Die folgende Übersicht ist keine Schwarze Liste und keine abschließende Bewertung der genannten Personen. Aufgenommen wurden reichweitenstarke Accounts, die überwiegend deutschsprachige Inhalte veröffentlichen und sich mit Aktien, ETFs, Immobilien, Steuern, Versicherungen, Kryptowährungen oder Vermögensaufbau befassen.
„An deutsches Publikum gerichtet“ bedeutet dabei nicht, dass die Person tatsächlich in Deutschland wohnt oder ihr Unternehmen dort sitzt. Mehrere deutschsprachige Finfluencer arbeiten öffentlich erkennbar aus Dubai, der Schweiz oder anderen Staaten.
Eine gemeinsame Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management, der Fachhochschule St. Pölten und Paradots identifizierte bereits 2024 allein auf Instagram 357 aktive deutschsprachige Finfluencer mit zusammen mehr als zehn Millionen Followern. Die häufigsten Themen waren Einzelaktien, allgemeine Finanzfragen, Vermögensaufbau, Altersvorsorge, Finanzbildung und Dividendenwerte.
Übersicht wichtiger Accounts
| Account und Person | Themenschwerpunkte | Öffentlich erkennbare Qualifikation | Auffällige geschäftliche Aspekte |
|---|---|---|---|
| Finanzfluss – Thomas Kehl | ETFs, Geldanlage, Versicherungen, Altersvorsorge und allgemeine Finanzbildung | Ausbildung zum Bankkaufmann, Studium der Finanz- und Wirtschaftswissenschaften sowie frühere Tätigkeit als Analyst bei einer Investmentbank | Einnahmen unter anderem über Werbung, Affiliate-Links, Vergleichsangebote und eigene digitale Produkte. Finanzfluss gehört zu den größten deutschsprachigen Finanzkanälen. |
| FinanzNerd – Simon Neumann | Versicherungen, Geldanlage, Steuern und Finanzgrundlagen | Ausbildung zum Versicherungskaufmann, Zusatzqualifikation in Bankbetriebslehre und Fachwirt für Finanzberatung | Reichweitenstarker Auftritt auf TikTok, YouTube und Instagram; nach Verlagsangaben gehört er zu den größten deutschsprachigen Finanz-Creatorn. |
| Steuerfabi – Fabian Walter | Deutsches Steuerrecht und Steuertipps für Arbeitnehmer, Selbstständige und Anleger | Masterabschluss in Betriebswirtschaftlicher Steuerlehre; Tätigkeit in einer Steuerkanzlei und in der Fortbildung für Steuerberater | Inhaltlich stark auf deutsches Steuerrecht zugeschnitten. Eine Ausbildung im Steuerbereich ist belegt; daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jede Social-Media-Aussage eine individuelle Steuerberatung darstellt. |
| Mario Lochner | Aktien, ETFs, Bitcoin, Marktanalysen, Vermögensaufbau und Motivation | Nach öffentlich zugänglichen Branchenprofilen studierter Volkswirt und ehemaliger Wirtschaftsjournalist bei Focus Money | Betreibt neben seinen kostenlosen Kanälen eigene kostenpflichtige Bildungs- und Analyseangebote, darunter Beating Beta und Bootcamp Börse. |
| Madame Moneypenny – Natascha Wegelin | Finanzielle Unabhängigkeit von Frauen, ETFs, Altersvorsorge und Finanzplanung | Wirtschaftswissenschaftliches beziehungsweise betriebswirtschaftliches Studium; Unternehmerin und Autorin | Verkauft Mentoringprogramme. Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisierte 2022 gegenüber der Welt Preis und mangelnde Preistransparenz eines damaligen Gruppenprogramms. Wegelins Inhalte und Angebote können sich seither verändert haben. |
| Aktiengram – Lisa Osada | Aktien, Dividenden, Depotentwicklung und langfristige Geldanlage | Ausbildung zur Fachinformatikerin für Systemintegration; langjährige Privatanlegerin, aber keine öffentlich ausgewiesene klassische Finanzberufsausbildung | Der Account verbindet persönliche Anlageerfahrungen mit Finanzbildung. Osada arbeitet außerdem im Umfeld der Portfolio-Plattform Parqet. |
| Professor Finanzen – Ibrahim „Ibo“ Ahmiane | Aktien, Unternehmensanalysen, Börsengrundlagen und Vermögensaufbau | Nach öffentlich zugänglichen Profilen BWL-Absolvent und ehemaliger Bankberater | „Professor Finanzen“ ist ein Markenname; ein akademischer Professorentitel ist damit nicht gemeint. Neben Social-Media-Inhalten werden Mentoring- und Analyseangebote vermarktet. |
| Bitcoin2Go – Mirco Recksiek und Team | Bitcoin, Kryptowährungen, Kryptobörsen und Marktanalysen | Recksiek weist einen Master of Science in Betriebswirtschaftslehre aus | Medien- und Vergleichsplattform mit Partnerangeboten und kommerziellen Verbindungen zu Kryptodienstleistern. Das bedeutet nicht automatisch mangelnde Unabhängigkeit, macht eine deutliche Offenlegung aber besonders wichtig. |
| Blocktrainer – Roman Reher | Bitcoin, Blockchain, Geldsystem und technische Grundlagen | In den geprüften Quellen war keine klassische Ausbildung zum Bank-, Anlage- oder Vermögensberater klar ausgewiesen; Reher positioniert sich vor allem als Bitcoin-Experte und Medienunternehmer | Kooperationen mit Unternehmen aus dem Kryptobereich sollten bei der Bewertung einzelner Empfehlungen berücksichtigt werden. Im Jahr 2026 trat Reher beispielsweise dem Advisory Board des Bitcoin-Anbieters Relai bei. |
| Hedgefonds Henning – Niklas Schwab | Wirtschafts- und Finanzmemes, Unternehmensnachrichten und Börsenthemen | Aufbau des Accounts während eines BWL-Studiums | Eher Wirtschaftsmedien- und Unterhaltungsformat als klassische Anlageberatung. Aus dem Instagram-Account entstanden ein Newsletter, ein Printprodukt und ein Medienunternehmen. |
| Bodo Schäfer | Vermögensaufbau, finanzielle Freiheit, Motivation, Bücher und Seminare | Frühere Tätigkeit als Versicherungsvertreter; begonnenes, aber nicht abgeschlossenes Jurastudium. Eine klassische akademische Finanzqualifikation ist in den geprüften Quellen nicht ausgewiesen | Vermarktet seit vielen Jahren Bücher, Seminare, Coachings und Angebote seiner Akademie. Sein Schwerpunkt liegt stärker auf Coaching und Erfolgslehre als auf unabhängiger Finanzanalyse. |
| Immo Tommy – Tomislav Primorac | Vermietete Immobilien als Kapitalanlage, Finanzierung und Steuern | Gelernter Einzelhandelskaufmann; später Immobilieninvestor und -vermittler | Nach Recherchen von NDR und Spiegel berichteten Käufer über zu hohe Preise, riskante Finanzierungen und ungeklärte Zahlungen. Primorac kritisierte Teile der Berichterstattung, räumte nach Angaben des NDR aber auch Fehler ein. Die Berichte sind nicht mit einer rechtskräftigen Feststellung persönlichen Fehlverhaltens gleichzusetzen. |
| Flo Pharell | Einzelaktien, persönliches Depot, Online-Marketing und Leben in Dubai | Eine einschlägige formale Finanzqualifikation konnte ich in den geprüften öffentlichen Quellen nicht verifizieren | Richtet sich in deutscher Sprache an Anleger, arbeitet aber öffentlich erkennbar aus Dubai. Business Insider und die Wirtschaftswoche beschäftigten sich kritisch mit möglichen wirtschaftlichen Hintergründen bestimmter Aktienempfehlungen. Ein Beweis für bezahlte Empfehlungen wurde damit nicht automatisch erbracht. |
| Kiarash Hossainpour | Bitcoin, Kryptowährungen, Unternehmertum und gesellschaftspolitische Inhalte | In den geprüften Quellen ließ sich keine klassische formale Ausbildung im Finanzwesen eindeutig verifizieren | Erreicht ein deutsches Publikum aus Dubai und verdiente nach öffentlich zugänglichen Berichten unter anderem über Affiliate-Links von Kryptobörsen. Der gemeinsame Podcast „Hoss & Hopf“ endete im Dezember 2025; eigene Kanäle und Projekte sind davon zu unterscheiden. |
| Philip Hopf | Chartanalysen, Aktien, Edelmetalle, Kryptowährungen sowie politische und wirtschaftliche Kommentare | Betreiber eines Unternehmens für Finanzanalysen; eine klar belegte klassische Berufs- oder Hochschulausbildung im Finanzbereich war in den geprüften Quellen nicht ersichtlich | Lebt nach eigener öffentlicher Darstellung in Zürich. Nach dem Ende von „Hoss & Hopf“ startete er 2026 ein neues Format mit dem Edelmetallhändler Dominik Kettner. |
Weitere deutschsprachige Accounts für eine vertiefte Beobachtung
In Reichweitenvergleichen werden außerdem regelmäßig folgende Accounts genannt:
- Finanzen mit Ercan
- Finanzhacker
- Teaching Finance
- InvestScience
- Aktien mit Kopf
- FinanzRocker
- Finanzielle
- HerMoney
- sustainable.finance
- Finanzstarter
- Versicherungen mit Kopf
- Der Kryptonaut
Ein Ranking von Das Investment führt unter den reichweitenstärkeren deutschen Accounts unter anderem Finanzfluss, Professor Finanzen, Immo Tommy, Bodo Schäfer, Teaching Finance, FinanzNerd, Finanzhacker, Aktien mit Kopf, Finanzen mit Ercan, InvestScience und Madame Moneypenny auf. Die Daten dieses Rankings stammen vom 17. Dezember 2025 und sind daher nur eine Momentaufnahme.
Was die Recherche zur Qualifikation zeigt
Die pauschale Aussage, nahezu kein Finfluencer habe eine Ausbildung, wäre nicht korrekt. Unter den großen deutschsprachigen Accounts finden sich durchaus Personen mit einschlägigem Hintergrund:
- Thomas Kehl verfügt über Bankausbildung, Finanzstudium und Berufserfahrung im Investmentbanking.
- Simon Neumann hat eine Versicherungs- und Finanzberatungsausbildung.
- Fabian Walter besitzt einen steuerwissenschaftlichen Masterabschluss.
- Mario Lochner wird als Volkswirt und ehemaliger Wirtschaftsjournalist ausgewiesen.
- Mirco Recksiek besitzt einen betriebswirtschaftlichen Masterabschluss.
Gleichzeitig treten reichweitenstarke Personen auf, deren Ausbildung vor allem aus einem anderen Fachgebiet stammt oder deren Kompetenz auf eigener Anlageerfahrung und Selbststudium beruht. Das betrifft beispielsweise IT-Fachleute, Unternehmer, Autoren, Coaches oder Immobilienvermittler.
Entscheidend ist: „Finfluencer“, „Finanzexperte“, „Money Coach“ oder „Professor Finanzen“ sind für sich genommen keine geschützten Berufsbezeichnungen und kein Beleg für eine behördlich geprüfte Qualifikation. Für allgemeine Finanzinformationen ist keine bestimmte Ausbildung vorgeschrieben. Wird jedoch eine persönliche Anlageberatung, Anlagevermittlung oder eine andere erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung erbracht, können Registrierung beziehungsweise Erlaubnis erforderlich sein. Das Verbraucherportal Bayern weist ausdrücklich darauf hin, dass sich grundsätzlich jeder ohne formalen Sachkundenachweis Finfluencer nennen kann.
Für die BaFin besonders relevante Gruppen
1. Finfluencer mit Sitz außerhalb Deutschlands
Besondere Aufmerksamkeit verdienen deutschsprachige Accounts, die aus Dubai, der Schweiz oder anderen Staaten arbeiten, aber gezielt deutsche Kunden ansprechen. Ein ausländischer Standort verhindert nicht automatisch die Anwendung deutscher oder europäischer Vorschriften. Die praktische Ermittlung, Zustellung und Durchsetzung kann dadurch jedoch schwieriger werden.
Bekannte Beispiele für diese Konstellation sind Flo Pharell und Kiarash Hossainpour aus Dubai sowie Philip Hopf aus der Schweiz.
2. Übergang von Instagram zu WhatsApp oder Telegram
Öffentliche Videos sind häufig nur der erste Kontakt. Problematische Empfehlungen, angebliche VIP-Signale oder konkrete Zahlungsaufforderungen können anschließend in privaten Nachrichten oder geschlossenen Gruppen erfolgen. Die BaFin sollte deshalb nicht nur Beiträge und Reels betrachten, sondern auch:
- Links in Profilbeschreibungen,
- Einladungen in WhatsApp- und Telegram-Gruppen,
- automatisierte Direktnachrichten,
- angebliche persönliche Assistenten,
- Kopierdepots und Tradingsignale,
- ausländische Broker- und Kryptoplattformen,
- sowie nachträgliche Aufforderungen zu zusätzlichen Einzahlungen.
3. Vergütung und Interessenkonflikte
Bei jedem Account sollte geprüft werden, ob Einnahmen entstehen durch:
- Affiliate-Links,
- Kontoeröffnungen,
- Vermittlungsprovisionen,
- bezahlte Produktplatzierungen,
- eigene Beteiligungen an beworbenen Unternehmen,
- kostenpflichtige Gruppen oder Newsletter,
- Seminare und Mentoring,
- Immobilienvermittlung,
- oder die vorherige Positionierung in einer empfohlenen Aktie oder Kryptowährung.
Die vorhandenen Regeln verlangen bereits heute bei Anlageempfehlungen und Werbung Transparenz. Das Problem ist weniger das völlige Fehlen von Vorschriften als deren Durchsetzung über Plattform- und Landesgrenzen hinweg. Die BaFin weist darauf hin, dass junge Nutzer Finfluencer häufig als Alternative zu professioneller Beratung betrachten und zugleich mehr Schutz vor unseriösen Tipps wünschen.
Vorläufiges Fazit
Die deutschsprachige Finfluencer-Szene ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von ausgebildeten Bank- und Steuerfachleuten über Finanzjournalisten und Privatanleger bis zu Coaches, Immobilienvermittlern, Kryptowerbern und reinen Medienpersönlichkeiten.
Eine hohe Reichweite sagt weder etwas über Qualifikation noch über fehlende Qualifikation aus. Umgekehrt garantiert auch ein wirtschaftswissenschaftliches Studium nicht, dass jede konkrete Empfehlung unabhängig, geeignet oder rechtlich zulässig ist.
Für eine aufsichtsrechtliche Untersuchung wären aus meiner Sicht vor allem diese vier Fragen entscheidend:
- Wer bezahlt den Finfluencer oder profitiert von der Empfehlung?
- Wird lediglich allgemein informiert oder bereits individuell beraten und vermittelt?
- Wo sitzen Person, Unternehmen, Auftraggeber und beworbener Anbieter tatsächlich?
- Was geschieht nach dem öffentlichen Beitrag in privaten Chats und Gruppen?
Die Angaben zur Ausbildung beruhen auf öffentlich auffindbaren Lebensläufen und Selbstdarstellungen. Wo keine einschlägige Qualifikation gefunden wurde, bedeutet dies nicht zwingend, dass keine vorhanden ist; sie war lediglich in den geprüften Quellen nicht belastbar nachweisbar.
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