Startseite Allgemeines War’s das für Wirtschaftsministerin Reiche? Noch nicht. Aber es riecht verdächtig nach letzter Verwarnung.
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War’s das für Wirtschaftsministerin Reiche? Noch nicht. Aber es riecht verdächtig nach letzter Verwarnung.

qimono (CC0), Pixabay
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In Berlin gibt es viele Arten, Ärger mit dem Kanzler zu bekommen.
Man kann ein Gesetz versemmeln.
Man kann einen Koalitionspartner düpieren.
Man kann interne Gespräche ausplaudern.
Oder – besonders elegant – alles gleichzeitig in einer einzigen Benzinpreis-Krise erledigen.

Katherina Reiche scheint sich jedenfalls vorgenommen zu haben, den Regierungsalltag nicht als Wirtschaftsministerin, sondern als politische Freestyle-Künstlerin mit Hang zur Parallelpressekonferenz zu gestalten. Während SPD-Chef Lars Klingbeil im Finanzministerium an Maßnahmen gegen die Spritpreis-Explosion bastelte, funkte Reiche lieber aus dem eigenen Haus dazwischen – mit scharfem Statement, offener Ablehnung der Übergewinnsteuer und der ungefähr diplomatischen Feinfühligkeit eines Laubbläsers im Konklave.

Das Problem dabei:
In einer Koalition ist es meist keine brillante Idee, einen Krisengipfel des Partners öffentlich zu crashen, wenn man selbst eingeladen war, aber abgesagt hat. Das wirkt weniger wie entschlossene Führung und mehr wie:
„Ich komme nicht zur Teamsitzung, aber ich poste parallel ein Video, warum alle anderen falsch liegen.“

Und genau da beginnt der eigentliche Ärger für Reiche.
Denn Friedrich Merz soll „befremdet“ sein.
Nun ist „befremdet“ in der Sprache des Kanzleramts ungefähr das, was im normalen Leben „komplett bedient“ bedeutet. Wenn aus dem Umfeld des Kanzlers durchsickert, man mahne eine Ministerin „zur Zurückhaltung“, dann ist das keine freundliche Erinnerung an gute Umgangsformen. Das ist die politische Version von:
„Noch so eine Nummer, und du kannst dein Namensschild mitnehmen.“

Besonders unerquicklich dürfte Merz gefunden haben, dass Reiche nicht nur Klingbeil frontal anging, sondern offenbar auch noch vertrauliche Informationen über ein geheimes Spitzentreffen ausplauderte. In einer Regierung, die ohnehin eher nach Nervenzusammenbruch als nach Aufbruch klingt, ist das ungefähr so hilfreich wie ein Praktikant, der während der Vorstandskrise den Passwortzettel twittert.

Dass Merz seine Ministerin nun auch noch im CDU-Bundesvorstand antanzen lässt, um Fragen zur Benzin-Krise zu beantworten, ist ebenfalls kein Zeichen inniger Harmonie.
Wer in Berlin „Rede und Antwort stehen“ soll, wird selten mit Blumen empfangen.
Das ist eher die Parteiform von:
„Setzen Sie sich bitte. Wir haben da ein paar Fragen. Viele Fragen.“

Hat Reiche also fertig?

Noch nicht.
In einer Koalition, die ohnehin bei jeder Krise klingt, als sei sie drei Pressekonferenzen vom offenen Rosenkrieg entfernt, wird nicht jede Ministerin sofort geopfert. Merz wird sich gut überlegen, ob er mitten in einer Energie- und Spritpreis-Krise zusätzlich noch einen Personalbrand eröffnen will. Zumal die CDU gerade nicht den Luxus hat, Minister wie Ersatzreifen nach Belieben zu wechseln.

Aber:
Die Schonfrist ist sichtbar kleiner geworden.

Denn was hier auffällt, ist nicht nur ein einzelner Fehltritt, sondern ein Muster:

Reiche wirkt zunehmend wie eine Ministerin, die lieber markige Soli spielt als im Kabinett Orchester zu sitzen.
Merz wiederum wirkt wie ein Kanzler, der feststellt, dass seine Wirtschaftsministerin zwar sendefähig ist, aber nicht unbedingt teamfähig.
Und die Koalition wirkt einmal mehr wie eine Zweckgemeinschaft, die sich nur deshalb nicht trennt, weil gerade keiner weiß, wer danach den Abschleppdienst ruft.

Politisch ist Reiches Problem deshalb größer als ein Streit über die Übergewinnsteuer.
Es geht um Vertrauen.
Und wenn in Regierungskreisen bereits von „Entfremdung“ die Rede ist, dann ist das in Berlin meistens das Stadium kurz vor
„Wir danken für die geleistete Arbeit.“

Hinzu kommt: Die Benzinpreis-Krise ist genau das Thema, bei dem eine Wirtschaftsministerin nicht nur Haltung, sondern vor allem Handlungsfähigkeit zeigen muss. Wenn dann in der eigenen Partei der Eindruck entsteht, sie habe das Thema „nicht im Griff“, wird es schnell unerquicklich. Denn Minister werden in Berlin nicht primär wegen schlechter Laune abgeräumt – sondern wenn sich das Gefühl festsetzt, dass sie politisch mehr Unruhe produzieren als Lösungen.

Und genau dieses Gefühl wächst gerade.

Fazit:
War es das für Katherina Reiche?
Nein – aber es war vermutlich ihr bisher gefährlichster Auftritt im Amt.

Sie ist noch nicht raus.
Aber sie hat es geschafft, gleichzeitig:

den Koalitionspartner zu verärgern,
den Kanzler zu blamieren,
ein Geheimtreffen halb auszuplaudern
und sich selbst als Solistin in einer ohnehin nervösen Regierung zu inszenieren.

Das ist kein Rücktritt.
Das ist in Berlin allerdings oft die Vorstufe zur personalpolitischen Wetterwarnung.

Oder, um es launig zu sagen:
Reiche sitzt noch im Ministerbüro – aber Merz dürfte inzwischen prüfen, ob der Schlüssel auch wirklich passt.

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