüsch und Fluggerät. Ganz nebenbei sprach Werner in der LVZ-Kuppel auch über Führungsstil, hohe Gehälter, Umbrüche und die neue Union-Trainerin Marie-Louise Eta, die er aus Bremer Zeiten kennt und schätzt.
Auch abseits des Rasens blieb RB in Bewegung. Castello Lukeba, ohnehin schon als Kabinen-DJ bekannt, hat nun den nächsten Schritt gemacht und gemeinsam mit einem französischen Rapper einen Song veröffentlicht. Der Titel: „Prends pas la tête“, auf Deutsch etwa: „Mach dir keinen Kopf“. Ein hübscher Rat, den man bei RB in diesen Wochen an mehreren Stellen gebrauchen könnte – zum Beispiel bei der Verletztenliste. Ezechiel Banzuzi fällt mit einer Knieverletzung vorerst aus, Lukeba kämpfte zuletzt mit Adduktorenproblemen, und bei anderen Spielern wird ebenfalls fleißig dosiert, aufgebaut und individuell gearbeitet.
Bei den RB-Frauen gibt es derweil Bewegung mit Perspektive. Nach dem Abschied von Ex-Kapitänin Victoria Krug präsentierte der Klub mit Alieke Tuin einen interessanten Neuzugang. Die 25-Jährige kommt vom niederländischen Meister FC Twente, bringt Titel, Champions-League-Erfahrung und einen starken linken Fuß mit. Es ist einer dieser Transfers, die in Leipzig gern mit dem Etikett „Entwicklungspotenzial“ versehen werden – und diesmal klingt das durchaus plausibel.
Erfreuliche Nachrichten gab es auch aus der Red Bull Arena, zumindest teilweise. Beim 1:0-Heimsieg gegen Mönchengladbach kamen durch die Becherpfand-Aktion über 15.000 Euro für den guten Zweck zusammen. Unterstützt wird damit ein Leipziger Verein, der schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen hilft, unter anderem mit Schul-Avataren, durch die sie trotz Krankheit am Unterricht teilnehmen können. Es sind solche Geschichten, die zeigen, dass Fußball auch mehr sein kann als Transfers, Taktik und Tabellenrechnen.
Und dann war da noch der eher unerquicklichere Teil des Gladbach-Spiels. Einige Borussia-Fans, die ihren Protest gegen das „Konstrukt RB“ zuvor so leidenschaftlich formuliert hatten, dass sie im Stadion bitte weder Bier noch Bratwurst kaufen wollten, hinterließen stattdessen vor allem zerstörte Toiletten-Container, beschädigte Sanitäranlagen und rund 6000 Aufkleber. Der Sachschaden: etwa 5000 Euro. Man könnte sagen: Der Protest gegen den Kommerz blieb kulinarisch folgenlos, entwickelte aber eine bemerkenswerte Nähe zur Sanitärkrise.
Sportlich läuft es für RB indes ordentlich. Der wichtige Sieg gegen Gladbach und zuvor der Erfolg in Bremen haben die Leipziger im Rennen um die Champions League klar in Stellung gebracht. Nicht alles glänzt, manches bleibt mühsam, manches wirkt komplizierter als nötig – aber derzeit punktet die Mannschaft. Und in einer Saisonphase, in der am Ende ohnehin oft nur das Ergebnis zählt, ist das für Leipzig vielleicht die wichtigste Nachricht.
So bleibt das übliche RB-Bild: Ein Klub zwischen Ambition und Unruhe, zwischen cleveren Transfers, verletzten Innenverteidigern, singenden Abwehrspielern und Ex-Trainern auf dem Sprung nach England. Kurz gesagt: In Leipzig ist wieder einmal genug los für drei Vereine. Mindestens.
Kommentar hinterlassen