Pam Bondi ist also ihren Job als US-Justizministerin los – und das muss man in Trumps Amerika erst einmal schaffen. Denn wer es schafft, unter Donald Trump gefeuert zu werden, obwohl man monatelang versucht hat, das Justizministerium so gründlich wie möglich in eine Mischung aus Racheinstrument, Parteizentrale und persönlicher Wunschbehörde des Präsidenten umzubauen, der hat wirklich einen seltenen Punkt erreicht: Selbst Trump war unzufrieden. Die Art der Entlassung passte natürlich perfekt zu diesem politischen Zirkus. Auf der kurzen Autofahrt vom Weißen Haus zum Supreme Court wurde Bondi vom Präsidenten darüber informiert, dass sie raus ist. Keine große Szene, kein offizielles Statement, kein dramatischer Paukenschlag – einfach rausgeworfen zwischen Dienstwagen und Verfassungsdebatte. Und das eigentlich Beeindruckende daran: Bondi spielte danach noch rund 24 Stunden lang so, als wäre gar nichts passiert. Sie stieg geschniegelt und geschniegelt geschniegelt lächelnd aus dem Auto, setzte sich brav neben Trump bei den Anhörungen zur Staatsbürgerschaft, traf später noch einen Staatsanwalt aus Florida, um offenbar weiter an Verfahren gegen einen politischen Gegner des Präsidenten zu arbeiten, und nahm am Abend an Trumps Ansprache an die Nation teil. Das Ganze hatte den Charme von „Business as usual“, nur dass die Kündigung schon in der Handtasche lag.
Dass Bondi gehen musste, hatte allerdings nichts damit zu tun, dass sie etwa zu unabhängig gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Sie war ursprünglich mit dem Versprechen angetreten, politische Erwägungen würden bei ihr als oberster Strafverfolgerin keine Rolle spielen – ein Satz, der ungefähr so glaubwürdig war wie ein Diätversprechen im Süßwarenladen. Kaum im Amt, begann sie das Justizministerium nach Trumps Geschmack umzubauen. Karrierejuristen, die als nicht ausreichend loyal galten, wurden entfernt oder an den Rand gedrängt, Abteilungen, die Freunden oder Verbündeten des Weißen Hauses unangenehm werden konnten, wurden geschwächt, und gegen politische Gegner Trumps wurden Ermittlungen angeschoben, als hätte jemand im Weißen Haus eine persönliche Feindesliste mit Fristen versehen. James Comey, Letitia James, Adam Schiff – das bekannte Repertoire. Trump selbst machte auf Social Media keinen Hehl daraus, was er erwartete, und schrieb Bondi sinngemäß ins Stammbuch, dass „die Gerechtigkeit jetzt sofort“ geliefert werden müsse. In diesem politischen Theaterstück bedeutete „Gerechtigkeit“ natürlich nicht Recht und Gesetz, sondern eher: „Mach endlich etwas gegen die, die ich nicht mag.“
Das Problem für Bondi war nur: Selbst wenn man ein Ministerium auf Linie trimmt, stößt man irgendwann auf eine lästige Hürde namens Realität. Mehrere Verfahren verliefen im Sand, Richter stoppten politisch fragwürdige Anklagen, Grand Juries verweigerten die Mitarbeit, und manche Fälle wirkten selbst für amerikanische Verhältnisse zu durchsichtig konstruiert. Kurz gesagt: Bondi war loyal, aber nicht erfolgreich genug. Und genau das ist in Trumps Welt oft das größere Verbrechen. Dort wird nicht bestraft, wer Regeln bricht, sondern wer beim Brechen der Regeln nicht die gewünschten Ergebnisse liefert.
Richtig toxisch wurde es dann mit den berüchtigten Epstein-Akten. Bondi hatte in einem Fox-News-Interview vollmundig erklärt, eine angebliche Kundenliste von Jeffrey Epstein liege praktisch schon auf ihrem Schreibtisch. Das war politischer Sprengstoff. Das Internet explodierte, MAGA brodelte, Verschwörungsszene und Empörungsindustrie liefen auf Hochtouren, und quer durch alle Lager stieg die Erwartung, nun würden endlich mächtige Namen ans Licht kommen. Nur hatte diese Liste, wie sich später herausstellte, schlicht nicht existiert. Aus einem Fernsehauftritt wurde ein monatelanges PR-Desaster. Bondi musste zurückrudern, das Justizministerium relativieren, die Regierung geriet unter Druck, der Kongress reagierte, und aus einem markigen Satz wurde ein Dauerproblem, das sich wie Kaugummi unter dem politischen Schuh festsetzte. Besonders unerquicklich wurde es für Trump selbst, weil damit auch seine eigene frühere Nähe zu Epstein wieder stärker in den Fokus rückte. Bondi hatte also nicht nur eine peinliche Behauptung in den Raum gestellt, sondern dem Weißen Haus auch noch ein Thema beschert, das dort ungefähr so beliebt ist wie ein Steuerprüfer auf einer Spenden-Gala.
Intern soll der Ärger über Bondi immer größer geworden sein. Sogar im Weißen Haus war man irgendwann derart genervt, dass sie zeitweise nicht mehr bei Fox News auftreten sollte. Das ist in diesem politischen Universum ungefähr so, als würde einem katholischen Priester der Zugang zur Kirche verboten. Fox ist normalerweise Wohlfühlzone, Verteidigungslinie und Imagepolitur in einem – wenn man dort nicht mehr auftauchen soll, ist das fast schon ein amtlicher Warnschuss. Bondi versuchte offenbar in den letzten Wochen noch alles, um sich zu retten. Mehr Druck auf Ermittler, mehr operative Hektik, mehr Signale an Trump, dass man an seinen Lieblingsthemen arbeite. Sogar in Verfahren gegen frühere Spitzenbeamte wie Ex-CIA-Chef John Brennan soll sie persönlich auf Tempo gedrückt haben. Es wirkte wie ein letzter verzweifelter Versuch, dem Präsidenten doch noch jene Trophäen zu liefern, die er so gern öffentlich vorgeführt hätte. Aber auch das reichte nicht mehr.
Und so endet Bondis Amtszeit nach nur 14 Monaten so, wie sie im Grunde von Anfang an angelegt war: nicht an einem Mangel an Loyalität, sondern an einem Mangel an verwertbarem Ertrag. Sie war nicht zu rechtsstaatlich, nicht zu vorsichtig, nicht zu unabhängig – sie war für Trump schlicht nicht effektiv genug. Sie hat das Justizministerium nach Kräften politisiert, hat versucht, Trumps Feindbilder juristisch abzuarbeiten, hat sich verbogen, hat sich verbrannt und am Ende trotzdem nicht geliefert, was der Präsident wollte: sichtbare, schnelle, medienwirksame Demütigungen seiner Gegner. Dass nun ausgerechnet ihr Stellvertreter Todd Blanche übernimmt, also ebenfalls ein Mann aus Trumps engstem Vertrauenskreis und früherer Verteidiger des Präsidenten, zeigt nur, dass hier nicht etwa ein Kurs korrigiert wird. Es wird nur das Werkzeug ausgetauscht.
Bondi selbst verkündet inzwischen pflichtschuldig, sie freue sich auf eine wichtige Rolle im Privatsektor. Das ist Washingtoner Standardcode für: „Ich wurde entsorgt, aber irgendjemand wird mir jetzt sehr gutes Geld zahlen, damit ich so tue, als wäre das ein Karriereschritt.“ Politisch bleibt von ihr vor allem eine ziemlich bittere Pointe. Pam Bondi verlor ihren Job nicht, weil sie das Justizministerium missbraucht hätte. Sie verlor ihn, weil sie es aus Trumps Sicht nicht konsequent und erfolgreich genug missbrauchte. In jedem halbwegs normalen Staat wäre das ein Skandal. In Trumps Amerika ist es nur ein Personalwechsel.
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