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Wenn zwei Meerengen dichtmachen: Warum der Iran-Krieg Benzin und Energie weltweit verteuern könnte

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Die Sorge um die weltweite Energieversorgung wächst. Nachdem die strategisch enorm wichtige Straße von Hormus infolge des Kriegs mit dem Iran weitgehend blockiert ist, rückt nun ein zweiter Engpass in den Fokus: die Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Eingang zum Roten Meer. Sollte auch diese Route gestört oder blockiert werden, drohen neue Belastungen für den Ölmarkt – und damit weiter steigende Spritpreise weltweit.

In den USA sind die durchschnittlichen Benzinpreise bereits über die Marke von vier Dollar pro Gallone gestiegen. Beobachter warnen nun: Sollte neben Hormus auch Bab al-Mandab zum Risiko werden, könnte sich die Lage weiter zuspitzen.

Nach Huthi-Angriff wächst Sorge um zweite kritische Route

Auslöser der neuen Besorgnis ist ein Angriff der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz aus dem Jemen auf Israel am 28. März. Die Huthis erklärten, sie hätten ballistische Raketen auf „sensible“ militärische Ziele im Süden Israels abgefeuert. Es war der erste bekannte Angriff der Miliz auf Israel seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar.

Damit wächst die Befürchtung, dass die Huthis ihre Angriffe ausweiten und künftig auch Öltanker im Bereich der Meerenge Bab al-Mandab ins Visier nehmen könnten.

Die Straße von Hormus bleibt der wichtigste Engpass der Welt

Mit einer Durchleitungskapazität von rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag gilt die Straße von Hormus als der wichtigste maritime Nadelöhr der Welt für Öl und Erdgas. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer.

Seit dem Kriegsbeginn ist die Route durch iranische Maßnahmen nahezu zum Erliegen gekommen. Laut Berichten zwingt Teheran Schiffe inzwischen, Genehmigungen für die Passage einzuholen. Das hat dramatische Folgen: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist demnach um rund 95 Prozent eingebrochen.

Bab al-Mandab: Das zweite Nadelöhr

Doch Hormus ist nicht die einzige kritische Passage. Auch die Meerenge Bab al-Mandab ist für den globalen Ölhandel von zentraler Bedeutung. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und dem Indischen Ozean.

Ihre geschätzte Transportkapazität liegt bei rund 4,2 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Würde auch diese Route blockiert oder militärisch unsicher, hätte das gravierende Folgen:

  • Tanker aus dem Persischen Golf könnten den Suezkanal nicht mehr erreichen
  • ebenso wäre der Zugang zur SUMED-Pipeline (Suez-Mittelmeer-Pipeline) gefährdet
  • diese Pipeline transportiert Rohöl über rund 320 Kilometer durch Ägypten vom Roten Meer ins Mittelmeer
  • ihre Kapazität liegt bei etwa 2,5 Millionen Barrel pro Tag

Der Umweg um Afrika würde alles verteuern

Fällt Bab al-Mandab als Route aus, bleibt für viele Tanker nur noch ein teurer und zeitaufwendiger Umweg: rund um das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas.

Das hätte mehrere Folgen:

  • längere Transportzeiten
  • höhere Versicherungskosten
  • steigende Frachtraten
  • zusätzliche Belastungen für globale Lieferketten
  • weiter steigende Preise für Rohöl, Diesel, Kerosin und Benzin

Kurz gesagt: Je länger die Schiffe unterwegs sind, desto teurer wird am Ende der Sprit an der Zapfsäule.

Wenn Schiffe nicht fahren, bleiben nur Pipelines

Sollte der Seeweg durch beide Meerengen massiv eingeschränkt werden, bleiben im Nahen Osten nur noch Pipelines als Alternative. Doch deren Kapazitäten reichen bei Weitem nicht aus, um den Ausfall großer Tankerrouten vollständig zu kompensieren.

Die wichtigsten Alternativ-Pipelines im Überblick

East-West Pipeline (Petroline) – Saudi-Arabien

  • Länge: rund 1.200 Kilometer
  • Betreiber: Saudi-Aramco
  • Kapazität: etwa 7 Millionen Barrel pro Tag
  • Verlauf: vom Ölverarbeitungszentrum Abqaiq in Saudi-Arabien zum Hafen Yanbu am Roten Meer

Diese Leitung gilt als wichtigste Ausweichroute Saudi-Arabiens, um Öl nicht durch Hormus transportieren zu müssen.

Abu Dhabi Crude Oil Pipeline (ADCOP / Habshan-Fujairah) – Vereinigte Arabische Emirate

  • Länge: rund 380 Kilometer
  • Betreiber: International Petroleum Investment Company (im Besitz der Regierung von Abu Dhabi)
  • Kapazität: geschätzt 1,5 Millionen Barrel pro Tag
  • Verlauf: von Habshan zum Hafen Fujairah am Golf von Oman

Diese Pipeline erlaubt es den Emiraten, Öl an Hormus vorbei direkt an die Küste des Golfs von Oman zu bringen.

Iraq-Turkey Crude Oil Pipeline (Kirkuk-Ceyhan) – Irak/Türkei

  • Länge: rund 965 Kilometer
  • Betreiber: türkische Staatsgesellschaft BOTAŞ gemeinsam mit dem irakischen Ölministerium
  • Kapazität: etwa 1,6 Millionen Barrel pro Tag
  • Verlauf: vom Irak zur türkischen Mittelmeerküste bei Ceyhan

Laut Reuters arbeitet der Irak derzeit daran, die Pipeline unabhängiger von Infrastruktur zu machen, die bisher von der kurdischen Regionalregierung im Nordirak kontrolliert wird.

Warum das für Verbraucher relevant ist

Die Entwicklung zeigt, wie stark der Alltag von Konflikten an geografischen Engpässen abhängt. Werden zwei der wichtigsten maritimen Öl-Routen gleichzeitig unsicher, schlägt sich das rasch in den Preisen nieder:

  • Benzin
  • Diesel
  • Heizöl
  • Flugbenzin / Kerosin
  • Transport- und Logistikkosten
  • indirekt auch Lebensmittelpreise und Inflation

Schon jetzt ist sichtbar: Der Iran-Krieg ist nicht nur ein militärischer Konflikt – er ist zunehmend auch ein Energie- und Preisschock für die Weltwirtschaft.

Fazit

Die Straße von Hormus bleibt das entscheidende Nadelöhr des globalen Ölhandels. Doch mit der wachsenden Gefahr rund um Bab al-Mandab könnte sich die Lage weiter verschärfen. Sollte auch diese Route ausfallen oder für Reeder zu riskant werden, wären die Auswirkungen weltweit spürbar.

Dann ginge es nicht mehr nur um geopolitische Schlagzeilen, sondern um eine sehr konkrete Frage für Millionen Verbraucher:

Wie teuer wird der nächste Tankstopp?

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