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Ungarn entdeckt plötzlich Korruption – ausgerechnet kurz vor Orbáns Abgang

Kaufdex (CC0), Pixabay
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Was für ein erstaunlicher Zufall: Nach 16 Jahren Viktor Orbán kommt Ungarns Polizei plötzlich auf die Idee, sich Unternehmen aus dem direkten Umfeld des scheidenden Ministerpräsidenten etwas genauer anzusehen.

Jahrelang floss das Geld offenbar so unauffällig wie Donauwasser Richtung Regierungskreise – doch kaum steht der Machtwechsel bevor, werden auf einmal Konten eingefroren, Gelder beschlagnahmt und Ermittlungen wegen möglicher Geldwäsche und Veruntreuung eingeleitet.

Fast könnte man meinen, in Budapest wurde versehentlich der „Korruption entdecken“-Schalter aktiviert.

Im Mittelpunkt steht Unternehmer Gyula Balasy, dessen Firmen über ein Jahrzehnt lang praktisch die kreative Seele des Orbán-Systems waren. Ob Anti-Migrationskampagnen, patriotische Dauerbeschallung oder die jüngste Wahlkampfparole „Krieg oder Frieden“ – Balasys Agenturen lieferten zuverlässig die passenden Slogans zur politischen Dauerinszenierung.

Und das offenbar nicht ganz erfolglos:
Laut Transparency International kassierten seine Firmen allein zwischen 2019 und 2021 Staatsaufträge im Wert von umgerechnet rund 810 Millionen Euro. Ein Betrag, bei dem selbst erfahrene Oligarchen kurz ehrfürchtig nicken dürften.

Besonders charmant:
Balasy erklärte nun vorsorglich, er habe selbstverständlich nichts zu verbergen. Deshalb wolle er dem Staat gleich freiwillig seine Unternehmen anbieten. Eine Art patriotischer Schlussverkauf kurz vor dem Regierungswechsel.

Dass diese Großzügigkeit exakt jetzt einsetzt – wenige Tage bevor Oppositionsführer Peter Magyar das Amt übernimmt und einen harten Anti-Korruptionskurs angekündigt hat –, ist natürlich reiner Zufall. So wie in Ungarn grundsätzlich alles Zufall ist.

Magyar dürfte am Samstag Viktor Orbán ablösen. Damit endet nicht nur eine der längsten Regierungszeiten Europas, sondern möglicherweise auch ein politisches Geschäftsmodell, bei dem öffentliche Aufträge und politische Loyalität manchmal verdächtig harmonisch zusammenliefen.

Die wirklich spannende Frage lautet nun:
Wie viele Ermittlungen plötzlich noch auftauchen, sobald Orbán nicht mehr im Amt ist.

Denn offenbar galt in Ungarn jahrelang die Regel:
Korruption ist nur dann unsichtbar, solange die richtigen Leute regieren.

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