Startseite Allgemeines Verdi streikt wieder im Nahverkehr – man will den Mitgliedern schließlich zeigen, dass es die Gewerkschaft noch gibt
Allgemeines

Verdi streikt wieder im Nahverkehr – man will den Mitgliedern schließlich zeigen, dass es die Gewerkschaft noch gibt

BrightPixelsStudio (CC0), Pixabay
Teilen

In Sachsen ist wieder alles wie immer:
Die Busse fahren vielleicht.
Oder vielleicht auch nicht.
Die Fähren setzen über.
Oder eben nicht.
Und irgendwo zwischen Kirnitzschtalbahn, Elbfähre und Regionalbus 520 versucht Verdi gerade mit maximaler Entschlossenheit zu beweisen, dass sie noch lebt.

Denn was wäre eine Gewerkschaft ohne Warnstreik?
Ein Verein mit Mitgliedsbeitrag und Jahreskalender.
Also wird selbstverständlich wieder gestreikt – vom 9. April bis 11. April, damit auch wirklich niemand vergisst, warum man jeden Monat brav an Verdi überweist.

Tarifrunde Nummer fünf – Einigung? Wie langweilig wäre das denn?

Nach der fünften Verhandlungsrunde im Tarifstreit des Regionalverkehrs Sachsen gibt es – Überraschung! – keine Einigung.

Die Arbeitgeber haben laut Verdi zentrale Forderungen ignoriert.
Die Gewerkschaft ist empört.
Die Beschäftigten sind genervt.
Die Fahrgäste stehen ratlos an Haltestellen.
Und ganz Sachsen spielt wieder das beliebte Frühlingsspiel:

„Fährt mein Bus – oder ist das schon Klassenkampf?“

Der Streikfahrplan: Ein Meisterwerk deutscher Bürokratie-Komik

Besonders schön ist wie immer der Streikfahrplan.
Denn in Deutschland wird selbst das Chaos noch ordentlich tabellarisch aufbereitet.

  • Einige Linien fallen komplett aus
  • Andere fahren planmäßig
  • Wieder andere fallen nur vereinzelt aus
  • Manche fahren bis 20 Uhr
  • Andere nur bis 22 Uhr
  • Und manche Fähren tun so, als wäre gar nichts

Kurz gesagt:
Wer Donnerstag in Sachsen pünktlich ankommen will, sollte entweder Hellseher, Geograf oder Rentner mit Tagesfreizeit sein.

Die Elbfähre fällt aus – sogar Geocaching muss leiden

Besonders tragisch trifft es diesmal auch die große Zivilisationsoffensive des VVO:
Die geplante Geocaching-Tour an der Fährstelle Pillnitz – Kleinzschachwitz fällt wegen des Streiks aus.

Das ist natürlich bitter.
Da wollte man den Menschen moderne Freizeitpädagogik am Wasser bieten – und dann kommt wieder die Gewerkschaft dazwischen.

Man kann nur hoffen, dass wenigstens irgendwo noch ein Schatz gefunden wird.
Zum Beispiel das verschwundene Vertrauen der Fahrgäste.

Straßenbahn fährt, Bus vielleicht, Fähre eher nicht – willkommen im sächsischen ÖPNV-Lotto

Wer sich durch die Liste kämpft, erkennt schnell:
Der Streik ist kein kompletter Stillstand, sondern eher eine Art verkehrspolitisches Escape Room-Erlebnis.

In Dresden zum Beispiel:

  • Straßenbahnen fahren
  • Standseilbahn fährt
  • Schwebebahn fährt
  • einige Busse fahren
  • andere Busse fahren nicht
  • manche nur bis 22 Uhr
  • Fähren eher nicht
  • Kirnitzschtalbahn: auf Wiedersehen

Das Ganze liest sich wie die Speisekarte eines sehr verwirrten Restaurants:

„Heute haben wir alles. Außer das meiste.“

Kommentar: Natürlich muss Verdi streiken – sonst fragt noch jemand nach dem Sinn

Seien wir ehrlich:
Eine Gewerkschaft muss gelegentlich streiken.
Nicht nur wegen Arbeitszeit, Urlaub, Schichtdienst und Geld.
Sondern auch aus existenziellen Gründen.

Denn wenn monatelang alles ruhig bliebe, könnten manche Mitglieder plötzlich auf gefährliche Gedanken kommen wie:

  • „Wofür zahle ich eigentlich Beitrag?“
  • „Machen die außer Pressemitteilungen auch noch was?“
  • „Ist Verdi ein Verband oder ein Podcast?“

Nein, nein.
So weit darf es nicht kommen.

Deshalb wird in schöner Regelmäßigkeit das gemacht, was Gewerkschaften eben tun müssen:
den Betrieb anhalten, den Fahrgast verwirren und den Arbeitgeber an seine Unbeliebtheit erinnern.

Man könnte fast sagen:
Der Warnstreik ist das Lebenszeichen der organisierten Unzufriedenheit.

Die Fahrgäste: traditionell die Kollateralschäden des Sozialkampfs

Natürlich trifft es am Ende wie immer vor allem jene, die mit dem Tarifkonflikt ungefähr so viel zu tun haben wie die Kirnitzschtalbahn mit der NATO:

  • Pendler
  • Schüler
  • ältere Menschen
  • Leute mit Terminen
  • und jene tapferen Seelen, die noch glauben, der ÖPNV sei eine verlässliche Infrastruktur

Sie alle dürfen nun wieder morgens mit der App in der Hand vor der Haltestelle stehen und das tun, was man in Deutschland inzwischen am besten kann:

hoffen.

Fazit: Sachsen streikt sich durch den Frühling

Also ja:
Verdi streikt wieder.
Die Arbeitgeber sind natürlich schuld.
Die Beschäftigten wollen bessere Bedingungen.
Und die Fahrgäste dürfen erneut herausfinden, dass der Nahverkehr in Sachsen auch ohne Baustellen, Schnee und Signalstörungen kreativ unzuverlässig sein kann.

Aber man muss es auch positiv sehen:

Die Gewerkschaft zeigt Einsatz.
Die Mitglieder sehen Wirkung.
Die Arbeitgeber spüren Druck.
Und der Rest des Landes lernt ganz nebenbei die Liniennummern auswendig.

Denn eines ist sicher:
Wenn die Gewerkschaft nicht streikt, könnte am Ende noch jemand glauben, sie wäre nur zum Beitragsabbuchen da.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

TGI-Empfehlungsgeber: Gutgläubig, naiv oder mitverantwortlich?

Eine Frage muss man inzwischen offen stellen dürfen: Waren manche Empfehlungsgeber der...

Allgemeines

Ganz ehrlich: So eine Zittersaison brauch ich als Arminia-Fan nicht nochmal

Also irgendwann reicht’s halt auch mal. Ja, klar: Am Ende irgendwie durchgekommen....

Allgemeines

Vorsicht bei dubiosen Festgeld-Portalen: Wenn schon das Impressum Fragen aufwirft, sollten Anleger extrem wachsam werden

Festgeld-Angebote mit angeblich „Top-Zinsen“ von bis zu 4,50 Prozent wirken auf viele...

Allgemeines

Interview mit Anlegerschützer Thomas Bremer

„Bei solchen Aktien-Pushs verdient oft am Ende nur derjenige Millionen, dem die...