Donald Trump erklärt mal wieder die Welt – und diesmal sogar dem Papst. Der US-Präsident behauptete erneut, Papst Leo XIV. habe angeblich kein Problem damit, wenn der Iran Atomwaffen besitzt. Ein bemerkenswerter Vorwurf, vor allem weil der Vatikan seit Jahrzehnten ziemlich konsequent gegen Atomwaffen auftritt. Aber Details waren noch nie Trumps Lieblingsdisziplin.
Der Papst reagierte entsprechend nüchtern – fast schon beneidenswert gelassen. „Wenn mich jemand kritisieren will, weil ich das Evangelium verkünde, dann soll er das wenigstens mit der Wahrheit tun“, sagte Leo XIV. in Castel Gandolfo. Übersetzt aus der vatikanischen Diplomatensprache heißt das ungefähr: Bitte erst lesen, dann posten.
Leo erinnerte außerdem an seine ersten Worte nach der Wahl: „Friede sei mit euch.“ Eine Formulierung, die im politischen Washington derzeit ungefähr so exotisch wirkt wie Haushaltsdisziplin oder Selbstreflexion.
Während der Papst also weiterhin über Frieden predigt, beschäftigt sich Donald Trump lieber damit, das Oberhaupt der katholischen Kirche als „schwach“ und „furchtbar in der Außenpolitik“ zu beschimpfen. Offenbar gehört inzwischen selbst der Vatikan zu den Gegnern, die Trump regelmäßig auf Truth Social bekämpfen muss – irgendwo zwischen CNN, Richtern und Windrädern.
Besonders absurd wurde es, als Trump ein KI-generiertes Bild veröffentlichte, das ihn als Heilsfigur zeigte. Nach Kritik erklärte er später ernsthaft, er habe gedacht, das Bild würde ihn als Arzt darstellen. Ein Satz, der wahrscheinlich selbst im Vatikan kurz für Sprachlosigkeit sorgte.
Auch Vizepräsident JD Vance wollte unbedingt mitspielen und erklärte öffentlich dem Papst die katholische Theologie. Dass ausgerechnet ein amerikanischer Politiker dem Oberhaupt der katholischen Kirche erklärt, wie Kirche funktioniert, dürfte selbst unter konservativen Kardinälen für unfreiwillige Comedy-Momente gesorgt haben.
Nun reist Außenminister Marco Rubio nach Rom – vermutlich in der Rolle des diplomatischen Hausmeisters. Seine Aufgabe: irgendwie die Trümmer beseitigen, die Trump und Vance mit ihren öffentlichen Attacken hinterlassen haben.
Die Mission dürfte anspruchsvoll werden. Denn während der Vatikan über Frieden spricht, verteidigt Washington weiterhin offensiv den Kriegskurs gegen den Iran. Und Leo XIV. hat zuletzt immer deutlicher gemacht, dass er diesen Kurs für moralisch falsch hält.
Im Vatikan weiß man inzwischen vermutlich auch:
Wenn Trump behauptet, der Papst unterstütze iranische Atomwaffen, dann dauert es wahrscheinlich nicht mehr lange, bis er auch behauptet, der Vatikan manipuliere das Wetter oder stecke hinter steigenden Benzinpreisen.
Immerhin zeigt die Affäre aber eines sehr deutlich:
Selbst konservative US-Katholiken finden es irgendwann schwierig, wenn der Präsident anfängt, öffentlich mit dem Papst zu streiten – besonders dann, wenn er dabei wirkt, als hätte er die Bergpredigt mit einer Wahlkampfrede verwechselt.
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