Wieder einmal steht ein AfD-Politiker wegen eines Vorgangs vor Gericht, bei dem man sich unweigerlich fragt, wie oft diese Partei eigentlich noch mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte kokettieren will.
Der Leipziger AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Moosdorf muss sich vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Er soll im Bundestag – ausgerechnet im Reichstagsgebäude – einen Parteikollegen mit dem Hitlergruß begrüßt und dabei auch noch die Hacken zusammengeschlagen haben.
Allein schon der Vorwurf ist politisch verheerend.
Und falls er sich bestätigt, wäre es weit mehr als ein peinlicher Ausrutscher:
Es wäre ein weiterer Beleg dafür, warum die AfD nie aus ihrer selbstverschuldeten Schmuddelecke herauskommt.
Nicht Opfer, sondern Muster
Natürlich gilt die Unschuldsvermutung.
Natürlich muss ein Gericht klären, was tatsächlich passiert ist.
Und natürlich weist Moosdorf alles zurück, spricht von „politischem Rufmord“.
Aber selbst das Grundmuster ist längst bekannt:
- Erst ein ungeheuerlicher Vorwurf.
- Dann die reflexhafte Opfererzählung.
- Dann die Behauptung, alles sei nur eine Kampagne.
- Dann das übliche Gerede von „politischer Justiz“ oder „Rufmord“.
Und genau das ist Teil des Problems.
Denn die AfD schafft es seit Jahren, immer wieder in Situationen zu geraten, in denen Begriffe, Gesten, Parolen oder Codes auftauchen, die in jeder halbwegs verantwortungsvollen demokratischen Partei sofort zum politischen Totalschaden führen würden.
Bei der AfD hingegen wirkt es oft eher wie ein wiederkehrendes Betriebsgeräusch.
Wenn so etwas im Bundestag passiert, ist das mehr als nur widerlich
Sollte sich der Vorwurf bestätigen, dann reden wir nicht über irgendeine dumme Provokation am Stammtisch oder eine entgleiste Bemerkung in einer verrauchten Hinterzimmer-Runde.
Dann reden wir über einen Hitlergruß im Bundestag.
Im Parlament der Bundesrepublik.
Im Reichstagsgebäude.
An einem Ort, der wie kaum ein anderer für die Lehren aus der deutschen Geschichte steht.
Das wäre nicht einfach nur geschmacklos.
Nicht nur „grenzwertig“.
Nicht nur ein „Missverständnis“.
Das wäre ein Schlag ins Gesicht jeder demokratischen Kultur dieses Landes.
Kommentar: Die AfD hat ein massives Selbstverschulden
Die AfD beklagt sich gern darüber, unfair behandelt, dämonisiert oder ausgegrenzt zu werden. Sie inszeniert sich regelmäßig als Opfer eines angeblichen politischen Kartells.
Nur:
Niemand zwingt diese Partei dazu, ständig mit Figuren, Formulierungen und Vorfällen aufzufallen, die nach Rechtsaußen stinken.
Niemand zwingt sie dazu, immer wieder Personal zu dulden, das mit NS-Anspielungen, geschichtsrevisionistischen Grenzüberschreitungen oder bewusst kalkulierten Tabubrüchen Schlagzeilen produziert.
Und niemand zwingt sie dazu, jedes Mal so zu tun, als sei nicht der Vorfall das Problem, sondern nur dessen öffentliche Wahrnehmung.
Genau deshalb bleibt die AfD in der Schmuddelecke:
Weil sie dort politisch immer wieder selbst hineinmarschiert.
Die eigentliche Frage ist nicht nur juristisch
Juristisch wird jetzt das Gericht entscheiden, ob sich der Vorwurf beweisen lässt.
Politisch aber stellt sich längst eine andere Frage:
Warum häufen sich ausgerechnet in dieser Partei immer wieder solche Fälle?
Warum ist es so oft die AfD, wenn es um:
- NS-Rhetorik,
- geschichtsvergessene Entgleisungen,
- Symbolik am rechten Rand,
- „Missverständnisse“ mit eindeutigem Beigeschmack,
- oder demonstrative Tabubrüche geht?
Ab einem gewissen Punkt ist das keine Serie von Zufällen mehr.
Dann ist es ein Milieuproblem.
Fazit
Sollte sich der Vorwurf gegen Matthias Moosdorf bestätigen, dann wäre das kein Betriebsunfall.
Dann wäre es ein weiterer schwerer Beleg dafür, dass die AfD nicht einfach nur „missverstanden“ wird, sondern sich ihr Ruf sehr oft aus dem eigenen Verhalten speist.
Wer ständig an den äußersten rechten Rand marschiert,
wer immer wieder mit Symbolen und Codes kokettiert,
wer jede Kritik als Verschwörung abtut,
der darf sich irgendwann nicht mehr wundern, wenn er politisch dort verortet wird, wo er offenbar immer wieder selbst hinwill.
Die AfD landet nicht „immer wieder“ in der Schmuddelecke.
Sie richtet sie sich dort oft erstaunlich behaglich selbst ein.
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