Alex dachte, er hätte mit einer Daunenjacke aus Frankreich ein gutes Geschäft gemacht. Doch nach dem Kauf kam der Schock: Zusätzlich zum eigentlichen Preis flatterte ihm eine Rechnung über mehr als 400 Dollar an Zöllen und Abwicklungsgebühren ins Haus – fast so viel wie die Jacke selbst gekostet hatte.
Besonders bitter: Der 30-Jährige aus Texas wusste nicht einmal, dass die Jacke zwar aus Frankreich verkauft wurde, aber tatsächlich in Myanmar hergestellt worden war. Auf Produkte von dort hatte die Trump-Regierung im vergangenen Jahr einen Zollsatz von 40 Prozent gelegt. Allein daraus ergaben sich für Grossomanides 248,04 Dollar an Zusatzkosten.
Inzwischen hat der Oberste Gerichtshof diese und Dutzende weitere Trump-Zölle für ungültig erklärt. Damit wurde ein Rückzahlungsprozess angestoßen, der zum größten Erstattungsprogramm der US-Geschichte werden könnte. Insgesamt geht es um mehr als 160 Milliarden Dollar, die der Staat eingezogen hatte. Etwa 330.000 Importeure könnten grundsätzlich Anspruch auf Rückzahlungen haben.
Doch genau da beginnt das nächste Problem: Viele derjenigen, die die Last am Ende tatsächlich getragen haben, dürften leer ausgehen.
Denn das Urteil gilt zunächst nur für Importeure, die die Zölle direkt bezahlt haben. Wer die Kosten nur indirekt geschultert hat – etwa über höhere Preise, Versandaufschläge oder Bearbeitungsgebühren – steht womöglich außen vor. Grossomanides etwa zahlte die Summe über den Versanddienstleister DHL. Ob er jemals auch nur einen Cent zurückbekommt, weiß er nicht. Von DHL habe er bisher nichts gehört. Seine Hoffnung hält sich entsprechend in Grenzen.
Sein Ärger ist nachvollziehbar: „Es ist mein Geld, und ich habe den Schaden getragen. Ich finde das nicht fair“, sagt er. Und er ist mit diesem Frust nicht allein.
Die Folgen der rechtswidrigen Trump-Zölle reichen tief in den Alltag von Verbrauchern und kleinen Unternehmen hinein. Studien zeigen, dass ein Großteil der Zusatzkosten längst an Endkunden weitergegeben wurde – über höhere Preise, Zuschläge und andere Gebühren. Genau dieses Problem wird durch das Gerichtsurteil aber kaum gelöst.
So berichtet etwa die Lampenherstellerin Sue Johnson aus Kalifornien, dass ihr Zulieferer wegen der Zölle die Preise für Glimmer – einen wichtigen Rohstoff für ihre Produkte – nahezu verdoppelt habe. Von einer Rückzahlung geht sie trotzdem nicht aus. Ihr Fazit: „Vielleicht bekommen die Importeure etwas zurück. Ich habe keinerlei Hoffnung, dass ich mein Geld wiedersehe.“
Für viele Unternehmen war die Zollpolitik ohnehin nur der Anfang der Belastung. Sie mussten Kredite aufnehmen, um die Abgaben überhaupt vorfinanzieren zu können, verkrafteten sinkende Verkäufe und blieben auf Folgeschäden sitzen, die sich nicht einfach beziffern lassen. Selbst wenn jetzt Rückzahlungen kommen sollten, bedeutet das noch lange nicht, dass alle Verluste ausgeglichen werden.
Juristen sprechen bereits von einem riesigen Gerechtigkeitsproblem. Denn die US-Zollbehörden verlangen von Unternehmen teils einen enormen bürokratischen Aufwand, um überhaupt Ansprüche geltend zu machen. Gerade kleinere Firmen könnten am Ende aufgeben, weil Aufwand und möglicher Nutzen in keinem Verhältnis stehen.
Noch schlechter sieht es für Verbraucher aus. Ein Anwalt spricht sogar von einem möglichen „organisierten Diebstahl am amerikanischen Verbraucher“, wenn Unternehmen Rückzahlungen vom Staat erhalten, obwohl sie die Kosten längst an Kunden weitergereicht haben.
Genau darüber wird inzwischen vor Gericht gestritten. Gegen mehrere Unternehmen – darunter Costco, EssilorLuxottica und Fabletics – laufen Sammelklagen. Der Vorwurf: Diese Firmen könnten ungerechtfertigt profitieren, wenn sie sich vom Staat Geld zurückholen, das zuvor bereits von Kunden kassiert wurde.
Manche Versanddienste wie FedEx haben angekündigt, mögliche Rückerstattungen an Kunden und Unternehmen weiterzugeben. Viele andere Firmen sind deutlich zurückhaltender – vor allem dort, wo Zollkosten nicht klar und offen ausgewiesen wurden, sondern in höheren Endpreisen versteckt waren.
Der politische Zynismus bleibt dabei kaum zu übersehen. Während Verbraucher und kleine Firmen um ihr Geld kämpfen, riet der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer Unternehmen, mögliche Rückerstattungen doch einfach als Bonus an Mitarbeiter auszuschütten. US-Finanzminister Scott Bessent deutete sogar schon an, dass Verbraucher wohl kaum profitieren werden.
Heißt im Klartext:
Trump ließ Milliarden mit fragwürdigen Zöllen eintreiben. Die Gerichte kippen das Ganze. Aber am Ende könnten ausgerechnet jene leer ausgehen, die den Wahnsinn tatsächlich bezahlt haben.
Auch James Tak aus Washington gehört zu den Betroffenen. Er musste vergangenes Jahr 24 Dollar Zollgebühr an UPS zahlen – für ein Geschenk mit Videospielen, das ihm ein Freund aus Japan geschickt hatte. Die Summe ist deutlich kleiner als bei der Jacke aus Frankreich, aber der Frust ist derselbe. Seine Haltung ist klar: „Es ist Geld, das ich niemals hätte zahlen müssen.“
Und genau darin liegt der Kern des Skandals:
Nicht nur die Zölle selbst waren rechtswidrig. Es droht nun auch, dass die Rückerstattung genauso ungerecht wird wie die Abkassiererei zuvor.
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