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Wie weit trägt der Baum-Effekt? Der FC Augsburg darf vom oberen Tabellendrittel träumen

jorono (CC0), Pixabay
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Der FC Augsburg startet mit so viel sportlicher Zuversicht in die neue Saison wie schon lange nicht mehr. Verantwortlich dafür ist vor allem Manuel Baum. Der 46-Jährige übernahm die Mannschaft Anfang Dezember 2025 zunächst als Interimstrainer und führte sie aus einer schwierigen Situation bis auf den neunten Tabellenplatz.

Baum ist damit tatsächlich mehr als nur eine Übergangslösung. Unter ihm spielte der FCA mit 28 Punkten die beste Rückrunde seiner gesamten Bundesliga-Geschichte. In der Rückrundentabelle bedeutete das Rang sechs. Der Verein reagierte darauf und verlängerte den Vertrag des Trainers bis zum 30. Juni 2028. Sportdirektor Benni Weber sprach nach der Saison ausdrücklich von einem gelungenen „Turnaround“.

Die große Frage lautet nun: Kann Augsburg diese Entwicklung bestätigen oder war die starke Rückrunde lediglich eine außergewöhnlich gute Phase?

Manuel Baum hat aus dem FCA wieder eine Mannschaft gemacht

Als Baum die Mannschaft übernahm, war die Lage keineswegs komfortabel. In der Hinrunde holte Augsburg insgesamt nur 15 Punkte. Erst nach der Winterpause entwickelte sich der FCA zu einer der unangenehmsten Mannschaften der Liga.

Baum stabilisierte das Team, ohne es ausschließlich defensiv auszurichten. Augsburg verteidigte kompakter, spielte zielgerichteter nach vorne und wurde besonders bei Hereingaben gefährlich. Vor dem letzten Spieltag war die Mannschaft sechs Bundesligaspiele hintereinander ungeschlagen. Zwölf Saisontore entstanden nach Flanken aus dem laufenden Spiel – zu diesem Zeitpunkt war das der zweitbeste Wert der Liga hinter Borussia Dortmund.

Der neunte Platz mit 43 Punkten, zwölf Siegen und einem Torverhältnis von 45:61 war angesichts des schwachen Saisonbeginns ein beachtliches Ergebnis. Noch wichtiger war jedoch die Entwicklung innerhalb der Mannschaft. Augsburg trat in der Rückrunde nicht mehr wie ein klassischer Abstiegskandidat auf, sondern wie ein stabiler Bundesligist aus dem Mittelfeld.

Baum kennt den Verein, das Umfeld und viele Spieler seit Jahren. Er muss deshalb keine komplett neue Spielidee installieren. Das kann zu Saisonbeginn ein großer Vorteil sein.

Das Gerüst der erfolgreichen Rückrunde bleibt bestehen

Die wichtigste Nachricht des Sommers ist nicht unbedingt ein spektakulärer Neuzugang, sondern die weitgehende Erhaltung des bisherigen Mannschaftskerns.

Im Tor bleibt Finn Dahmen die klare Nummer eins. Er absolvierte in der vergangenen Saison jede mögliche Bundesligaminute und kam auf 116 Paraden – ligaweit der viertbeste Wert. Mittlerweile wird Dahmen sogar als möglicher Kandidat für die deutsche Nationalmannschaft gehandelt.

Auch die Innenverteidigung ist grundsätzlich stark besetzt. Chrislain Matsima und Noahkai Banks zählen zu den wertvollsten Spielern des Kaders. Hinzu kommen Keven Schlotterbeck, Routinier Jeffrey Gouweleeuw und Neuzugang Calvin Brackelmann. Auf der linken Seite steht mit Dimitrios Giannoulis der beste Augsburger Vorlagengeber der vergangenen Saison zur Verfügung.

Im Mittelfeld besitzt Baum zahlreiche unterschiedliche Spielertypen. Kristijan Jakić bringt Zweikampfstärke, Robin Fellhauer enorme Laufleistung und Han-Noah Massengo Dynamik. Fabian Rieder, Mert Kömür, Anton Kade und Alexis Claude-Maurice sorgen für Kreativität und Torgefahr.

Die interne Torschützenliste der vergangenen Saison führten Kade, Rieder und Michael Gregoritsch mit jeweils sechs Treffern an. Giannoulis war mit fünf Vorlagen der beste Assistgeber. Das zeigt die Ausgeglichenheit der Mannschaft – gleichzeitig aber auch, dass Augsburg ein echter Torjäger mit zehn oder mehr Saisontreffern fehlte.

Gregoritsch bleibt – und könnte erneut zum Schlüsselspieler werden

Eine der wichtigsten Personalentscheidungen war die feste Verpflichtung von Michael Gregoritsch. Der österreichische Nationalspieler war im Winter zunächst auf Leihbasis von Brøndby nach Augsburg zurückgekehrt. In 17 Rückrundenspielen gelangen ihm sechs Tore und drei Vorlagen.

Der FCA zog deshalb die Kaufoption. Gregoritsch erhielt einen Vertrag bis 2027, der um ein weiteres Jahr verlängert werden kann. Neben seiner Torgefahr bringt der 32-Jährige Erfahrung, Kopfballstärke und Führungsqualitäten mit.

Dass Gregoritsch funktioniert, steht außer Frage. Offen ist allerdings, ob er seine starke Rückrunde über eine komplette Saison wiederholen kann. Augsburg darf nicht vollständig von ihm abhängig werden.

Auch Rodrigo Ribeiro wurde fest verpflichtet. Der 21-jährige Portugiese kam in der Rückrunde 14-mal zum Einsatz und erzielte zwei Tore. Der FCA sieht in ihm einen schnellen, entwicklungsfähigen Angreifer und stattete ihn mit einem Vertrag bis 2031 aus. Ribeiro ist jedoch weiterhin eher eine Investition in die Zukunft als ein bereits verlässlicher Bundesliga-Torjäger.

Mit Uchenna Ogundu besitzt Baum einen weiteren sehr schnellen Stürmer. Der Nigerianer wurde in der vergangenen Saison mit 36,77 Kilometern pro Stunde als zweitschnellster Spieler der gesamten Bundesliga gemessen. Sein Tempo kann besonders gegen hoch stehende Gegner zu einer wichtigen Waffe werden.

Brackelmann und Suso passen zum Augsburger Weg

Mit Calvin Brackelmann kommt ein 1,96 Meter großer Innenverteidiger ablösefrei vom Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn. Der 26-Jährige wurde dort überwiegend als linker Innenverteidiger einer Dreierkette eingesetzt. Er bringt Größe, Tempo und Erfahrung aus 63 Pflichtspielen für Paderborn mit, muss seine Erstligatauglichkeit aber noch nachweisen.

Brackelmann ist kein spektakulärer Transfer, ergibt taktisch aber Sinn. Da Cédric Zesiger den Verein verlassen hat und die Leihe von Arthur Chaves beendet ist, benötigte Augsburg einen weiteren linksfüßigen Innenverteidiger.

Sima Suso wurde von Fortuna Düsseldorf verpflichtet. Der 21-Jährige unterschrieb bis 2031 und kann im defensiven Mittelfeld, auf der Acht, als linker Innenverteidiger sowie auf der linken Außenbahn eingesetzt werden. In der vergangenen Saison absolvierte er 24 Zweitligaspiele. Seine Vielseitigkeit passt gut zu Baum, der während einer Begegnung häufig zwischen verschiedenen Grundordnungen wechselt.

Auch die Leihe von Yannik Keitel wurde verlängert. Der 26-Jährige kann sowohl im Mittelfeld als auch in der Innenverteidigung spielen. Augsburg sicherte sich diesmal zusätzlich eine Kaufoption. Allerdings kam Keitel wegen mehrerer Verletzungen in der vergangenen Saison lediglich auf sechs Einsätze. Bei ihm wird entscheidend sein, ob er die komplette Vorbereitung absolvieren kann.

Faik Sakar kommt als Perspektivspieler aus der U19 von RB Leipzig. Von ihm sollte jedoch noch keine sofortige Verstärkung für die Startelf erwartet werden.

Die bisherigen Transfers erhöhen vor allem die Breite

Die Augsburger Transferstrategie ist bislang konservativ und nachvollziehbar. Der Verein hat wichtige Spieler gehalten, zwei bisher ausgeliehene Angreifer fest verpflichtet und mit Brackelmann sowie Suso vielseitige Defensivspieler geholt.

Ein echter Unterschiedsspieler, der die Qualität der besten Elf sofort deutlich anhebt, ist bislang aber nicht dabei.

Zahlreiche Spieler kehrten außerdem von Leihen zurück. Dazu gehören unter anderem Elias Saad, Nathanaël Mbuku, Steve Mounié, Yusuf Kabadayi und Tim Breithaupt. Einige von ihnen könnten sich in der Vorbereitung neu empfehlen. Bei anderen ist ein weiterer Wechsel wahrscheinlich. Der aktuell große Kader vermittelt deshalb mehr Tiefe, als am Ende der Transferperiode tatsächlich vorhanden sein könnte.

Auf der Abgangsseite wiegt besonders der Abschied von Elvis Rexhbecaj. Der Mittelfeldspieler wechselte nach Wolfsburg. Mit seiner Aggressivität, Laufstärke und Mentalität verkörperte er viele Eigenschaften, die für Augsburg wichtig waren.

Zesiger ist zu den Young Boys zurückgekehrt, Chaves wieder in Hoffenheim und mehrere Leihspieler wurden erneut abgegeben. Die Verluste sind ersetzbar, reduzieren aber zunächst die eingespielte Tiefe des Kaders.

Wo muss der FCA noch nachlegen?

Der Kader besitzt momentan drei erkennbare Fragezeichen.

Das erste betrifft die rechte Außenverteidigung. Marius Wolf bringt Erfahrung und Offensivqualitäten mit, ist aber bereits 31 Jahre alt. Hinter ihm fehlt nach den bisherigen Abgängen eine überzeugende Alternative auf Bundesliganiveau. Suso könnte dort aushelfen, ist aber kein klassischer rechter Schienenspieler.

Das zweite Fragezeichen ist das defensive Mittelfeld. Jakić und Fellhauer bilden ein starkes Duo, dahinter hängt viel von Keitels Fitness und Susos schneller Entwicklung ab. Der Abgang von Rexhbecaj ist noch nicht vollständig aufgefangen.

Das größte Fragezeichen bleibt jedoch der Angriff. Gregoritsch war in der Rückrunde sehr wertvoll, doch keiner der übrigen Stürmer hat bislang bewiesen, regelmäßig in der Bundesliga treffen zu können. Augsburg erzielte in der vergangenen Saison nur 45 Tore. Für einen dauerhaften Angriff auf die europäischen Plätze dürfte das zu wenig sein.

Ein schneller Flügelspieler mit nachgewiesener Bundesligaqualität oder ein weiterer Mittelstürmer würde die Möglichkeiten deutlich vergrößern.

Der FCA gehört inzwischen zur oberen Hälfte des Bundesliga-Mittelfelds

Der aktuelle Augsburger Kader wird auf einen Gesamtmarktwert von rund 161 Millionen Euro geschätzt. Damit liegt der FCA ligaweit auf Rang zehn – knapp hinter Mainz und vor Werder Bremen, Borussia Mönchengladbach, Köln und Union Berlin. Marktwerte entscheiden keine Spiele, sie verdeutlichen aber die realistischen Kräfteverhältnisse.

Bayern München, Dortmund, Leverkusen, Leipzig, Stuttgart und Frankfurt verfügen finanziell und personell über deutlich bessere Voraussetzungen. Auch Hoffenheim und Freiburg besitzen momentan nominell stärkere Kader.

Dahinter beginnt jedoch eine Gruppe, in der Augsburg mit Mainz, Bremen und Gladbach absolut auf Augenhöhe liegt. Die drei Aufsteiger Schalke, Elversberg und Paderborn starten mit wesentlich niedrigeren Kaderwerten. Dadurch sollte der FCA bei normalem Saisonverlauf genügend Abstand zum direkten Abstiegskampf halten können.

Der Spielplan bietet gleich zum Auftakt eine gute Möglichkeit, den Schwung mitzunehmen. Augsburg beginnt am 29. August zu Hause gegen Aufsteiger Schalke 04. Anschließend folgt allerdings das schwierige Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt.

Kann Augsburg nach Europa?

Eine Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb ist möglich, aber noch nicht die wahrscheinlichste Entwicklung.

Für den FCA spricht die Arbeit von Manuel Baum. Seine Mannschaft hat bereits gezeigt, dass sie über einen längeren Zeitraum auf dem Niveau eines Europapokal-Anwärters punkten kann. Der Trainer hat die passenden Spielertypen für seine flexible, laufintensive Spielweise und kann auf ein eingespieltes Gerüst zurückgreifen.

Gegen Europa spricht, dass die starke Rückrunde zunächst bestätigt werden muss. Gegner werden sich inzwischen besser auf Augsburg einstellen. Außerdem fehlt im Angriff weiterhin ein Spieler, der verlässlich eine zweistellige Zahl an Toren garantiert.

Die Gefahr besteht darin, die 28 Rückrundenpunkte einfach auf die neue Saison hochzurechnen. Eine solche Halbserie würde über eine ganze Spielzeit ungefähr 56 Punkte ergeben und wahrscheinlich für Europa reichen. Augsburgs vollständige Saisonbilanz mit 43 Punkten und einer Tordifferenz von minus 16 zeigt jedoch, dass der Abstand zur Spitzengruppe weiterhin vorhanden ist.

Prognose: Augsburg verbessert sich auf Platz acht

Manuel Baum ist nach seiner hervorragenden Rückrunde zu Recht der große Hoffnungsträger des Vereins. Er hat bewiesen, dass er diese Mannschaft stabilisieren, entwickeln und taktisch verbessern kann. Die Bezeichnung „Erfolgstrainer“ ist angesichts der besten Augsburger Bundesliga-Rückrunde durchaus gerechtfertigt.

Trotzdem sollte der FCA nicht automatisch zum Europapokal-Kandidaten erklärt werden. Die bisherigen Transfers sichern vor allem Kontinuität und erweitern den Kader. Ein deutlicher Qualitätssprung ist bislang nicht erkennbar.

Mein Tipp: Der FC Augsburg beendet die Bundesliga-Saison 2026/27 auf dem achten Tabellenplatz.

Der FCA dürfte frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun haben und erneut um die obere Tabellenhälfte kämpfen. Platz sechs oder sieben ist möglich, falls Gregoritsch seine Torquote bestätigt, Ribeiro oder Ogundu den Durchbruch schaffen und die Defensive stabiler wird.

Bleibt die Offensive dagegen bei ungefähr 45 Saisontoren und fallen einige Schlüsselspieler aus, ist auch eine Platzierung zwischen Rang zehn und zwölf denkbar. Die wahrscheinlichste Entwicklung ist jedoch eine weitere leichte Verbesserung: Augsburg etabliert sich unter Manuel Baum endgültig als Mannschaft des gehobenen Bundesliga-Mittelfelds und bleibt bis in die Schlussphase in Reichweite der europäischen Plätze.

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